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Misereor: Entsetzliche Not in afghanischen Flüchtlingslagern

Pakistan weist afghanische Flüchtlinge in großer Zahl aus. Die Vertriebenen erwartet Armut, Kälte und Mangel.
Afghanische Flüchtlinge
Foto: IMAGO/Middle East Images/ABACA (www.imago-images.de) | Flüchtlinge aus Afghanistan werden in großer Zahl gezwungen, Pakistan zu verlassen. Sie kommen in ein bitterarmes Land mitten in Not und Winterkälte.

Auf die entsetzliche Notlage in überfüllten afghanischen Flüchtlingslagern, wo immer mehr Menschen aus Pakistan ankommen, hat das Bischöfliche Hilfswerk „Misereor“ hingewiesen. Nach der Ankündigung der pakistanischen Regierung, Flüchtlinge aus Afghanistan ohne Aufenthaltsstatus abzuschieben, haben nach Angaben von lokalen Behörden bereits über 300 000 Menschen das Land Richtung Afghanistan verlassen. Insgesamt sind 1,7 Millionen Menschen von der Ausweisung bedroht. 

Winter hat begonnen 

„Gerade jetzt die Menschen abzuschieben, ist besonders grausam“, erklärte Anna Dirksmeier, Afghanistan-Expertin bei Misereor. „Der Winter hat begonnen, es sind zweistellige Minusgrade über einen langen Zeitraum zu erwarten und es fehlt an allem: ausreichend Zelte, Decken, warmer Kleidung. Oft kommen die Menschen aus wärmeren Gegenden Pakistans nur mit Sandalen und leichter Sommerkleidung. Wenn jetzt keine schnelle Hilfe kommt, werden wir massive Erfrierungen und eine humanitäre Katastrophe erleben.

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Unsere afghanischen Projektpartner befürchten Überlebenskämpfe, die gewaltsam ausgetragen werden könnten“, betonte Dirksmeier. Misereor stellt in dieser Situation zunächst 100 000 Euro an eine lokale Partnerorganisation in der Region Herat zur Verfügung, die die Geflüchteten mit Nahrungsmitteln, Wasser, Decken und Zelten versorgt.

Ein armes Land

Die abgeschobenen Menschen kommen nach Afghanistan in ein bitterarmes Land zurück, in dem über 90 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Misereor appellierte an die Bundesregierung, die Hilfsgelder für Afghanistan zu erhöhen und sich international für eine Aufstockung des UN-Welternährungsprogramms in Afghanistan und weitere humanitäre Hilfe einzusetzen. Offiziell gibt die Regierung in Islamabad Sicherheitsbedenken als Grund für die Abschiebungskampagne an, die nur wenige Monate vor der Parlamentswahl im Februar stattfindet. 

Menschenrechtler werfen Behörden vor, mit Razzien und Verhaftungen auch gegen Afghanen vorzugehen, die in dem Land registriert seien. DT/chp 

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