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Ungeplante Ermutigung: Film "Unplannend" auf Platz 4 der Bestsellerliste

Manchmal denken und empfinden die Menschen doch anders: Dass der Film "Unplannend" über eine ehemalige Mitarbeiterin des Abtreibungsanbieters "Planned Parenthood" so gut auf der Spiegel-Bestsellerliste positioniert ist, lässt aufhorchen.
Film "Unplanned"
Foto: Unplannedfilm.com

Der Film „Unplanned“ ist ein biografischer Bericht über Abby Johnson. Die ehemalige Mitarbeiterin von „Planned Parenthood“ wird von der entschiedenen Abtreibungsbefürworterin zu einer engagierten Lebensschützerin, nachdem sie selber bei einer Abtreibung helfen muss. So ein Film kann dem Zeitgeist nicht passen. Darum wird, was nicht passt, passend gemacht. Der alte Handwerkerspruch gilt im Zweifel auch für Journalisten. Was nicht passt, wird ignoriert. Platz auf Druckseiten ist knapp, Sendeminuten ebenfalls. Der Grund ein Thema zu ignorieren ist leicht bei der Hand. Der Film „Unplanned“ ist so ein Thema. Ein Verleih für Deutschland fand sich nicht. Nur ein Kino ließ sich für eine Deutschlandpremiere gewinnen. Werbung ging über Mundpropaganda.

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Ein Lernstück für Medienschaffende

Allein auf diese Weise den Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste für Spielfilme auf DVD zu erreichen, ist eine Sensation. Mehr noch ist es ein Lernstück für Medienschaffende. Nicht der eigene Erwartungshorizont darf das Maß aller Dinge sein. Ab und zu ticken Menschen anders. Auch wenn grundsätzliche Ablehnung der Abtreibung kaum mehrheitsfähig sein dürfte, bleibt eine Ahnung, dass Abtreibung nicht harmlos ist. Fakt ist, ein Kind, das einmal da ist, kann man nicht wegmachen. Es bleibt.

Mindestens die Erinnerung. Und die kann sehr weh tun. Auch an denen, die an Abtreibungen mitwirken geht das Geschehen nicht spurlos vorbei. Die biografische Erzählung von Abby Johnson berührt offensichtlich mehr als die deutsche Kino- und Medienwelt wahrhaben will. Mit der harten Realität der Abtreibung konfrontiert, zerschellt die schöne Theorie des Frauenrechts auf Abtreibung an Kindsbewegungen auf dem Ultraschall. Das berührt. Der Erfolg des Films ist so ungeplant, wie der Weg der Protagonistin. Es mag ärgern oder verstören, dass sich ausgerechnet solch ein Film erdreistet, an der vierten Macht vorbei so erfolgreich zu sein.

Es zeigt sich aber, dass die Menschen doch mehr eigenverantwortlich denken und entscheiden, als wir ahnen und als uns manch eine Kulturkritik weis machen will. Eine Schwalbe macht keinen Sommer, ein Film keinen Kulturwandel. Dennoch: „Unplanned“ ist eine völlig ungeplante Ermutigung, öfter mal gegen den Mainstream zu schwimmen.

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