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Berichterstattung von „El Pais“ zu Pontifikat Benedikts kritisch beleuchtet

In ihrer Dissertation stößt die spanische Autorin Carola Minguet auf „Unglaubwürdigkeit“ und „Ungenauigkeit“ in der Berichterstattung über kirchliche Fragen in der spanischen Tageszeitung.
King Juan Carlos abdicates
Foto: Hugo Ortuno (EFE) | epa04236956 Spanish newspapers 'La Razon' (L-R), 'ABC', 'El Pais' and 'El Mundo' depict Spain's King Juan Carlos I on the front pages in their special editions following the Spanish King Juan Carlos' abdication ...

Die Katholische Universität Valencia hat kürzlich die Dissertation „Die Schaffung des Bildes der katholischen Kirche durch journalistische Berichterstattung. Untersuchung des Pontifikats Benedikts XVI. in der Zeitung El País“ von Carola Minguet Civera im Rahmen einer Feierstunde angenommen.

Mittels „Frame-Analyse“ – die journalistische „Rahmen-Analyse“ untersucht, wie Rahmen (Frames) im Bewusstsein von Journalisten die Auswahl und die Kriterien für die Ausarbeitung ihrer Texte bestimmen – durchleuchtet die Autorin 1.407 Beiträge in den 2.852 Ausgaben der spanischen linksliberalen Tageszeitung „El País“ aus der Zeit des Pontifikates Benedikts XVI. (2005–2013).

"El País" hat die Blende nicht ausreichend geöffnet

„Im Journalismus wie in der Fotografie entscheidet der Fokus über die Schärfe oder die Verzerrung des aufgenommenen Bildes“, so Carola Minguet. „Die Zeitung ‚El País’ hat die Blende nicht ausreichend geöffnet. Deshalb wurde das in der Zeitung angebotenen Bild Ratzingers verzerrt. Verzerrung bedeutet zwar nicht, dass etwas erfunden wird. Die Anordnung wird jedoch verdreht oder aus dem Gleichgewicht gebracht.“

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Die meisten Beiträge über die Kirche veröffentlichte die untersuchte Zeitung – so das Ergebnis der Dissertation – im Jahr 2010, was auf die Krise des sexuellen Missbrauchs zurückzuführen sei. Aus der Untersuchung der Zeit des gesamten Pontifikats gehe allerdings hervor, dass „sich die von Mitgliedern der Kirche begangenen und vertuschten sexuellen Missbrauchsfälle als das vorherrschende Thema in der Berichterstattung der Zeitung über die Kirche erweisen.“

Die Kontroverse überwiegt in der Berichterstattung

Dieser „Rahmen“ habe sich seit Ratzingers Wahl etabliert, und sich durch alle Themen gezogen, die zeit seines Pontifikats behandelt worden seien. „Dies bestätigt, dass bei der Auswahl der Inhalte und der Art und Weise der Berichterstattung die Kontroverse überwiegt“, schlussfolgert die Doktorandin. Sie kommt zu dem Schluss, dass in der ausführlichen Berichterstattung über den sexuellen Missbrauch durch „El País“ die „Frames Moral, Konflikt und Verantwortungszuweisung zusammenkamen, und dass alle drei mit erzählerischen Mitteln zugespitzt wurden.“

Bei ihrer Untersuchung habe sie darüber hinaus „Beispiele für eine erzwungene Aneinanderreihung und fehlende Kontextualisierung“ gefunden. Dies habe „zu Verwirrung geführt, wenn über bestimmte Ereignisse berichtet, bestimmte Informationen gegeben und bestimmte kirchliche Dokumente präsentiert wurden.“

Zu den „Unkorrektheiten“, die der Zeitung „El País“ bei der Berichterstattung über den sexuellen Missbrauch unterlaufen seien, führt Carola Minguet aus: „Die offensichtlichsten waren der klassische Zusammensetzungsfehler (den Teil für das Ganze zu nehmen), ein Interesse daran zu zeigen, den Zölibat als Auslöser für den sexuellen Missbrauch anzusehen, sowie Ratzingers Schweigen in seiner Zeit als Präfekt zu verunglimpfen und sein Handeln als Papst als ‚dürftig’ zu bezeichnen.“

Redaktionelle Linie nicht geändert

In ihrer Dissertation kommt Minguet zu einer doppelten Schlussfolgerung: Die untersuchte Berichterstattung habe sich durch Unglaubwürdigkeit und Ungenauigkeit ausgezeichnet; deren Ursache liege aber nicht in falschen Behauptungen, sondern in einer Verzerrung, die durch die „Anpassung der Darstellung der Kirche an das Narrativ des allgemeinen Journalismus entsteht“.

Seit dem untersuchten Zeitraum hat die Zeitung „El País“ ihre redaktionelle Linie bei der Behandlung von kirchenbezogenen Nachrichten außerdem nicht geändert.  DT/jg

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