Würzburg

"Eucharistie ist am Amazonas nicht wirklich gefragt"

Der peruanische Bischof Reinhold Nann kritisiert die Themensetzung der Amazonassynode. Manche bislang diskutierten Fragen seien vor Ort schlicht nicht wichtig, sagt der gebürtige Deutsche.

Amazonas-Synode soll Kirche umkrempeln
Die Gläubigen in den Amazonasgebieten haben andere Probleme als Sexualmoral oder Zölibat, sagt Bischof Reinhold Foto: Autumn Sonnichsen (dpa)

Bischof Reinhold Nann hat vor unrealistischen Erwartungen an die Amazonassynode gewarnt. Gegenüber der "Tagespost" sagte der aus dem Erzbistum Freiburg stammende Geistliche, der in Peru die Territorialprälatur Caravelí leitet, in Europa gebe es überzogene Erwartungen und Befürchtungen. Die Amazonassynode sei jeodoch kein allgemeines Konzil. Sie werde die Kirche nur besser für die Rahmenbedingungen des Amazonasgebiets aufstellen. Europa müsste für seine Kirchenreform schon eine eigene europäische Synode machen, denn die Amazonas-Synode sei und bleibe eine lokale Synode. Allerdings räumte Bischof Nann ein, dass die Amazonassynode „was das Klima und den Umweltschutz betrifft" universale Bedeutung haben werde.

Der 59-Jährige, der als Fidei-donum-Priester nach Peru ging, kennt die Herausforderungen im Amazonasgebiet aus eigener Erfahrung. Zu seiner einstigen Pfarrei gehörten 37 Dörfer am Putumayofluss. Bisher, so Bischof Nann, sei die Kirche am Amazonas schlicht unfähig gewesen, ihre hierarchische Struktur präsent zu machen – ganz zu schweigen von ihrer Sexualmoral. „Die Leute leben ihre Moral, nicht die kirchliche, was vor allem mit der ganz großen Abwesenheit der Kirche in ihrem Leben zu tun hat. Aber das ist kein großes Thema bei uns. Hier geht es vor allem um die Umwelt und die Inkulturation.“

Aufhebung des Pflichtzölibats löst die Probleme nicht

Den Gedanken, der Priestermangel sei durch die Weihe von Viri probati problemlos zu beheben, weist Bischof Nann zurück. " Wenn ich mehr Priester hätte, könnten sie von den mageren Einnahmen dieser Dörfer kaum leben. Ich bräuchte also nebenamtliche Priester, die noch einen Zivilberuf haben oder ,Viri probati‘. Die gibt es aber nur verheiratet.“ Doch in sakramentaler Ehe lebende Männer sind eine seltene Spezies in einer Region, in der ein Großteil der Laien unverheiratet zusammenlebt. Mit Nachdruck räumt er mit der Vorstellung auf, die katholischen Gläubigen in der Amazonasregion quäle bitterer eucharistischer Hunger.

Nüchtern beschreibt er die Folgen des Glaubensmangels: „Am Amazonas ist Eucharistie im Unterschied zum Andengebiet nicht wirklich von den Bewohnern gefragt. Ein Wortgottesdienst ist für die meisten genauso wie eine Messe. Nur wir Theologen meinen, die Eucharistie wäre das Wichtigste.“ Daher könnten gut ausgebildete Katecheten sehr gut den Priester ersetzen. Seiner Auffassung nach sollten diese Katecheten auch „eine Art Amt“ haben, das ihren Dienst in den Augen der Mitbewohner legitimiere.

Die Rolle der Frau sei auch in Perú ein Thema, räumt der Schönstatt-Priester ein. Es werde über ein neues Amt für Frauen nachgedacht, eine Art „Gynakolytat“, das dem Diakonat gleichgestellt wäre. Dieser Vorschlag sei im Juli 2018 beim fünften gesamt-amerikanischen Jahrestreffen der Päpstlichen Missionswerke im bolivianischen Santa Cruz de la Sierra  zum ersten Mal ins Spiel gekommen.

DT/reg

Lesen Sie den vollständigen Hintergrund zur Sicht von Bischof Reinhold Nann auf die Amazonassynode in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost". Kostenlos erhalten Sie diese aktuelle Ausgabe der Zeitung hier.