Nicaragua: Treffen der Bischöfe bringt keine Einigung

Die Bischöfe Nicaraguas haben beraten, wie es mit dem Dialog zwischen Regierung und Opposition weitergehen soll. Präsident Ortega verschärft unterdessen seine Rhetorik.
Proteste in Nicaragua
Foto: Carlos Herrera (dpa) | Ein Treffen der katholischen Bischöfe Nicaraguas endet ohne Einigung. Unterdessen halten Demonstranten am Nationalen nicaraguanischen Studententag Gedenkmärsche für die Ermordeten ab.

Keine Aussicht auf Entspannung der Krise in Nicaragua: Das Treffen der Bischöfe des mittelamerikanischen Landes, bei dem die Geistlichen über eine Fortsetzung des Nationalen Dialogs berieten, hat keinen Durchbruch gebracht. Wie das Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, „Fides“, berichtet, konnten sich die Bischöfe am Ende nicht einmal auf eine gemeinsame Erklärung festlegen. Deutlich wurde bei dem Treffen der Bischöfe dennoch: Trotz der immer schwierigeren Situation im Land muss der Dialog aufrechterhalten werden, als einziger demokratischer Weg für ein Leben in Frieden.

Kirche setzt Gebetskampagne fort

Während in verschiedenen Gebieten weiterhin Kirchen und Gemeinden angegriffen werden, setzt die katholische Kirche ihre Gebetskampagne fort. Zudem nahmen Geistliche an den Gedenkmärschen anlässlich der Ermordung mehrerer junger Studenten in den letzten Tagen teil.

Wie „Fides“ weiter berichtet, wollen sich die Bischöfe in dieser Woche noch ein zweites Mal treffen um zu prüfen, ob sie weiterhin als Vermittler im Nationalen Dialog auftreten werden. Vorrangig soll jedoch die äußerst angespannte Situation analysiert werden. Mitte Mai hatte die zehnköpfige Bischofskonferenz Nicaraguas den Dialog zwischen Regierungskräften und Opposition eröffnet, um  einen möglichen Ausweg aus der Krise zu finden. Bisher blieben die Bemühungen jedoch ohne Erfolg. Die Gespräche mussten sogar mehrmals unterbrochen werden.

Präsident bezeichnete Bischöfe als "Putschisten"

Neben dem gewaltsamen Vorgehen regierungstreuer Paramilitärs hatte Nicaraguas Präsident Daniel Ortega den Bischöfen vorgeworfen, Teil eines Staatsstreiches gegen seine Regierung zu sein. Sie seien keine Vermittler in der politischen Krise, sondern „Teil eines Putschplans“, so der Präsident. Mit dieser Äußerung griff Ortega den gemeinsamen Vorschlag der Bischöfe und von Vertretern der Zivilbevölkerung auf, vorgezogene Neuwahlen abzuhalten.  

Vor wenigen Tagen zelebrierte der Erzbischof von Managua, Kardinal Leopoldo Brenes, die heilige Messe in der Kirche der Göttlichen Barmherzigkeit. Diese war zuvor von Paramilitärs angegriffen worden, nachdem Regierungsgegner in ihr Zuflucht gesucht hatten. Während des Gottesdienstes verwies der Kardinal auf sein Brustkreuz und bezeichnete es als „unsere einzige Waffe“. Die Anschuldigungen der Regierung, Teil eines Staatsstreiches zu sein, wies er vehement zurück.

"Kirchen sind Zufluchtsorte der Barmherzigkeit für alle"

Auch der Weihbischof von Managua meldete sich zu Wort. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter schrieb er: „Die katholische Kirche von Nicaragua leidet mit dem Volk und wir werden stets an seiner Seite sein, denn Jesus war stets an der Seite derer, die am meisten litten.“ Auch er wies die Anschuldigungen des Präsidenten zurück: „Es ist nicht wahr, dass die Bischöfe politische Ambitionen haben; wenn wir die Kirchen für die verletzen Jugendlichen öffnen, so tun wir das, weil die Kirchen Zufluchtsorte der Barmherzigkeit für alle sind.“ Auf den Vorschlag vorgezogener Neuwahlen antwortete Ortega, dass dies auf keinen Fall geschehen werde.

DT/mlu

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