Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Sasses Woche in Berlin

Sehnsucht nach dem Mehrheitswahlrecht

Mehr Verständlichkeit und mehr Personalität – das würde zu einer echten Reform führen.
Diskussion um Wahlrechtsreform
Foto: IMAGO/Achim Zweygarth (www.imago-images.de) | Ein wirklich mutiger Schritt wäre der konsequente Schritt hin zum Mehrheitswahlrecht, wahrscheinlich ist er allerdings nicht.

Norbert Lammert war als Bundestagspräsident so etwas wie Deutschlands oberster Parlamentarier. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Wahlrecht hat der Christdemokrat interessante Sätze gesagt.

Lesen Sie auch:

„Deutschland hat ohnehin eines der kompliziertesten Wahlsysteme der Welt. Wahrscheinlich gibt es weniger als eine Handvoll gewählte Abgeordnete, die die Mandatsverteilung aufgrund des Wahlergebnisses unfallfrei erklären können. Das Einzige, was der normale Wähler am deutschen Wahlsystem versteht, ist, dass er mit seiner Erststimme den Wahlkreisvertreter bestimmt. Und genau dieser einzige transparente Teil des Wahlsystems wird jetzt relativiert“, erklärte Lammert im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Das Wahlrecht muss für den Bürger verständlich sein

Lammert hat damit einen Punkt genannt, der entscheidend sein sollte bei der Frage nach dem Wahlrecht. Ist es für den Bürger verständlich? Lammert selbst plädiert für eine Reform-Alternative, die ehrlich gesagt außer den Experten auch keiner versteht.

Sasses Woche in Berlin
Foto: privat / dpa/Montage pwi | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Ein wirklich mutiger Schritt wäre stattdessen der konsequente Schritt hin zum Mehrheitswahlrecht. Der gewählte Direktkandidat zieht in das Parlament ein, sonst niemand. Das wäre auch ein Schritt hin zu mehr Personalität. Der Abgeordnete muss vor Ort die Bürger in seinem Wahlkreis überzeugen. Das schafft Unabhängigkeit. Er muss nicht mehr in erster Linie Funktionär seiner Partei sein, der auf einen guten Listenplatz spekuliert. 

Aber wahrscheinlich ist so eine Reform nicht. Am Ende wird vermutlich eine Reduzierung der Abgeordnetenzahl stehen. Einfach weil der Bundestag arbeitsfähig bleiben muss. Aber grundsätzlich wird sich am Status quo nichts ändern.  

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Deutscher Bundestag Norbert Lammert

Weitere Artikel

Bei der Festveranstaltung zum 150. Geburtstag hält man sich nicht mit Nostalgie auf: Europa stark machen, so wird Adenauers Erbe in die Gegenwart übersetzt.
06.01.2026, 17 Uhr
Sebastian Sasse
Heute wird das Bundesverfassungsgericht 75 Jahre alt. Grund genug, einen Blick auf unser Grundgesetz, seine Auslegung und seine Brüche zu werfen.
12.03.2026, 08 Uhr
Georg Dietlein
Aus biopolitischer Perspektive war 2025 ein ziemlich ereignisreiches Jahr. Ein analytischer Rückblick.
31.12.2025, 17 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Niedersachsens Reformpläne verwässern den Religionsunterricht weiter. Doch der will schon seit der Würzburger Synode keine klassische Glaubensunterweisung mehr sein.
11.03.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Kardinalstaatssekretär ist der einzige Nicht-Politiker unter den neuen „ehrenhaften Mitgliedern des Europäischen Verdienstordens“.
10.03.2026, 17 Uhr
Meldung
Der 2011 im Alter von 17 Jahren verunglückte italienische Jugendliche gilt vielen als Zeuge eines konsequent im Alltag gelebten Glaubens. Manche vergleichen ihn schon mit Carlo Acutis.
10.03.2026, 14 Uhr
José García