Loyalität erweist sich in der Krise

Wer einem Papst zujubelt und den anderen in den Hades wünscht, agiert nicht katholisch, sondern subjektivistisch.

Franziskus und Loyalität
Sind ein Katholik und der Papst konträrer Meinung, geht er nicht sofort von der eigenen Unfehlbarkeit aus. Foto: Uncredited (AP)

Soll der Papst zu den Vorwürfen von Ex-Nuntius Viganò schweigen oder reden? Katholiken würden wohl aufatmen, wenn jemand die Vorwürfe entkräften würde. Doch selbst wenn Franziskus schweigt, ist das keine Bestätigung der Anklage. Was wir nicht sehen: Wen würde eine päpstliche Rechtfertigung beschädigen, belasten, in Misskredit bringen? Wir sehen auch nicht, welche Motive Viganò zur Anklage verleitet haben.

Der Papst ist kein Politiker, sondern Vicarius Christi

Weil der Papst kein Politiker ist, sondern Vicarius Christi, ist das Verhältnis zu ihm nicht allein von subjetiver Begeisterung abhängig. Ein Katholik, der dem einen Papst gehorchen will und den andern in den Hades wünscht, ist dem Subjektivismus auf den Leim gegangen. Heuchler sind jene, die sich jetzt über Franziskus-Kritik ereifern, aber bei Benedikt und Johannes Paul II. nur Haare in der Suppe suchten. Loyalität erweist sich gerade dann, wenn ein Papst nicht nach dem eigenen Gusto agiert und man kein euphorischer Fan ist.

Loyalität ist etwas anderes als Gehorsam

Doch Loyalität ist etwas anderes als Gehorsam. Ihre Reichweite geht über den abgesteckten Raum verbindlicher Lehräußerungen hinaus. Sie ist nicht unzerstörbar, aber eine bewusste Entscheidung: Der Katholik will dem Papst die Wahrheitsvermutung zuerkennen. Sind er und der Papst konträrer Meinung, geht er nicht sofort von der eigenen Unfehlbarkeit aus.

Warum es weder katholisch ist, jedes päpstliche Handeln reflexhaft zu verteidigen, noch dem Papst bei Schlechtwetter die Loyalität aufzukündigen, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 06. September. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT/sba