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Debatte um Strukturreformen: „Wir werden keine Trends mehr umkehren“

Auf einem Podium des Katholikentags wurde die Heilsnotwendigkeit neuer Organisationsstrukturen in der Kirche diskutiert. 
Diskussion über Strukturreformen beim Katholikentag
Foto: Johannes Moussong | Sind Strukturreformen unabdingbar - oder kommt alles Gute doch von oben?

„Noch Lust auf Strukturdiskussion?“ So hat der Moderator Jan Loffeld auf dem Katholikentag eine Podiumsdiskussion am Freitag eingeleitet. Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche diskutierten in der evangelischen Reglerkirche in Erfurt über den Heilswert (neuer) Strukturen und ihrer Reformen.

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Vor Ort selbst lebendig werden

„Für mich bieten Strukturen kein Heil!“, bemerkte Magdeburgs Bischof Gerhard Feige am Beginn seiner Einführung. Jedoch würden sie für den Gläubigen wirken, wie ein „Geländer“ oder „Knochen“ und ihm „Halt geben“. Strukturen seien, so habe er es in seinem Bistum Magdeburg festgestellt, notwendig um einen Weg zur Erneuerung zu finden und in der Diaspora Pfarrreformen zu ermöglichen. Um beispielsweise den Haushalt und die Immobilien zu sichern, brauche es eine gewisse Organisation. An erster Stelle stehe aber immer die Verbreitung des Glaubens. Doch: „Unser Kleid ist zu groß geworden“, nun müsse es angepasst werden, zitierte Feige den ehemaligen Erfurter Bischof Wanke.

Trotzdem liege die Verantwortung auch bei der Gemeinde selbst. Bei ihr „vor Ort“ müsse sie „selbst lebendig werden“, denn der Pfarrer oder das Bistum könne das nicht gewährleisten. „VOLK: Vor Orte Lebt Kirche“, erinnerte er sich an ein Strukturkonzept des Bistums. Auch deshalb könne man nur an der Zahl der Priester keine Strukturreformen orientieren, aber eine Kirche ohne das Priesteramt könne sich Bischof Feige „nicht vorstellen“. 

Katharina Karl, Professorin für Pastoraltheologin in Eichstätt, betonte, es sei „kein Selbstzweck an Strukturen zu basteln“. Während der Reformen müsse man immer wieder feststellen, ob es „nur eine Option oder eine Reaktion“ sei. Gleichsam müsse beständig gefragt werden: „Geht es um die Institution oder geht es um den Glauben?“ Zur Verkündigung brauche es gewisse Institutionen und Strukturen, erklärte sie. Orden und geistliche Gemeinschaften hätten in ihrem eigenen Leben eine wichtige Rolle gespielt. Darüber hinaus gäbe es, so Katharina Karl, viele Möglichkeiten Aufgaben gut auf Laien aufzuteilen, dabei aber nicht naiv zu sein und die Realität der Macht in der Kirche zu vergessen.

Keine Struktur zur Verkündigung notwendig

Veränderung liegt „in der DNA“, ergänzte Friederike Erichsen-Wendt, Referentin für Strategische Planung in der deutschen Evangelischen Kirche. Bei manchen Kirchen stehe dieses Programm „sogar im Namen“. Ihrer Meinung nach gäbe es „keine Struktur“, die „notwendig wäre“, um das Evangelium zu verkünden. Die Kirche müsste dies in dieser „Zeit eines strukturellen Epochenbruchs“ zunehmend erkennen. Positiv käme, so Erichsen-Wendt, zusammen aus einer Angst vor Wandel auch eine „Just-Do-It-Kultur“ daraus hervor. Dies würde auch eine Abgrenzung zu den stets etablierten „Abwärts-Narrativen“ in den Gemeinden erzeugen. Gleichzeitig erinnerte sie daran, realistisch zu bleiben: „Wir werden keine Trends mehr umkehren“, denn eine einzige Lösungsmöglichkeit der Probleme gäbe es nie.

Daniel Gewand, Geschäftsführer des pastoralen Strukturprozesses für das Bistum Münster, will „Strukturen anpacken“ um sich wieder auf die Kernaufgabe der Verkündigung zu konzentrieren. Die „Sozialform“ des Glaubens sei nicht mehr alleine in der Pfarrei zu finden, nun müsse man „auf verschiedene Pferde setzen“. Ein genauen, konkreten Weg habe man dabei noch nicht gefunden. Vor Ort müsse die Kirche sich um das Heil sorgen, es gäbe aber andere Organisationen „die das auch können“. DT/jmo

Info: 103. Katholikentag

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