Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach dschihadistischer Eroberung Aleppos

Nuntius Zenari: Die Hoffnung in Syrien „ist tot“

Der päpstliche Nuntius in Damaskus warnt vor zunehmenden Flüchtlingsströmen und resümiert: „Der Nahe Osten steht in Flammen.“
Nuntius Mario Zenari in Syrien
Foto: KNA | Statt in der Hoffnung auf Ankunft beginne der Advent in Syrien unter denkbar schweren Bedingungen, äußerte sich der Apostolische Nuntius Mario Zenari im Gespräch mit „Vatican News".

Die syrische Stadt Aleppo ist am Wochenende in die Hand dschihadistischer Gruppen gefallen. Kardinal Mario Zenari, der päpstliche Nuntius in der syrischen Hauptstadt Damaskus, hat gegenüber „Vatican News“ seine Sorgen um diese „neue Notlage“ geäußert.

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Bereits jetzt sei das Ergebnis der Übernahme erschreckend: Zu den über 350 Toten kämen aktuell Tausende Vertriebene. Diese Zahl, so der Nuntius, würde aber immer weiter ansteigen: „Unruhe und Angst“ verbreiteten sich unter der Bevölkerung und veranlassten viele dazu zu fliehen, auch wenn sie keinen sicheren Zufluchtsort hätten.

„Die Hoffnung ist tot, in manchen Fällen schon begraben“

Laut Kardinal Zenari habe die syrische Bevölkerung den Blick auf eine gute Zukunft verloren: „Die Hoffnung ist tot, in manchen Fällen schon begraben.“ Knappe 13 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung, seien entweder Binnenvertriebene im eigenen Land, oder in die angrenzenden Länder geflohen. Besonders die jungen Menschen würden keinen Ausweg mehr sehen und versuchten, Syrien schnellstmöglich zu verlassen, so Zenari.

Die aktuelle Lage in Aleppo sei unübersichtlich, aber geprägt von einer bleibenden Angst, obwohl die bewaffneten Gruppen versprochen hätten, Zivilisten zu verschonen. „Der Nahe Osten steht in Flammen, und die geopolitischen Karten werden neu gemischt“, warnt Zenari. Die Regierung und das Militär seien aus der Stadt geflohen und Beobachter würden eine Ausweitung der Gewalt auf weitere syrische Regionen befürchten.

„Wir sind Pilger der Hoffnung“

Erst am gestrigen Sonntag war das Terra-Sancta-Kolleg der Franziskaner in Aleppo von einer Bombe getroffen worden. Auch wenn es keine Opfer gegeben habe, sei das Gebäude beschädigt worden. Pater Francesco Patton, Franziskanerkustos des Heiligen Landes, berichtete ebenfalls von einer wachsenden „Spannung und Angst“ in der syrischen Stadt und erbat das Gebet der Weltkirche für den Frieden im Land.

Nuntius Zenari und Pater Patton appellierten beide an die internationale Gemeinschaft, in der Hoffnung auf Frieden und Konfliktprävention: „Bestimmte Konflikte waren vorhersehbar, man hätte früher eingreifen müssen“, erklärte Zenari. Statt in der Hoffnung auf Ankunft beginne der Advent in Syrien unter denkbar schweren Bedingungen: „Die Menschen wollen nur noch fliehen“, betonte er. Pater Patton bestärkte: „Wir sind Pilger der Hoffnung“, auch wenn diese Hoffnung heute oft wie ein ferner Traum erscheine.

Frieden bleibe „kostbar und zerbrechlich"

Trotzdem wollen die Franziskaner an Syrien festhalten. Der Generalminister der Franziskaner, Bruder Massimo Fusarelli, wendete sich in einem Brief an seine Mitbrüder und appellierte: „Der Frieden bleibt ein Geschenk Gottes, kostbar und zerbrechlich. Lasst uns für den Frieden eintreten, auch inmitten dieser dunklen Nacht.“

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Mitte vergangener Woche hatte eine Allianz von Aufständischen unter der Führung der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) eine Offensive im Nordwesten Syriens begonnen und am Wochenende die Kontrolle über Aleppo, die zweitgrößte Stadt des Landes, übernommen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seien innerhalb von fünf Tagen über 440 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch mehr als 60 Zivilisten. Russland bestätigte nach Worten eines Kremlsprechers seine Unterstützung für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Am Sonntag und in der Nacht auf Montag hätten russische Kampfflugzeuge Angriffe auf Aleppo geflogen, so die DPA

DT/jmo

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