St. Maurice

Kardinal Sarah kritisiert Synodalen Weg

Er wisse nicht, wohin der Synodale Weg führen solle, meint der afrikanische Kurienkardinal - und warnt vor einer Neuerfindung der Kirche.
Kardinal Sarah kritisiert Reformprozess
Foto: Stefano Spaziani (Spaziani) | Von dem Vorwurf, ein Gegner von Papst Franziskus zu sein, distanzierte sich Sarah deutlich. „Das ist ein Etikett, das man mir anheften will.“

Der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah hat Kritik am innerkirchlichen Reformprozess in Deutschland geübt. „Wenn ich mir anschaue, was auf dem Synodalen Weg in Deutschland geschieht, dann weiß ich nicht, wohin das uns führen wird“, erklärte Sarah im Gespräch mit dem Schweizer Portal „kath.ch“. Sarah warf darin die Frage auf: „Ist es eine völlige Neuerfindung der Kirche? Man nimmt, was jeder sagt, und sucht dann den Konsens.“ Die Wahrheit der Kirche sei aber „vor uns. Sie kann nicht von uns konstruiert werden“.

Sarah: Die Kirche ändert sich nicht

Weiter hob Sarah hervor: „Die Kirche ändert sich nicht. Sie wurde aus der durchbohrten Seite Christi am Kreuz geboren. Wir sind diejenigen, die sich ändern müssen.“ Wenn die Kirche heilig sei, könne sie sich nur ändern, um noch heiliger zu werden.

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Auf die Frage, ob nicht die Gefahr bestehe, stehen zu bleiben, da ja auch das Zweite Vatikanische Konzil einlade, die Zeichen der Zeit zu erkennen, erwiderte der 76-jährige Kardinal: „Das Zweite Vatikanum sagt nicht, dass sich die Kirche ändern muss.“ Zwar wachse die Kirche zahlenmäßig und an Heiligkeit. „Sie verändert aber nicht an dem, was sie ist, das heißt, an der Weiterführung Jesu Christi, einzig und allein.“ Jesus baue die Kirche, nicht der Mensch.

Grundsätzlich betonte Sarah, was zähle, sei nicht der Weg, „sondern die Suche nach der Wahrheit“. Wahrheit entstehe nicht aus Konsens, „sie geht uns voraus“, so der ehemalige Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. „Wenn wir einen Dialog führen, wenn wir uns begegnen, dann deshalb, weil wir gemeinsam die Wahrheit suchen, die frei macht.“ Jeder komme mit seiner Vision und seinen Ideen. Wer ehrlich sei, müsse jedoch zugeben, dass seine Vision unvollständig sei. „Und ich muss bereit sein, die vollständigere und wahrere Vision des anderen anzunehmen.“

Sarah: Bin nicht Sprecher der Traditionalisten

Im Gespräch mit „kath.ch“ äußerte Kardinal Sarah auch Kritik dazu, wie die heilige Messe heute häufig zelebriert werde. „Wir unterhalten uns oft nur untereinander. Der Priester spricht, spricht, ohne zu schweigen.“ Die Liturgie sei jedoch nicht für den Menschen, sondern für Gott. „Wenn wir die Zentralität, den Primat Gottes verlieren, wird die Messe zu einem einfachen brüderlichen Mahl“, warnte Sarah.

Die Behauptung, Bannerträger der Traditionalisten zu sein, wies Sarah zurück. „Ich bin nicht ihr Sprecher.“ Er bestätige, so Sarah, was die katholische Kirche immer geglaubt und bejaht habe. Der Kurienkardinal wörtlich: „Ich bestätige die Lehre und die Morallehre der Kirche. Ich bin weder Traditionalist noch Progressiver.“ Auch von dem Vorwurf, ein Gegner von Papst Franziskus zu sein, distanzierte sich Sarah deutlich. „Das ist ein Etikett, das man mir anheften will.“ Jedoch könne niemand ein einziges Wort finden, „einen einzigen Satz, den ich gegen ihn gesagt oder geschrieben habe“.  DT/mlu

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