Gender

WHO erklärt, dass „sich das Geschlecht nicht auf Mann oder Frau beschränkt“

Der revidierte Leitfaden der WHO zum Gender-Mainstreaming bricht mit der biologischen Definition der beiden Geschlechter. Der Mediziner Écochard hält das neue Dokument für desaströs – gerade auch für junge Menschen, denen es angeblich helfen will.
Alle Gender - Zeichen
Foto: Peter Steffen (dpa) | Die WHO sieht „neue wissenschaftliche Beweise“ für die Existenz von mehr als zwei Geschlechtern. (Symboldbild)

Das katholische Portal Aleteia führte mit dem Medizin-Professor an der Universität Lyon, René Écochard, ein Interview über das revidierte Dokument der Weltgesundheitsorganisation zum Umgang mit Genderfragen, in dem behauptet wird, dass sich das Geschlecht „nicht auf Mann oder Frau beschränkt“. Vor kurzem erschien das neue Buch des Mediziners mit dem Titel „Homme, femme, ce que nous disent les neurosciences“ (Verlag Artège). 

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Nicht Mann oder Frau

In dem Vorgängerdokument der WHO „Gender mainstreaming for health managers: a practical approach“ von 2011 seien noch zwei Geschlechter, das männliche und das weibliche, beschrieben worden, betont Écochard in dem Gespräch. In Bezug auf die Neuauflage vom 6. Juli 2022 führe die WHO jedoch nach eigener Aussage „neue wissenschaftliche Beweise“ an, die es erforderlich gemacht hätten, die Konzepte darzulegen, „denen zufolge bei der Genderidentität ein Kontinuum vorliegt, und dass sich das Geschlecht ‚nicht auf den Mann oder die Frau beschränkt‘“. Dem widerspricht Écochard. 

Diese Neuigkeiten seien, so meint er, Anlass zur Besorgnis, „denn die WHO setzt im Bereich der Gesundheit Maßstäbe: Sehr viele Menschen werden damit irregeleitet und verbreiten in gutem Glauben falsche Vorstellungen über das Geschlecht. Doch jeder Mensch kommt als Mann oder als Frau zur Welt. Nur in seltenen Fällen, die in der medizinischen Fachwelt wohlbekannt sind, tritt unerwartet eine sexuelle Zwitterform oder eine andere Krankheit in diesem Bereich als Folge einer Entwicklungsstörung auf“. Diese Krankheiten machten eine Betreuung des Kindes und eine Begleitung seiner Familie erforderlich.

Das „Gender“ indes, das von der WHO noch kürzlich als „die Rollen“ definiert wurde, „die - der Vorstellung zufolge, die sich die Gesellschaft darüber macht – die Verhaltensweisen, Tätigkeiten und die entsprechenden Möglichkeiten eines jeden einzelnen bestimmen“, spreche also von der Einstellung der Gesellschaft und dem Verhalten der einzelnen Personen. Es definiere demnach nicht das Individuum und stelle daher auch keine Identität dar, so Écochard weiter: „Das Geschlecht des Mannes ist männlich, das der Frau ist weiblich“.

Chromosomen bestimmen

Seine Analysen, die der Wissenschaftler aufgrund seiner Recherchen ausarbeitete, zeigten folgende Hauptergebnisse, von denen er im Gespräch mit Aleteia vier zitiert: Erstens sei nicht nur der übrige Körper geschlechtlich ausdifferenziert, sondern auch das Gehirn: „Ein Kind, das in seinen Zellen das Chromosomenpaar XY trägt, hat bereits vor seiner Geburt ein männliches Hirn, das zu seinem Dasein als Mann passt; das Kind, das in seinen Zellen das Chromosomenpaar XX trägt, hat bereits vor der Geburt ein weibliches Hirn, das zu seinem Dasein als Frau passt“. Zweitens entwickele sich die Psyche unter der Einwirkung von Hormonen, aber auch unter der der Erziehung und der individuellen Entscheidungen aus dem heraus, was angeboren ist: „Wir sind bereits bei der Geburt Mann oder Frau, und wir werden es immer mehr, indem wir unsere spezifischen angeborenen Fähigkeiten weiterentwickeln; das Geschlecht ist eine ‚Aufgabe, die erfüllt werden muss‘“.

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Drittens entwickele sich das Wachstum der sexuellen Identität vom intrauterinen Leben bis ins Erwachsenenalter immer weiter fort: „Die sexuelle Identität erreicht ihre Reife mit 22 Jahren bei den Frauen, und mit 24 Jahren bei den Männern: die WHO müsste die Familien und die Schule ermuntern, den Jugendlichen in seinem Wachstum zu begleiten, damit er sein Potential als Mann oder als Frau entwickelt. So wie es nötig ist, sich eines Sprachfehlers oder einer Bewegungsstörung anzunehmen, ist es erforderlich, einen jungen Menschen mit Schwierigkeiten in seiner sexuellen Identitätsentwicklung bis ins Erwachsenenalter zu begleiten (die berühmte Genderdysphorie)“.

Zyklus bewahren

Und schließlich seien die Hormone, laut Écochard, eine Hilfe dafür, unser Leben als Mann oder als Frau zu leben – daher sei es nötig, sie zu respektieren. Man habe viel zu lang gemeint, dass die Hormone nur der Fruchtbarkeit dienten: „Die Pillen zur Empfängnisverhütung unterbrechen die Fruchtbarkeit, sie stören aber auch die Psyche – meiner Meinung nach ist es nötig, mit der Förderung hormonaler Kontrazeptiva Schluss zu machen, um den weiblichen Zyklus zu bewahren, der eine wohltuende Wirkung auf die Frau hat“. DT/kks

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