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Massenabschiebung aus Pakistan droht

Nicht nur Muslime, auch Christen sind von Abschiebung aus Pakistan nach Afghanistan bedroht. Für Christen kann das den Tod bedeuten.
Afghanische Flüchtlinge werden gezwungen Pakistan zu verlassen
Foto: IMAGO/Middle East Images/ABACA (www.imago-images.de) | Afghanische Flüchtlinge werden gezwungen Pakistan zu verlassen. Eine humanitäre Katastrophe droht.

Mehr als einer Million afghanischer Flüchtlinge droht seit dem 1. November die Abschiebung aus Pakistan zurück nach Afghanistan. Inzwischen sollen bereits über 140.000 Afghanen das Land verlassen haben -   nach der Ankündigung der Regierung, alle ohne gültige Papiere abzuschieben.

Keine Papiere

Unter den Flüchtlingen, die abgeschoben werden sollen, befinden sich über 200 Familien, die zum christlichen Glauben gefunden haben. Einige dieser Familien sind in Afghanistan als Christen bekannt und eine Rücksendung könnte ihren Tod bedeuten.

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Pakistan beherbergt nach Angaben von „Livenet“  und „Christian Today“ seit der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahr 1979 rund vier Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan – Christen, sunnitische Muslime, schiitische Hazara-Muslime, Tadschiken, Usbeken und Araber. Allein seit der Machtergreifung der Taliban waren 250.000 Menschen aus Afghanistan nach Pakistan geflohen. 1,4 der vier Millionen Flüchtlinge in Pakistan haben keine Papiere, und die Beschaffung von Papieren sei alles andere als einfach, selbst für diejenigen, die schon lange im Land lebten, heißt es.

Schwache Wirtschaft

Nach Auskunft der Leiterin der Region Asien von „Christian Aid“, Ramani Leathard, hat sich das Leben in Afghanistan aufgrund von Konflikten, Gewalt und tief verwurzelter Armut erheblich verschlechtert. Pakistan sieht sich derzeit mit einer Reihe von Krisen konfrontiert – eine schlechte Wirtschaft, humanitäre Krisen und politische Instabilität, ganz zu schweigen von der jüngsten Terrorismuswelle, die fälschlicherweise den Flüchtlingen zugeschrieben wird. Die Aussicht auf einen strengen Winter verschlimmere die Lage im Land nur noch, erläuterte Leathard.

Die erzwungene Rückkehr von ohnehin schon extrem gefährdeten Afghanen, die nach der Machtübernahme durch die Taliban aus dem Land geflohen seien, zurück in ein Land, das bereits mit Hunger und Dürre zu kämpfen habe, sei äußerst besorgniserregend. Die Wirtschaft Afghanistans sei zu schwach, betonte Leathard, um einen großen Zustrom von Flüchtlingen zu bewältigen. Durch ein Erdbeben Anfang des vergangenen Monats sowie durch Kürzungen der internationalen Hilfsbudgets habe sich die Lage noch verschlimmert.

Sehr besorgt

Ravina Shamdasani, Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, sagte den Berichten zufolge: „Wir sind sehr besorgt, dass denjenigen, die abgeschoben werden, eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen drohen, darunter Folter, willkürliche Verhaftung und Inhaftierung, schwere Diskriminierung und fehlender Zugang zu grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnissen.“  DT/chp

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