München

Norbert Geis: "Ehe für alle" ist Verfassungsbruch

Der Jurist und CSU-Politiker äußert sich in einem Interview mit "Kirche in Not" zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes.
Norbert Geis
Foto: Kirche in Not | Der Jurist und CSU-Politiker Norbert Geis.

Norbert Geis ist ein streitbarer Konservativer, der sich als Jurist und CSU-Politiker vor allem für katholische Werte einsetzt. In einem Interview mit "Kirche in Not" zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai betont er die christlichen Wurzeln unserer Verfassung und spricht offen über Defizite.

Norbert Geis
Foto: Kirche in Not | Der Jurist und CSU-Politiker Norbert Geis.

Recht auf Leben ist nicht durchgesetzt

Der Artikel 1 des Grundgesetzes, "die Würde des Menschen ist unantastbar", sei mittlerweile Allgemeingut geworden, so Geis. "Aber schon bei der Freiheit und dem Recht auf Leben gibt es Probleme. Das Recht auf Leben ist nicht durchgesetzt für das ungeborene Leben, obwohl das Bundesverfassungsgericht entsprechend geurteilt hat. Da wurde das Grundgesetz nach meiner Auffassung in der Gesetzgebung nicht realisiert", meint der Aschaffenburger.

"Ehe für alle"? Ein "gewaltiger Bruch des Grundgesetzes"!

Norbert Geis weist darauf hin, dass in Bezug auf Artikel 6 des Grundgesetzes "ein gewaltiger Bruch" entstanden sei: der Schutz von Ehe und Familie sei nicht mehr im Sinne der Mütter und Väter des Grundgesetzes gegeben. "Plötzlich ist die Ehe nicht mehr, wie in den vergangenen 2000 Jahren und noch früher, der Zusammenschluss von Mann und Frau auf Lebenszeit. Jetzt auf einmal gibt es die 'Ehe für alle'. Das ist nach meiner Auffassung ein Bruch von Artikel 6 und damit des Grundgesetzes."

Katholiken müssen stärker für ihre Grundsätze eintreten

Was man angesichts dieser Schieflage tun könne, formuliert Geis deutlich: "Jeder von uns muss Zeugnis geben. Wir Katholiken müssen stärker für unsere Grundsätze eintreten. Wir dürfen keine Angst davor haben, wenn wir dafür auch einmal lächerlich gemacht und in den Dreck gezogen werden oder richtig Widerstand bekommen. Wir müssen versuchen, das christliche Gedankengut in die Gesellschaft durch unser eigenes Leben und Handeln hineinzutragen, damit es auch in Zukunft unsere Kultur prägt." Dafür, so Norbert Geis, "kann man nur beten".

Norbert Geis gehörte fast drei Jahrzehnte für die CSU dem Deutschen Bundestag an und war darüber hinaus auch langjähriges Vorstandsmitglied von "Kirche in Not" Deutschland.

DT (jobo)

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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