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Am Ende ein Haufen Papier

Die verquaste Sprache des Arbeitspapiers der römischen Bischofssynode zeigt den Konstruktionsfehler des gesamten Weltprozesses.
Arbeitspapier zur Weltsynode veröffentlicht
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA / ipa-agency.net (www.imago-images.de) | Möglichst alle sollen sich in den steif und abstrakt formulierten Leitsätzen des Arbeitspapiers zur Weltsynode wiederfinden. Ein Unternehmen, das bisher nichts gebracht hat und auch am Ende nichts bringen wird.

Das am Dienstag veröffentlichte Arbeitspapier für Teil zwei der römischen Bischofssynode im kommenden Oktober krankt an dem doppelten Mangel, der für den gesamten synodalen Prozess bezeichnend ist: Das viel gepriesene Gottesvolk, die „kirchliche Basis“, interessiert sich einen feuchten Kehricht für das, was da in kirchlichen Gremien und bischöflichen Arbeitsgruppen beraten wird. Das hat die im unteren einstelligen Prozentbereich liegende Beteiligung bei den Ideensammlungen und Fragebogenaktionen zur Vorbereitung der Synoden gezeigt.

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Zum anderen führt die Bestandsaufnahme zum Thema Partizipation und Mission in den unterschiedlichsten Regionen der Welt zu so allgemeinen und wachsweichen Formulierungen, die zwar auf alle passen sollen, aber nirgendwo die konkrete Wirklichkeit treffen. Was haben die sterbenden Volkskirchen in den alten europäischen Kerngebieten des Christentums mit den Aufbrüchen in den vielen jungen Ortskirchen gemeinsam? Gar nichts. Trotzdem sollen sich alle in den steif und abstrakt formulierten Leitsätzen des Arbeitspapiers wiederfinden. Ein Unternehmen, das bisher nichts gebracht hat und auch am Ende nichts bringen wird.

Falsche Erwartungen

Einzelne kleinere Pressure-Groups nutzen diesen Prozess einer über sich selbst redenden Elite von Kirchenfunktionären, um ihre Forderungen (Frauendiakonat, Laienpredigt, Viri probati und so weiter) in diese Phase des „decision making“, der Entscheidungsfindung, einzubringen, wohl wissend, dass das „decision taking“, die abschließende Beschlussfassung, dann bei den geweihten Amtsträgern liegt, im Fall der Synoden beim Papst.

Darauf weist das Arbeitspapier der Synode auch hin. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie etwa beim Synodalen Weg in Deutschland: In der Phase des „decision making“ werden Erwartungen geschürt, und in der Phase des „decision taking“ wandeln sich überhöhte Erwartungen oder nicht erfüllbare Forderungen in einen Schlussakkord gewaltiger Frustration. Siehe den jüngsten Besuch der deutschen Synoden-Bischöfe im Vatikan.

Katechese und Glaubensschulen

Eine Doppelsynode über Mission und Partizipation müsste die ganz unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Ortskirchen unter die Lupe nehmen. In deutschsprachigen Ländern etwa sind die Transmissionsriemen der Glaubensweitergabe völlig abgerissen. Katechese und Glaubensschulen wäre das große Thema. Und die Kirche ersteht nicht neu aus jenem Haufen Papier, den man derzeit in Rom produziert. Sie ersteht neu durch glaubwürdige Zeugen, die dem Glauben an Jesus Christus ein Gesicht erteilen.

Das Vorbild eines seligen Carlo Acutis bewirkt mehr als ein weltweiter synodaler Prozess von drei Jahren, der mit einem postsynodalen Schreiben des Papstes enden wird, von dem die säkularen Medien wenn, dann nur am Rande Notiz nehmen werden. Personen zählen, nicht Papier. Heilige braucht es, nicht heiße Luft.

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