Würzburg

Langsame Annäherung bei Trauerarbeit

Das jegliche Klischees umschiffende, französische Drama „Mein Leben mit Amanda“ berührt durch das natürliche Spiel der siebenjährigen Hauptdarstellerin.

Garcías Filmtipp: Mein Leben mit Amanda
Nach einem tragischen Ereignis, bei dem die Mutter der siebenjährigen Amanda (Isaure Multrier) stirbt, kommt sie bei Onkel David (Vincent Lacoste) unter. Nach einer ersten Annährung stellt sich die Frage, ob sie auf Dauer beim Onkel bleiben soll. Foto: Nord-Ouest-Films

Am 13. November 2015 erschütterten mehrere koordinierte, islamistisch motivierte Terroranschläge die Stadt Paris. Die Medien berichteten ausführlich, auch etwa darüber, dass eine Woche nach den Attentaten die Zahl der Todesopfer auf 130 stieg. Doch was für menschliche Schicksale sich dahinter verbergen, was für Auswirkungen für Angehörige ein solcher Anschlag hat, bleibt der Öffentlichkeit meistens unbekannt.

Anschläge von Paris spielen zentrale Rolle

Im Spielfilm „Mein Leben mit Amanda“ von Mikhaël Hers spielen die Anschläge von Paris eine zentrale Rolle, befindet sich doch unter den Todesopfern auch die alleinerziehende Mutter der siebenjährigen Amanda (Isaure Multrier). Einziger Verwandter des kleinen Mädchens ist ein Onkel, der Mittzwanziger David (Vincent Lacoste). Der Zuschauer hat ihn als unbekümmerten, in den Tag hinein lebenden Tagträumer erlebt, der den Pariser Sommer einfach genießt, und der sich in die junge Léna (Stacy Martin) verliebt. Über Wasser hält er sich mit Gelegenheitsjobs. Ob er für seine kleine Nichte Verantwortung übernehmen kann?

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Von der Frage, wie alleinstehende Erwachsene auf einmal für Kinder Verantwortung übernehmen sollen oder müssen, handelt so mancher Film, etwa zuletzt Paola Randis „Tito, der Professor und die Aliens“. Stehen in Paola Randis Film eher skurril-komödiantische Aspekte im Vordergrund, so gelingt Regisseur Hers und seiner Mitautorin Maud Ameline eine ausgewogene Mischung aus dem Drama, das aus dem Verlust der Mutter herrührt, und den schönen Augenblicken zwischen Onkel und Nichte.

Einfühlige, aber nie gefühlsduselige Inszenierung

Bei der alle Klischees umschiffenden Darstellung der Trauerarbeit durch ein Kind nimmt die spontane, aber immer wieder berührende Darstellung der siebenjährigen Isaure Multrier eine bedeutende Stellung ein. Aber auch das sensible Spiel von Vincent Lacoste trägt entscheidend zur einfühlenden, aber nie gefühlsduseligen Inszenierung bei.

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