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Es gibt keine unpolitische Kirche

Laut dem Kirchenrechtler Martin Grichting gilt spätestens seit dem II. Vatikanum: Vor allem die Laien können und sollen sich politisch in die Gesellschaft einbringen.
Papst Franziskus, Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri und ein Statue des römischen Kaisers Marcus Aurelius
Foto: IMAGO/Ettore Ferrari | Die Frage nach dem richtigen Verhältnis von kirchlicher Autorität und weltlicher Macht bleibt auch im 21. Jahrhundert aktuell.

Wie politisch ist das Christentum? Auf diese Frage antwortet der Kirchenrechtler Martin Grichting in einem Gastbeitrag für die „Tagespost“. Es sei, so Grichting, unmöglich, nicht politisch zu sein. Denn auch das Schweigen zu politisch drängenden Fragen könne als politische Stellungnahme verstanden werden. Das gelte auch für die katholische Kirche.

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Jedoch habe sich mit der Errichtung freiheitlicher Demokratien und dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein Rollenwandel innerhalb der Kirche vollzogen. Politisches Handeln sei vormals der kirchlichen Hierarchie vorbehalten gewesen. Nun aber sei es Aufgabe der Laien, als Christen in der Gesellschaft zu wirken.

Neufokussierung auf das Sakramentale

Die von Grichting diagnostizierte „neuartige Form der Arbeitsteilung“ betrifft auch den Klerus: „Aufgabe der Hierarchie sollte es fortan primär sein, ‚in persona Christi‘, amtlich, den Glauben zu verkünden, die Sakramente zu spenden, die Kirche zu leiten und damit die Laien in ihrer Sendung geistlich zu unterstützen.“ Gerade diese Neufokussierung auf das Sakramentale und die Lehre der Kirche solle die Hierarchie davor bewahren, sich in alltagspolitischen Anbiederungsversuchen an die Welt zu verlieren. „Statt tagespolitischer Botschaften", so Grichting, "sollten die Laien von ihren Hirten“ den Aufruf hören, „ihre kirchliche und damit zugleich ihre politische Sendung eigenverantwortlich zu leben.“

Zu der „Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“ , von der Zweite Vatikanische Konzil sprach, gehöre auch die Politik. Allerdings bedeuten Säkularisierung und Demokratisierung, so wird im Essay Grichtings deutlich, nicht die völlige Entpolitisierung der Kirche und erst recht nicht ein Verbot für das Christentum, gesellschaftlich Einfluss zu nehmen. Stattdessen gehe es darum, die im Konzilsdokument „Lumen Gentium“ (Nr. 30–38) beschriebene Mündigkeit des Individuums in politischen Fragen anzuerkennen.

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Lesen Sie den gesamten Essay von Martin Grichting zum Thema der Woche "Wie politisch ist das Christentum?" in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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