Katar

Millionenspenden an Islamismus-nahe deutsche Moscheen?

Ein geleakter Satz katarischer Dokumente lässt vermuten, dass Wohltätigkeitsorganisationen aus Katar Spenden in millionenhöhe an deutsche Moscheen-Vereine mit Nähe zur Muslimbruderschaft gaben.
Begegnungsstätte NBS
Foto: imago stock&people | Freitagsgebet unter Leitung von Imam und Vorsitzender der Neuköllner Begegnungsstätte NBS Mohamed Taha Sabri

Eine Sammlung an Belegen von katarischen Wohltätigkeitsorganisationen scheint Spenden an deutsche Moscheen-Vereine nachzuweisen. Die bislang unveröffentlichten Dokumente werden aktuell von einem Investigativ-Team der „ARD“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ untersucht. Laut einem Bericht der „Tagesschau“ würden diese „Zahlungspläne, Bitt- und Dankschreiben zwischen den Vereinen mit Nähe zur Muslimbruderschaft und den Wohltätigkeitsorganisationen mit Sitz in Doha“ den Fluss von Geldsummen in Millionenhöhe nach Deutschland nahelegen.

Die „Wohltätigkeitsorganisationen aus Katar“ würden „von Mitgliedern der katarischen Herrscherfamilie kontrolliert und spenden weltweit Gelder für karitative und religiöse Zwecke“. Die Empfänger der Spenden seien unter anderem das "Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung" (IZDB), das im Zusammenhang mit sechs Millionen Euro erwähnt wird, und die "Neuköllner Begegnungsstätte" (NBS), die direkte Verbindungen zur Berliner  Landespolitik unterhalte.

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Verfassungsschutz beobachtet die Vereine

In einem öffentlichen Video sehe man Imam Sabri und Sheikh Ahmed Hammadi, ein Vertreter der „Qatar Charity“, zu Besuch in der NBS, so die „Tagesschau“. Der Imam bedanke sich für den Besuch: "Diese Moschee wurde im Jahr 2007 Gott sei Dank mit der Hilfe und der Übernahme des Großteils der Kosten durch Menschen aus Katar gekauft. Möge Gott ihnen für Ihre Taten danken."  

In einem Bericht des Verfassungsschutzes wurden 2014 bis 2016 die beiden Vereine namentlich genannt. Edas Bundesamt besitze Informationen, die Verbindungen zwischen den Vereinen und der islamistischen „Muslimbruderschaft“ belegen würden.

Nach der erfolgreichen Klage der NBS sei laut „Tagesschau“ zwar die namentlichen Erwähnungen aus dem Bericht entfernt worden, aber die „Beobachtung des Vereins durch den Verfassungsschutz ist dadurch nicht ausgeschlossen."

Weitere Vereine, deren finanzielle Unterstützung in den untersuchten Dokumenten nahegelegt werde, befänden sich in Hamburg, Bielefeld, Bonn, Essen, Frankfurt (Main), Offenbach, Heidelberg, Ulm und München. DT/jmo 

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