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Kardinal Schönborn: Eine „ungehörige Indiskretion“

Er finde es „nicht richtig, dass so vertrauliche Dinge veröffentlicht werden“, so der Wiener Erzbischof über das jüngst erschienene Enthüllungsbuch von Erzbischof Gänswein.
Papst in Österreich - Benedikt XVI. mit dem Wiener Erzbischof
Foto: dpa (dpa) | Im September 2007 besuchte Papst Benedikt XVI. Österreich. Im Bild ist er zu sehen mit dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat sich am Mittwoch gegenüber der österreichischen Presseagentur "Kathpress" vom jüngst in Italien erschienenen Buch des Kurienerzbischofs Georg Gänswein distanziert: „Ich finde es nicht richtig, dass so vertrauliche Dinge veröffentlicht werden, zumal vom persönlichen Sekretär.“ Es handle sich dabei um eine „ungehörige Indiskretion“ des langjährigen Privatsekretärs von Papst Benedikt XVI.

„Ein Brieflein für den Fall des Falles“

Gänsweins Buch „Nient'altro che la verita“ („Nichts als die Wahrheit“) ist vergangene Woche in Italien erschienen. Darin enthüllte er, dass Erzbischof Schönborn im Jahr 2005 den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger darin ermutigte, im Falle seiner Papstwahlen, die Entscheidung zu akzeptieren. Dies hat Kardinal Schönborn nun bestätigt. Nach Aussagen Gänsweins soll Schönborn noch vor dem Papstwahlen „ein Brieflein für den Fall des Falles“ an Ratzinger geschrieben haben. 

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Kardinal Schönborn sagte dazu: „Ja, das war so. Ich habe aber bisher bewusst darüber geschwiegen, obwohl es im Rahmen der Kardinalsversammlung geschehen ist, und nicht beim Papstwahlen selbst.“ Das zweite im Buch geschilderte Treffen mit Schönborn - ein kurzes und persönliches Gespräch mit dem frisch gewählten Papst - habe sich ebenfalls so ereignet, bestätigte er.

Der kleine Brief hat „sehr berührt“

Im Kapitel des Gänswein-Buches „Schönborns Brief“ bezieht sich Benedikts langjähriger Privatsekretär spezifisch auf eine Rede des damals neu gewählten Papstes gegenüber einer deutschen Pilgergruppe. Er sprach: „Als langsam der Gang der Abstimmungen mich erkennen ließ, dass sozusagen das Fallbeil auf mich herabfallen würde, war mir ganz schwindelig zumute. (...) Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir dies nicht an! Du hast Jüngere und Bessere, die mit ganz anderem Elan und mit ganz anderer Kraft an diese große Aufgabe herantreten können. Da hat mich ein kleiner Brief sehr berührt, den mir ein Mitbruder aus dem Kardinalskollegium geschrieben hat.“

Wie Gänswein in seinem Buch aufzeigt, war dieser „Mitbruder“ Schönborn, einer aus seinem Schülerkreis. Er war einer der wenigen, abgesehen von Ratzingers Jugendfreunden, die mit dem verstorbenen Emeritus per Du waren. DT/jmo

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