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Aufbruch in Ulm

In Ulm findet eines von 30 Pfingstfestivals für Jugendliche statt. Die Veranstalter geben Einblicke in ihre Vorbereitungen.
Loretto-Gemeinschaft
Foto: Archiv | Nach Vorbild der Loretto-Gemeinschaft in Salzburg finden solche Pfingsfeste nun auch an vielen Orten in Deutschland statt.

Dreißig Städte in Deutschland erwarten am Wochenende zahlreiche Jugendliche, die gemeinsam Pfingsten feiern wollen: Mit Katechesen, heiliger Messe, Abend der Barmherzigkeit und Lobpreis. „Wir sehnen uns nach einer lebendigen, katholischen Kirche“, so die Veranstalter des Pfingstfestivals in Ulm 2023. „Viele Menschen haben durch die Medien den Eindruck, dass Kirche irrelevant, nicht mehr zeitgemäß und ihre Zeit längst abgelaufen sei.“ Doch das stimme nicht: „Die Kirche ist ein Ort der Begegnung, der Hoffnung und der Freude. An vielen Orten ist der Glaube womöglich sogar so lebendig und stark wie schon lange nicht mehr.“

Die Kirche braucht heute eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes

Veranstalter des Pfingstfestes in Ulm ist der Gebetskreis „Prayersession Schemmerhofen“ der Kirchengemeinde Schemmerhofen. Der Heilige Geist, und das Fest seiner Aussendung, Pfingsten, ist für die Mitglieder des Gebetskreis, der Katalysator für Begeisterung junger Christen. Sie verweisen auf die sogenannten „Pfingstkirchen“, die weltweit den größten Zuwachs an Gläubigen unter den Christen verzeichneten und mit dem Thema Pfingsten und Heiliger Geist wohl einen Nerv der Zeit träfen. Pfingsten habe alles verändert, so die Mitglieder des Gebetskreises. Aus einer verängstigten, mutlosen und abgeschotteten Jünger-Gruppe sei eine lebendige, mutige und evangelistische Gemeinde geworden: „Ein Blick ins Obergemach in Jerusalem um das Jahr 33 nach Christus zeigt uns, was unsere Kirche heute womöglich am dringendsten braucht: eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes.“

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Seinen Ursprung haben die Pfingstfestivals in Salzburg. Dort fand im Jahr 2000 das erste „Fest der Jugend“ am Pfingstwochenende statt. Fortan kamen jährlich immer mehr Jugendliche nach Salzburg, bis zuletzt im Jahr 2019 der Salzburger Dom mit fast 10 000 Jugendlichen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum gefüllt war. Organisiert wird das Fest der Jugend in Salzburg von der „Loretto-Gemeinschaft“: Doch diese hegte bereits Pläne, das Pfingstfest nicht mehr nur in Salzburg, sondern global in mehreren Städten und Ländern stattfinden zu lassen. Die Corona-Beschränkungen im Jahr 2020 stellten sich als eine Chance aus, um genau das anzustoßen: Auch in Ulm. Die „Prayersession Schemmerhofen“, ein Gebetskreis aus der Nähe von Ulm veranstaltete 2021 ihr eigenes Pfingstfest mit 150 Jugendlichen nach dem Vorbild Salzburgs. Ein Jahr später fand das Pfingstfest erstmals nicht mehr nur in Salzburg, sondern in mehreren Locations im deutschsprachigen Raum statt. Ulm konnte seine Teilnehmerzahlen damals bereits verdoppeln. Die Organisatoren vor Ort stehen im engen Austausch mit den Salzburgern, um sicherzustellen, dass der Charakter der Pfingstfestivals überall erhalten bleibt.

Staunen über Gottes Schönheit

Das Team hat viel Zeit investiert, um den Kirchenraum so zu gestalten, dass die Teilnehmer sich wohlfühlen und ein Willkommenheitsgefühl zu schaffen – ein Schlüssel der Pfingstfeste, wie die Veranstalter von Ulm 2023 verraten. Teilweise säßen Gläubige in „grauen, kalten und trostlosen Kirchenräumen und begutachten jeden Unbekannten mit skeptischen Augen.“ In Ulm sorgen deshalb farbiges Licht, ein roter Teppich vor dem Altar, sowie Blumen, Pflanzen und andere Dekorationen für eine neue Atmosphäre. Für das Sakrament der Versöhnung haben die Veranstalter „Beicht-Sofas“ aufgestellt. „Das alles machen wir, damit sich die Teilnehmer wirklich in der Kirche wohlfühlen und gerne mehrere Stunden darin verbringen. Sie sollen staunen über Gottes Schönheit, die wir unter anderem durch die Gestaltung des Kirchenraums abzubilden versuchen.“

Neben dem Kernprogramm für Leute zwischen 14 und 35, das aus Katechesen, Heiligen Messen, einem Abend der Barmherzigkeit, Lebensübergabe und Lobpreis besteht, gibt es aber je nach Location noch zusätzliche Angebote. In Ulm werden die Teilnehmer bei mehreren kurzen Vorträge mehr über Gott erfahren: Über seine Existenz, seine Sehnsucht nach einer Beziehung zu den Menschen und seiner Erfahrbarkeit auch heute. Besonders auf den Abend der Barmherzigkeit freuen sich die Veranstalter: „Es ist wirklich überwältigend zu sehen, wie bereits am ersten Abend hunderte Menschen ihren Weg neu zu Gott finden. Manche gehen nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder zur Beichte und erfahren Gottes Barmherzigkeit neu.“

Jesus das Leben übergeben

Die Teilnehmer haben am zweiten Tag die Möglichkeit, Jesus öffentlich ihr Leben zu übergeben; in einem bewussten Schritt auf seine Liebe und seine Barmherzigkeit zu antworten. Das geschieht durch die Handauflegung durch Priester, die für die Ausgießung des Heiligen Geistes beten. „Erfahrungsgemäß ist dieser Schritt von sehr großer Bedeutung für jene, die den Schritt wagen. Viele können sich auch Jahre danach noch an diesen Tag erinnern, an dem sie Jesus ihr Leben und die Kontrolle darüber übergeben haben“, berichten die Veranstalter. Als ganz besonderes Highlight begleitet Weihbischof Thomas Maria Renz das Festival am Samstag und Sonntag. Neben der Feier der heiligen Messe wird er auch am Samstagmittag einen Workshop zum Thema „Leben aus dem Heiligen Geist“ gestalten.

Anders als in den vorigen Jahren ist 2023 in Ulm ein dritter Tag geplant, bei dem die Teilnehmer ermutigt werden sollen, ihren Glauben weiter in Gemeinschaft zu leben und dafür selbst aktiv zu werden, mit dem Ziel zu Hoffnungsträgern in ihren eigenen Gemeinden zu werden. In diesem Jahr wird es erstmals in Ulm auch noch einen dritten Tag geben, an dem die Teilnehmer ermutigt werden, ihren Glauben weiter in Gemeinschaft zu leben und selbst aktiv zu werden. Sie sollen sich vernetzen und in ihren eigenen Gemeinden zu Hoffnungsträgern werden. Außer in Ulm finden Pfingstfestivals 2023 in Au, Augsburg, Eichstätt, Hilders, Kempten, Mainz, München, Neviges, Paderborn, Passau, Waldfischbach-Burgalben und Regensburg statt.

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