Nicaragua: Exorzismus-Gebet gegen antikatholische Gewalt

Die Bischöfe des Landes rufen zu einem Tag des Fastens- und des Gebets auf. Sie wollen damit ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Gewalt und die entweihenden Handlungen.
Proteste in Nicaragua
Foto: Cristobal Venegas (AP) | 16.07.2018, Nicaragua, Masaya: Familienangehörige und Freunde tragen den Sarg von Jose Esteban Sevilla Medina, der an einer Barrikade während Zusammenstößen mit Polizei und Paramilitärs erschossen wurde.

In Nicaragua reißen die Angriffe auf katholische Geistliche nicht ab. Zudem werden regierungskritische Demonstranten weiterhin von Polizeikräften und paramilitärischen Einheiten belagert. Die Bischöfe des Landes wollen nun mit einem Exorzismus-Gebet auf die desaströse Lage aufmerksam machen, wie der britische "Catholic Herald" berichtet. Sie ernannten den kommenden Freitag, den 20. Juli, zum Tag des Fastens und des Gebets, „als Zeichen der Buße für die Entheiligungen, die in den letzten Monaten gegen Gott vorgenommen wurden“. An diesem Tag werde man das Exorzismus-Gebet zum Erzengel Michael sprechen.

Menschenrechte missachtet, wie nie zuvor

Zuvor hatten sich die Bischöfe Nicaraguas in einer Stellungnahme zur Eskalation der Gewalt in ihrem Land geäußert. „Die Unterdrückungsmaßnahmen und die Gewalt, die von Seiten regierungstreuer Paramilitärs gegen Menschen verübt wird, die friedlich protestieren, hat sich verschlimmert“, heißt es darin. Die Menschenrechte würden missachtet, wie noch nie zuvor in dem mittelamerikanischen Land.

Auch am Dienstag kam es erneut zu schweren Gewaltausbrüchen. Bei einem Angriff regierungsnaher paramilitärischer Banden und offizieller Sicherheitskräfte auf das indigene Stadtviertel Monimbo in der Oppositionshochburg Masaya kamen laut Medienberichten mindestens vier Menschen ums Leben.

Vor wenigen Tagen wurden Schüsse auf das Auto des Bischofs von Esteli, Juan Mata Guevara, abgefeuert. Er war unterwegs in die Stadt Nindiri, wo er in einen Angriff von Polizei und Paramilitärs einschreiten wollte. Der Bischof überstand die Attacke unverletzt. Zuvor waren zwei Studenten bei einem Angriff auf eine Universität ums Leben gekommen. 15 weitere wurden verletzt. Einige der fliehenden Demonstranten suchten Zuflucht in einer Kirche, in der Verletzte versorgt wurden. Bewaffnete Angreifer feuerten jedoch auch auf die Kirche Schüsse ab.

"Sie schießen auf eine Kirche"

„Sie schießen auf eine Kirche“, empörte sich Pater Erick Alvarado Cole, ein Gemeindepfarrer vor Ort. „Die Regierung behauptet, die Menschenrechte zu respektieren. Kann man so etwas als Achtung der Menschenrechte bezeichnen?“

Menschenrechtsorganisation zufolge kamen seit Mitte April bereits mehr als 350 Menschen in Nicaragua ums Leben. Auslöser war eine mittlerweile zurückgenommene Ankündigung einer Reform des Rentensystems. Regierungskritische Demonstranten werfen Präsident Ortega Machtmissbrauch vor und fordern seinen Rücktritt. 56 Prozent der 6,3 Millionen Einwohner des Landes sind römisch-katholisch, 34 Prozent gehören verschiedenen protestantischen Gemeinschaften an.

DT/mlu

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