Köln

Mögliche Legalisierung von Cannabis spaltet Apothekerschaft

In der Apothekerschaft gehen die Meinungen zur Cannabis-Freigabe weit auseinander. Befürchtet wird eine Weitergabe an Jugendliche.
Cannabiskonsum
Foto: Fabian Sommer (dpa) | Apotheken verstehen sich rund um das Thema Cannabis generell eher als medizinischer Versorger und Beratungsstelle.

Wie stehen die Apotheker in Deutschland dazu, Cannabisprodukte für den Genuss durch Erwachsene freizugeben, wie dies im Koalitionsvertrag steht? Die Meinungen dazu gehen in der Apothekerschaft weit auseinander. Inhaber von Apotheken, die denkbare Verkaufsstellen von Cannabisprodukten sind, befürchten eine Weitergabe an Jugendliche. Sie lehnen die Freigabe besonders für Liefer-/Botendienste sowie den pharmazeutischen Versandhandel strikt ab. 

42 Prozent der Apotheker lehnen Verkauf ab

Wie es in einer Pressemitteilung des in Köln ansässigen Instituts für Handelsforschung (IFH) heißt, lehnt die Mehrheit der Befragten (59 %) generell die Legalisierung ab. Knapp ein Viertel (23 %) befürwortet sie und rund 19 Prozent haben hierzu noch keine eindeutige Meinung. Für die Auswertung wurden im Oktober (08.11.2021 bis zum 22.11.2021) insgesamt 128 Apothekeninhaber online befragt.

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Auch wenn es darum geht, die Produkte in der eigenen Apotheke zu verkaufen, sind die Befragten uneins: 36 Prozent würden Cannabisprodukte zu Genusszwecken in der eigenen Apotheke verkaufen, 42 Prozent lehnen den Verkauf ab und 23 Prozent zeigen sich unentschlossen. Insgesamt finden 54 Prozent der Befragten gut, dass Cannabisprodukte zu Genusszwecken im Falle einer Legalisierung (auch) über Apotheken verkauft werden sollen. 

Nur 40 Prozent von präventiver Wirkung überzeugt

Die Hoffnung, dass die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken entscheidend zur Gesundheits- und Kriminalitätsprävention in diesem Bereich beiträgt, teilen nur 40 Prozent der Befragten. Vielmehr befürchtet die Mehrheit (83 %), dass an Volljährige verkaufte Cannabisprodukte oftmals auch an Jugendliche weitergegeben würden. Als Voraussetzung zur Sicherstellung der Gesundheits- und Kriminalitätsprävention lehnen 82 Prozent der Befragten die Freigabe von Cannabisprodukten zu Genusszwecken für Liefer- und Botendienste sowie den Versandhandel ab.

Apotheken verstehen sich rund um das Thema Cannabis generell eher als medizinischer Versorger und Beratungsstelle: Knapp zwei Drittel der Befragten (64 %) sprechen sich dafür aus, dass Apotheken ausschließlich für die Abgabe von medizinischem Cannabis eingesetzt werden sollten. Darüber hinaus erachten 61 Prozent den Einsatz von Apotheken als Beratungsstellen für den kontrollierten Verkauf von Cannabisprodukten zu Genusszwecken als sinnvoll.  DT/rkl

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