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„Der Papst erwartet nicht, dass von der Synode große Veränderungen ausgehen“

Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Erzbischof Fernández, äußert sich über die bevorstehende Synode zur Synodalität.
Erzbischof Fernández sieht den Papst im Hinblick auf die Synode als entspannt an
Foto: Natacha Pisarenko (AP) | Sieht den Papst im Hinblick auf die Synode als entspannt an, "da er nicht erwartet, dass von dieser Synode große Veränderungen in strittigen Fragen ausgehen werden": Erzbischof Victor Manuel Fernandez.

Erzbischof Victor Manuel Fernández, der am Samstag ins Kardinalkollegium aufgenommen wird, leitet seit dem 15. September als Präfekt das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre. In einem Interview mit der argentinischen Zeitung „La Nación“ äußerte er sich unter anderem zur bevorstehenden Synode zur Synodalität, deren erste Versammlung vom 4. bis 29. Oktober in Rom stattfindet.

Auf die Frage der italienischen „La Nación“-Korrespondentin Elisabetta Piqué, wie er den Papst am Vorabend der „Synode zur Synodalität“, sehe, antwortete der Präfekt: „Ich sehe ihn als offen für die Überraschungen Gottes, für die Eingebungen des Heiligen Geistes. Gleichzeitig sehe ich ihn als entspannt an, da er nicht erwartet, dass von dieser Synode große Veränderungen in strittigen Fragen ausgehen werden, da die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreicht, um jede von ihnen eingehend zu untersuchen.“ Es handele sich vielmehr um einen „Moment der Reflexion“, in dem sich die Kirche noch einmal frage, „wer sie ist, wozu sie da ist und was Gott in diesem historischen Moment von ihr erwartet“.

Fernández: "Viele offene Fragen"

Erzbischof Fernández äußerte sich ebenfalls zu seinen eigenen Erwartungen an die Synode: „Ich hoffe, dass wir jenseits der Dringlichkeiten innehalten und uns anregen lassen, uns aufrütteln lassen, ein klares Selbstbewusstsein für unsere Sendung in der Welt von heute zurückgewinnen und Franziskus in seiner kühnen Erneuerung folgen können.“

Der neue Präfekt sprach im Interview außerdem von seiner Arbeit im Dikasterium: „Dort gibt es viele offene Fragen. Ich empfange Bischöfe aus verschiedenen Teilen der Welt mit ihren eigenen Problemen.“ Für den künftigen Kardinal sei seine Arbeit „eine einzigartige Herausforderung, die darin besteht, mit einer universellen Brille zu denken und zu versuchen, die Sorgen und die Kultur von Menschen aus Orten zu verstehen, die ich nicht kenne“. Sie sei „anspruchsvoll aber gleichzeitig auch sehr interessant“.

Über den Papst sagte Fernández, der ein enges Verhältnis zum Papst pflegt: „Papst Franziskus ist weder konservativ noch progressiv. Er ist nicht an Neuem um des Neuen willen interessiert, was sehr oberflächlich wäre. Denn es gibt Dinge aus anderen Epochen, die uns heute viel zu lehren haben. Auf jeden Fall sucht er danach, dass die 2000 Jahre alte Lehre Jesu auch heute fruchtbar werden und aktuelle Situationen erhellen kann.“  DT/jg

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