„Mission Manifest“ weiterentwickeln

Seit Monaten wird in der deutschsprachigen Kirche hitzig über die Schrift „Mission Manifest“ gestritten. Bei einer Tagung im Schweizer Freiburg stellten sich Kritiker und Unterstützer der Debatte.

Tagung zum "Mission Manifest"
Der Augsburger Theologe Johannes Hartl, Mitherausgeber des Manifests, gab sich bei der Tagung sehr selbstkritisch. Foto: Noomi Krause

Seit Monaten wird in der deutschsprachigen Kirche hitzig über die Schrift gestritten. Die Schrift hat das kirchliche Jahr 2018 in der deutschsprachigen Welt geprägt wie keine andere. Anfang des Jahres auf der Augsburger „MEHR“-Konferenz vorgestellt, sollte das Buch im Sinne der Autoren ein Weckruf zu neuem missionarischen Handeln der Kirche sein. Über 4 000 Mitunterzeichner haben sich seither zu neuen missionarischen Aktivitäten verpflichtet.

Buchtitel beweist: Autoren ist an der Zukunft der Kirche gelegen

Bei einer jüngst veranstalteten Tagung zum „Mission Manifest“ im Schweizer Freiburg sollte der Generalsekretär der römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, Daniel Kosch, die Rolle des Kritikers spielen. Kosch nahm die Einladung an und stellte sich der Diskussion. Das Wohlwollen allerdings, das er dabei für das „Manifest“ an den Tag legte, war wohl nicht Teil des Plans gewesen. Kosch begann voll des Lobes: Die Autoren würden schließlich schon mit dem Buchtitel beweisen, dass ihnen an der Zukunft der Kirche gelegen sei. „Das finde ich gut!“ Der Kirchenfunktionär wolle darum nicht streiten, sondern vorankommen. Ganz im Sinne von Papst Franziskus: Andiamo avanti – gehen wir voran.

Notwendige Korrekturen in zehn Anmerkungen

Der Vorsteher der Territorialabtei Einsiedeln, Abt Urban Federer OSB, gehört zwar zu den Erstunterzeichnern des „Mission Manifest“, vermisste bislang aber eine theologische Vertiefung. Ein bemerkenswertes Programm dafür lieferte nun ausgerechnet der als Kritiker geladene Kosch. In zehn Anmerkungen zeigte er aus seiner Sicht notwendige Korrekturen am „Mission Manifest“ auf. Er störe sich etwa am defizitären Bild vom Menschen und wünsche sich eine positive Sicht auf die Weltlichkeit der Welt. Auch die institutionelle Gestalt der Kirche sei nicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Nicht zuletzt plädierte der promovierte Theologe dafür, die Vision des „Manifests“ weiterzudenken – in die Zukunft gerichtet und zugleich größer gefasst.

Der Augsburger Theologe Johannes Hartl, Mitherausgeber des Manifests, gab sich bei der Tagung sehr selbstkritisch. „Wenn wir der Sünde der Lagerbildung Vorschub geleistet haben, tue ich hier gerne öffentlich Buße.“ Für viele Kritikpunkte gebe es in der Tat berechtigten Anlass. Das gelte auch für den mehrfach vorgebrachten Vorwurf antimoderner Tendenzen, so Hartl.

Warum sich die Dogmatikerin Gunda Werner bei der Veranstaltung zum „Mission Manifest“ nicht dazu durchringen konnte, das Idealbild einer missionarischen Kirche zu bejahen, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 20. Dezember 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT