Fingerzeig des Himmels

In Ruanda erschienen Jesus und Maria mehreren Jugendlichen und warnten vor dem Völkermord. Von Maria Pelz

Die Kirche hat die Erscheinungen von Kibeho anerkannt. Seitdem pilgern Tausende in den malerischen Ort. Foto: IN
Die Kirche hat die Erscheinungen von Kibeho anerkannt. Seitdem pilgern Tausende in den malerischen Ort. Foto: IN

Afrika ist ein faszinierender und einzigartiger Teil, aber ethnisch tief gespaltener Teil der Welt. Im Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi starben Mitte der neunziger Jahre bis zu eine Million Menschen.

Vor den Schrecken des Krieges erhielt Ruanda einen Fingerzeig des Himmels. Von 1981 an erschien in Kibeho die Gottesmutter Maria und verbreitete die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit. Sie erschien zunächst der sechzehnjährigen Alphonsine, einer Schülerin, bevor sie weiteren Mädchen im gleichen katholischen Internat erschien, die daraufhin von ihren Mitschülerinnen, allen voran von Marie-Claire, einem klugen, mutigen und auch frommen Mädchen, gemobbt wurden. Auch die Erzieherinnen und Priester glaubten den Mädchen zunächst nicht. Auf dem Höhepunkt der Demütigungen und Schikanen, die Marie-Claire gegen die ersten Seherinnen ausübte, erschien Maria auch dieser. Eine tiefgreifende Wandlung Marie-Claires war die Folge. Maria warnte die Mädchen, denen sie erschien, vor Hass und Krieg und zeigte ihnen, ähnlich wie den Kindern in Fatima, schreckliche Bilder. Sie rief sie zu einem Leben in Liebe und Barmherzigkeit auf. Schnell sprachen sich die Ereignisse herum und die Pilger kamen auch aus den Nachbarländern, um nah an den Erscheinungen zu sein. Im Jahr 2001 erklärte der Vatikan die Echtheit dieser Erscheinungen.

Spektakulär war auch die Fortsetzung dieser Ereignisse: 1982 erschien Jesus einem fünfzehnjährigen Jungen, der weder lesen noch schrieben konnte und der noch nie von Gott gehört hatte: Segatashya, ein Hirtenjunge aus einer bitterarmen heidnischen Familie, die in einem winzigen Dorf aus Lehmhütten im Süden Ugandas lebte. Jesus lehrte ihn den Glauben, sodass später Theologen und Bischöfe verblüfft über seine Kenntnisse waren. Die überlieferten Dialoge zwischen dem Jungen und Jesus verblüffen durch ihre Unvermitteltheit und die Direktheit, mit der Segatashya Fragen, auch kritische, an Jesus stellt – völlig frei und dadurch auch unbelastet von sämtlichem Wissen über das Christentum. Ähnlich wie in Fatima zerstörten die Pilger das bescheidene Grundstück von Segatashyas Familie, die deshalb schließlich umziehen musste. Segatashya wurde zu einem modernen Zeugen der Liebe Gottes, verließ seine Familie und reiste umher, um den Menschen die Botschaft Jesu zu bringen. Er schreckte nicht davor zurück, nach Burundi und in den gefährlichen Kongo zu gehen, als Jesus ihn darum gebeten hatte. Er warnte vor dem Genozid und rief zu einem Leben in Glauben und Liebe auf. Seine Botschaft war apokalyptisch und bleibt auch nach dem Genozid deshalb aktuell. 1994 wurde er während des Völkermords in Ruanda ermordet. Die meisten Aufzeichnungen und Audiodokumente der Untersuchungskommission wurden ebenfalls zerstört.

Auch die Geschichte der Verbreitung der Botschaft aus Kibeho ist ergreifend. Immaculée Ilibagiza hörte zum ersten Mal als Zwölfjährige, als sie in einem Dorf in Ruanda aufwuchs, die Berichte über die Erscheinungen in Kibeho. Als Studentin begegnete sie Segatashya persönlich und konnte ihn zu den Ereignissen befragen. Während des Genozids verlor sie viele ihrer Familienangehörigen, überlebte in einem kleinen Versteck und emigrierte anschließend in die USA, wo sie für die Vereinten Nationen in New York arbeitet. Sie hat in mehreren Büchern ihr Leben und die Botschaft von Kibeho bekannt gemacht und reist regelmäßig mit Pilgergruppen aus den USA nach Ruanda, um den Wallfahrtsort Kibeho zu besuchen.

Auf einer dieser Reisen übergab der Leiter der medizinischen Kommission, der die jugendlichen Seher untersucht hatte, Ilibagiza alle geretteten Unterlagen. Sie konnte auch mit der Schwester von Segatasgya sprechen, die ihr aus der Zeit der Erscheinungen berichtete. So wurde die Verbreitung der Botschaft von Kibeho zu ihrer Lebensaufgabe. Ihre Bücher darüber sind eine Mischung aus autobiographischen Berichten, Dokumentation und der Wiedergabe von Gesprächen der Seher mit Maria und Jesus. Auch Liedtexte und Gebete integriert. Die Quintessenz der Botschaft ist die Aufforderung, aus der Liebe zu Gott und den Menschen heraus das eigene Leben zu gestalten und sich auf das ewige Leben vorzubereiten.

Unsere Kirche stellt jedem frei, den Berichten der Kinder aus Afrika zu glauben oder nicht. Ihre Berichte sind verstörend: Sie stören einen Glauben, der sich bequem in der Welt eingerichtet hat. Sie rufen auf zu Buße und Gebet, sie schließen das Leiden nicht aus. Die Hörer werden aufgerufen, ihr Leben zu ändern. Das Wissen um diesen einzigen afrikanischen Wallfahrtsort, der aufgrund einer Marien- und Jesuserscheinung entstanden ist, birgt eine Sprengkraft, die auch Menschen in Europa auf eine gute Weise stören und verändern kann. Darum ist den Berichten über Kibeho weiteste Verbreitung zu wünschen.

Immaculée Ilibagiza mit Steve Erwin: Die Erscheinungen von Kibeho. Maria spricht zur Welt aus dem Herzen Afrikas. Media Maria Verlag Illertissen, 256 Seiten, EUR 18,95 Euro

Immaculée Ilibagiza mit Steve Erwin: Der Junge, dem Jesus begegnete. Segatashya von Kibeho. Media Maria Verlag Illertissen, 240 Seiten, EUR 17,95 Euro