Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Finanzen

Einnahmen der Kirche aus Kirchensteuer sinken real

Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft rechnet Finanzen der Kirche hoch. Einnahmen aus der Kirchensteuer steigen nur noch nominell.
Einnahmen aus der Kirchensteuer werden nominell weiter steigen
Foto: IMAGO/Michael Bihlmayer (www.imago-images.de) | Die Einnahmen aus der Kirchensteuer werden nominell weiter steigen. Wegen der Inflation werden sie kaufkraftbereinigt sinken.

In einer Pressemeldung hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am gestrigen Samstag mitgeteilt, dass die Einnahmen der katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen aus der Kirchensteuer bis 2027 auf insgesamt 14,4 Milliarden Euro ansteigen werden. Jedoch sei der Anstieg nur nominell. Inflationsbereinigt müssten Bistümer und Landeskirchen mit weniger Kaufkraft auskommen, so das Institut. In Preisen von 2019 gerechnet, sinke das Aufkommen der Kirchensteuer bis 2027 um elf Prozent.

Lesen Sie auch:

Nomineller Anstieg

In einer gestern veröffentlichten Studie bildet das IW die Dynamik der Kirchensteuer ab. Einerseits stieg demzufolge das Aufkommen der Kirchensteuer im Jahr 2022 um 1,5 Prozent. Das sei, so die Studie jedoch deutlich weniger als der Anstieg des gesamten Einkommensteueraufkommens. Dieses war 2022 um 4,5 Prozent gestiegen. Für die Unterschiede sind dem Institut zu Folge der demografische Wandel einerseits und der steigende Kirchenaustritt andererseits verantwortlich. Im Jahr 2022 hat sich der Studie zu Folge die Anzahl der Austritte sowohl in den evangelischen Landeskirchen als auch in der katholischen Kirche auf ein Rekordniveau erhöht. Zudem zählten die Kirchen deutlich mehr Sterbefälle als Taufen und Wiedereintritte zusammen.

Insgesamt geht die Studie von einem Rückgang der (evangelischen und katholischen) Kirchenmitglieder im Jahr 2022 um 1,3 Millionen Personen und damit um mehr als 3 Prozent aus. 
Neben der hohen Austrittsdynamik setze, so das IW, mit dem demografischen Wandel ein im Grundsatz unabwendbarer Faktor die Kirchen zusätzlich unter Zugzwang. Dieser Trend werde sich ab Mitte dieses Jahrzehnts verstärken, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen und dann weniger Kirchensteuer zahlen. Für die Kirchensteuer komme als verstärkender Effekt hinzu, dass unter den Erwerbstätigen im Laufe der kommenden Jahre der Anteil der Kirchensteuerzahler sinken werde, da von den jüngeren Jahrgängen ein kleinerer Anteil Mitglied der katholischen Kirche oder der evangelischen Landeskirchen sei. Das Institut sieht einen großen Sparzwang auf die Landeskirchen und Bistümer zukommen. 

Optionen für die Kirche 

Die Studie zeigt auch Handlungsoptionen auf, um entstehende Finanzierungslücken zu schließen. Genannt werden auf der Ausgabenseite die Einschränkung von Leistungen oder auf der Einnahmenseite die Veräußerung von Vermögen. Eine Erhöhung der Kirchensteuer sieht die Studie als ungünstig an, da diese vermutlich die Austrittsdynamik weiter antreiben würde. Während die demografische Dynamik als unveränderlich angesehen wird, sieht das Institut der deutschen Wirtschaft in einem Rückgang der Austritte eine Option zur Stabilisierung der Einnahmen. DT/pwi

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Erhalten Sie in der kommenden Woche eine Sonderausgabe der "Tagespost" zum Tod des emeritierten Papstes mit Stimmen, Nachrufen und Hintergründen.

Themen & Autoren
Meldung Diözese Evangelische Kirche Katholische Kirche Kirchensteuer Landeskirchen

Weitere Artikel

Deutsche Bistümer müssen sparen und synodale Macht hat, wer über das Geld entscheidet. Die Synodalkonferenz diskutiert in einem Monat, wie viel Laien da mitbestimmen dürfen.
28.01.2026, 19 Uhr
Urs Buhlmann
In Niedersachsen gibt es ein neues Schulfach: „Christlicher Religionsunterricht“. Das sagen Experten.
26.03.2026, 17 Uhr
Sebastian Sasse
Joachim Wanke war als Oberhirte von Erfurt an der friedlichen Revolution in der DDR maßgeblich beteiligt. Nun ist er im Alter von 85 Jahren verstorben. Ein Nachruf.
19.03.2026, 19 Uhr
Klaus Zeh

Kirche

Weltmission sei ein Antidepressivum für unsere Kirchenfrustration, meint Pater Karl Wallner. Über die Sünden des Westens und die Glaubensfreude der afrikanischen Christen.
09.04.2026, 19 Uhr
Stephan Baier
Doch keine Rückkehr des Glaubens? Die vielbeachtete quiet-revival-Studie war fehlerhaft. Letztlich sollte die Hoffnung aber nicht von Zahlen abhängen.
09.04.2026, 17 Uhr
Jakob Ranke
Kein Wunder, dass die traditionelle Wallfahrt wächst. Schließlich ist sie radikal in der Christusnachfolge – und das zieht an.
09.04.2026, 13 Uhr
Elisabeth Hüffer
Papst Leo macht einen Erzbischof zum Botschafter in Berlin, der als Niederländer die Lage der deutschen Amtskirche bestens einschätzen kann.
09.04.2026, 13 Uhr
Guido Horst