Interessante Fakten zum Grabtuch von Turin

Interessante Fakten zum Grabtuch von Turin – Ein Glaubenszeugnis von Erzbischof Karl Braun und Barbara Stühlmeyer. Von Joachim Werz

Das Grabtuch von Turin
Das Turiner Grabtuch wird die Forschung auch weiterhin beschäftigen. Foto: dpa

Für die einen ist es das Grabtuch Christi, in das sich das Antlitz des Gekreuzigten eingeprägt hat. Für die anderen handelt es sich um Unsinn. Was ist dran am Mythos um das Grabtuch von Turin?

Bilanz der internationalen Forschung und Glaubenszeugnis

Der emeritierte Bamberger Erzbischof Karl Braun und die Kirchenhistorikerin und Musikwissenschaftlerin Barbara Stühlmeyer tragen in ihrer neu erschienenen Monographie nicht nur den Status quo der internationalen Forschung zum Turiner Grabtuch zusammen, sondern legen auch ein persönliches Glaubenszeugnis für die Echtheit des Grabtuches von Turin ab.

Der Streit um die Echtheit

Die entscheidende Frage dabei ist sowohl von historischer als auch von religiöser Bedeutung: Ist auf diesem Grabtuch tatsächlich Jesus von Nazareth nach der Abnahme vom Kreuz zu sehen? Seit Jahrhunderten streiten Wissenschaftler und Theologen, Journalisten und Gläubige gleichermaßen und teilweise mit faszinierender Ausdauer über die Frage, ob das Turiner Tuch tatsächlich jenes Grabtuch sei. Viel mehr noch geht es um die Frage: Können wir uns tatsächlich ein Bild vom Sohn Gottes machen?

Die Monographie gliedert sich in fünfzehn Kapitel mit zahlreichen Unterkapiteln, die kurz und daher auch sehr leserfreundlich sind. Durch diese Kürze sowie durch die spürbare Freude der Autoren an der Thematik bekommt das Buch eine ungeheure Dynamik und Frische.

Informationen über die materielle Beschaffenheit und die Geschichte des „Turiner Grabtuch“

Interessierte finden darin Informationen über die materielle Beschaffenheit des Grabtuches sowie die verschiedenen Spuren wie Blut, Wasser, Pollen, Salben, über die verschiedenen Wege und Stationen des Grabtuches und die oftmals Verwobenheit des Tuches in kirchliche wie auch weltliche Politik. Hierbei faszinieren Braun und Stühlmeyer vor allem mit einem detaillierten und sehr verständlich wiedergegebenen Wissen über die verschiedenen Stadien der Entdeckung und wissenschaftlichen Erforschung des Grabtuches.

Der Einfluss auf die bildlichen Darstellungen Jesu in der Geschichte

Besonders interessant sind die Ausführungen zur Bedeutung des Grabtuches im Kontext der Jesusreliquien sowie zum Einfluss desselben auf die bildlichen Darstellungen Jesu Christi im Laufe der Geschichte. Abbildungen bereichern die Abhandlung und veranschaulichen zudem das besonders in diesem Kontext Ausgeführte sehr gut.

Das Grabtuch von Turin: Auswirkungen auf die Liturgie

Bisher blieben die Auswirkungen des Turiner Grabtuches auf die Liturgie weitestgehend unberücksichtigt. Dieses Desiderats nehmen sich die beiden Autoren an und weisen interessante Verbindungen zwischen dem Grabtuch sowie liturgischen und musikalischen Bräuchen und Traditionen nach. Dabei wird deutlich, dass das Grabtuch von Turin Musiker und Komponisten aller Zeiten inspirierte, um diesem Antlitz eine Stimme, eine Harmonie, einen Klang zu geben.

Der theologiegeschichtliche Kontext

Es wäre zu kurz gegriffen, würde man nur die wissenschaftlichen Ergebnisse sowie die kulturellen und sozialen Auswirkungen nennen, die Braun und Stühlmeyer vorlegen. Die Arbeit ist vor allem auch theologiegeschichtlich gut kontextualisiert, was unter anderem die Ausführungen über die Passionsmystik deutlich machen.

Von Augustinus über Bernhard von Clairvaux, Teresa von Avila bis hin zu Maria Pierina wird erkennbar, wie sehr die Verehrung des Antlitzes Jesu Christi mit der Geschichte der Kirche, ihren Frömmigkeits- und Andachtsformen verbunden ist und warum auch in der Gegenwart die Verehrung des Grabtuches beziehungsweise des Antlitzes Jesu Christi seine Berechtigung hat. Daher bieten diese theologiehistorischen Ausführungen auch ein gutes und historisch untermauertes Fundament für die spirituellen Betrachtungen zum Turiner Grabtuch von Erzbischof Braun. Diese kurzen Impulse, die die Intensität der Begegnung mit dem Antlitz Christi bezeugen, können unter anderem in der Fasten- und Passionszeit als geistliche Lektüre dienen.

Überzeugt von der Echtheit des Grabtuches

In ihrem Schlussplädoyer erklären die beiden Autoren, dass sie von der Echtheit des Grabtuches überzeugt sind und wie sehr sie selbst von diesem Antlitz berührt und innerlich verwandelt wurden.

Sie prognostizieren, dass die Beschäftigung mit dem Grabtuch nie aufhören wird und darf, denn letztlich wird dadurch deutlich, dass der Mensch ein genuin religiöses Wesen ist, der nach Gott sucht und auch darauf hofft und vertraut, ihn finden zu können. Erzbischof Braun und Barbara Stühlmeyer zeigen, dass dies durch die sowohl wissenschaftliche als auch religiöse Beschäftigung mit dem Grabtuch von Turin möglich ist.

Eine spürbare Faszination

Die spürbare Faszination der beiden Autoren wird durch Literatur und Forschungsergebnisse untermauert; die historische Genese, die kulturellen Ein- und Auswirkungen sowie die frömmigkeitsgeschichtlichen Folgen werden facettenreich schriftlich wie auch durch Abbildungen dargestellt; die glaubende Begeisterung der Autoren springt auf den Leser über. Eine Leseempfehlung, um sich nicht nur interessantes Wissen zum Turiner Grabtuch anzueignen, sondern um sich auch selbst auf die Suche nach dem Antlitz des Sohnes Gottes zu machen.

Videoreportage über das Grabtuch von Turin

Barbara Stühlmeyer, Erzbischof em. Karl Braun: Das Turiner Grabtuch. Faszination und Fakten. Butzon & Bercker, Kevelaer 2018, 200 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-766-62534-2, EUR 20,-