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Trump hofft auf das Urteil des Volkes

Donald Trump ist nun der erste Ex-Präsident, der auch ein verurteilter Straftäter ist. Seine Chancen, erneut ins Weiße Haus einzuziehen, müssen dadurch nicht sinken.
Auch hier könnte Donald Trump die Niederlage wieder in einen Sieg umwandeln.
Foto: IMAGO/Mark Peterson (www.imago-images.de) | Auch hier könnte Donald Trump die Niederlage wieder in einen Sieg umwandeln. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Ob Donald Trump jemals eine weiße Weste hatte, sei dahingestellt. Ein Makel haftet ihm nun jedoch an, so sehr seine Verteidiger im Gerichtssaal auch dagegen ankämpften: Er ist der erste ehemalige US-Präsident überhaupt, der gleichzeitig auch ein verurteilter Straftäter ist. Das sonst so inflationär verwendete Wort „historisch“ scheint in diesem Fall durchaus angebracht.

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Nicht alle Beobachter hatten damit gerechnet, dass eine zwölfköpfige Jury Trump in allen 34 Anklagepunkten für schuldig befindet. Im Kern wird dem Republikaner zur Last gelegt, Schweigegeldzahlungen an eine Porno-Darstellerin, die ihm eine Affäre mit ihr unterstellt, fälschlicherweise als „Rechtskosten“ deklariert zu haben, um ein anderes, schwereres Verbrechen zu vertuschen: eine Verschwörung zur Beeinflussung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl. Nur ein Abweichler in der Jury hätte ausgereicht, und das Verfahren wäre gescheitert – was Trump sicher als Freispruch verkauft hätte. 

Nüchterner Blick nötig

Den Freudentaumel, in den Gegner des Ex-Präsidenten – nicht nur in den USA, auch hierzulande – nun einfallen, gilt es zu bremsen. Stattdessen ist ein nüchterner Blick angebracht. Trump wird kaum hinter Gittern landen, viel wahrscheinlicher wird die Strafe, die der Richter Juan Merchan am 11. Juli bekanntgeben will, zur Bewährung ausgesetzt. Trump könnte auch einfach nur eine Geldstrafe erhalten. Zudem kann der 77-Jährige Berufung einlegen – wodurch ein rechtkräftiges Urteil in dem Verfahren bis über den Tag der Präsidentschaftswahl hinaus auf sich warten lassen könnte.

Auf Trump wartet zudem noch das Urteil des Volkes. Es fällt an der Wahlurne, am 5. November. Prognosen dazu, wie sich der Schuldspruch auf Trumps Chancen auswirkt, ein weiteres Mal ins Weiße Haus einzuziehen, gleichen einem Blick in die Glaskugel. Die eingefleischten Trump-Fans werden sicher noch geschlossener hinter ihrem Kandidaten stehen. Ob die unabhängigen und moderaten Wähler, die in dem sich andeutenden, äußerst knappen Rennen mit Joe Biden das Zünglein an der Waage ausmachen, sich nun von Trump abwenden, bleibt Spekulation. Bis November kann noch viel geschehen, Wahlentscheidungen werden oft erst in letzter Minute getroffen.

Trump könnte profitieren

Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Donald Trump hat es schon häufiger geschafft, eine Niederlage als Sieg zu verkaufen. Zumal es den Demokraten nicht gelungen ist, die Vorwürfe eines parteipolitisch motivierten Verfahrens vollends zu entkräften. Auch wenn diese nicht zutreffen mögen: Wenn ein solcher Eindruck bei unentschlossenen Wählern haften bleibt, könnte Trump am Ende sogar profitieren. Am Tag nach dem Urteil lässt sich nur festhalten: Trump wird weiterkämpfen, die letzte Schlacht ist noch lange nicht geschlagen.

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Maximilian Lutz Donald Trump Joe Biden Präsidentschaftswahlen Weißes Haus

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