Eine Woche vor Anpfiff

WM-Boykott: Deutsche gespalten

38 Prozent wollen die Fußball-WM in Katar aus ethischen Gründen boykottieren, wie eine aktuelle Tagespost-Umfrage ergibt. 41 Prozent werden das Turnier aber verfolgen.
Fußball-WM in Katar
Foto: IMAGO/Blatterspiel (www.imago-images.de) | Was einen Boykott des Turniers aus ethischen Gründen angeht, sind die Deutschen gespalten. 38 Prozent wollen die WM in dem Golfstaat boykottieren, eine knappe Mehrheit von 41 Prozent hat dies nicht vor.

Am Sonntag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – eines der umstrittenstes Fußball-Großereignisse überhaupt. Was einen Boykott des Turniers aus ethischen Gründen angeht, sind die Deutschen gespalten. 38 Prozent wollen die WM in dem Golfstaat boykottieren, eine knappe Mehrheit von 41 Prozent hat dies nicht vor. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des in Erfurt ansässigen Meinungsforschungsinstituts „INSA Consulere“, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde. 17 Prozent wissen nicht, ob sie die WM verfolgen werden oder nicht, fünf Prozent wollen dazu keine Angabe machen.

Nur 16 Prozent der Muslime boykottieren die WM

Die Aussage, zu der die Teilnehmer der Umfrage Stellung beziehen sollten, lautet: „Ich werde die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar aus ethischer Überzeugung boykottieren.“ Im Umgang mit dem wichtigsten Fußballturnier der Welt zeigt sich auch eine gewisse Geschlechterdiskrepanz: Während weibliche Befragte die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar relativ-mehrheitlich aus ethischer Überzeugung boykottieren wollen (42 Prozent), werden dies männliche Befragte relativ-mehrheitlich nicht tun (48 Prozent).

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Betrachtet man die Frage eines WM-Boykotts aus ethischer Überzeugung anhand der unterschiedlichen Konfessionsgruppen, ergeben sich nur minimale Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten. 38 Prozent der Katholiken wollen die WM boykottieren, bei den Protestanten sind es 40 Prozent. Gleichzeitig geben 40 Prozent der Katholiken an, das Turnier nicht boykottieren zu wollen, bei den Protestanten sind es 37 Prozent. Freikirchliche Befragte gehen etwas entspannter mit dem Turnier um: 35 Prozent wollen die WM aus ethischer Überzeugung nicht verfolgen. Allerdings sind auch 29 Prozent von ihnen noch unentschlossen (18 Prozent bei Katholiken, 19 bei Protestanten). Ganz anders sehen erwartungsgemäß muslimische Befragte das Turnier: Nur 16 Prozent geben an, die WM in Katar boykottieren zu wollen, 56 Prozent sind gegen einen Boykott. 23 Prozent sind noch unentschlossen.

Absolute Mehrheit der Grünen-Wähler schaut WM nicht an

Die Erhebung, für die 2.010 erwachsene Personen vom 11. bis 14. November befragt wurden, schlüsselt die Frage auch nach Parteizugehörigkeit auf. Dabei treten wesentliche Unterschiede zutage, teilweise abhängig von der Verortung im politischen Spektrum: So will mit 53 Prozent die absolute Mehrheit der Grünen-Wähler das WM-Turnier boykottieren, von den Anhängern der Linken immerhin noch 43 Prozent. Von den Wählern der SPD haben dies nur noch unterdurchschnittliche 35 Prozent vor. Auch von den AfD-Anhängern planen 35 Prozent einen Boykott der WM. Vergleichsweise entspannt gehen dagegen Anhänger von Union und FDP mit dem sportlichen Großereignis um: 31 Prozent der Unionsanhänger wollen das Turnier boykottieren, von den FDP-Wählern sind es sogar nur 29 Prozent.  DT/mlu

Wie steht es wirklich um die Menschenrechtslage in Katar? Und was kann ein sportpolitisches Großereignis wie die WM daran ändern? Die Antworten lesen Sie in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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