Am Donnerstag ist es in Washington erstmals zu einem direkten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und María Corina Machado, der führenden Oppositionsfigur Venezuelas, gekommen. Machado sprach anschließend von einem „historischen Tag“ und erklärte, sie habe Trump „die Träume der Venezolaner“ geschildert: die schwere Krise des Landes, aber auch die Hoffnung auf Veränderung. Im Zentrum stehe ein Übergang, der stabile demokratische Institutionen aufbaue und zugleich das Leben der Menschen verbessere – durch die Freilassung politischer Gefangener sowie Garantien wie Meinungs-, Bewegungs- und Vereinigungsfreiheit. Zugleich verwies Machado auf die „enorme humanitäre Krise“ in Venezuela mit fehlenden Arbeitsplätzen und dem Zusammenbruch von Sicherheit, Gesundheitswesen und Bildung.
Sie zeigte sich „sehr beeindruckt“, wie klar Trump die Lage einschätze und wie sehr ihm das Leid der Venezolaner am Herzen liege. Die Gesellschaft sei geeint, betonte sie: „Mehr als 90 Prozent der Venezolaner“ wollten in Freiheit, Würde und Gerechtigkeit leben und „unsere Kinder wieder zu Hause haben“. Nach dem Gespräch mit Trump und einem anschließenden Treffen mit einer Delegation von 14 Senatoren beider Parteien, darunter Rick Scott und Ted Cruz, sagte Machado: „Wir rechnen mit Präsident Trump für die Freiheit Venezuelas.“ Zugleich stellte sie klar: „Es geht nicht darum, eine Person zu unterstützen, ich bin Teil einer Bewegung.“ Sie verwies auf die enge Abstimmung mit Edmundo González Urrutia, dem gewählten Präsidenten Venezuelas: Er sei „sehr gut informiert“ und verfolge die Entwicklungen aufmerksam.
Machado: Venezuela hat bereits gewählten Präsidenten
Gegenüber den Senatoren unterstrich sie, sie habe bei Trump „betont“, dass Venezuela bereits einen gewählten Präsidenten habe: „Ich habe darauf bestanden und werde weiterhin darauf bestehen, dass Venezuela einen gewählten Präsidenten hat, und ich bin sehr stolz darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten.“
Das Treffen fällt in eine Phase, in der die US-Regierung zwar Wahlen und einen „Übergang zur Demokratie“ befürwortet, der Zeitplan aber offenbleibt. Tags zuvor hatte Trump mit der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez telefoniert und das Gespräch als Erfolg gewertet: Man mache „enorme Fortschritte“, während man Venezuela helfe, sich zu stabilisieren und zu erholen. Themen seien Erdöl, Mineralien, Handel und nationale Sicherheit gewesen; Trump stellte eine enge Partnerschaft in Aussicht und sprach von einer „spektakulären“ Zukunft für ein „wieder großes und prosperierendes“ Venezuela.
Gleichzeitig sieht Trump Machado offenbar weiterhin nicht als aussichtsreiche Nachfolgerin des gestürzten Staatschefs Nicolás Maduro. Auf die Frage, ob Trump es nach wie vor für schwierig halte, dass Machado Venezuela führt, weil ihr Unterstützung und Respekt im Land fehlten, antwortete Sprecherin Karoline Leavitt mit Ja. Es handele sich um eine „realistische Einschätzung“, die auf Informationen seiner Berater und des nationalen Sicherheitsteams beruhe. Von Trump selbst gab es zunächst keine Stellungnahme nach dem Treffen. Leavitt betonte zugleich, der Präsident kämpfe „für die Freiheit aller politischen Gefangenen in Venezuela“ und „für die Freiheit aller Venezolaner“.
Senat äußert Kritik an Delcy Rodriguez
Aus dem US-Senat erhielt Machado demonstrative Rückendeckung. Senator Rick Scott lobte sie als „großartige Kämpferin“ und erklärte, man wäre „nicht da, wo wir sind“, wenn sie nicht „Jahr für Jahr“ für die Venezolaner eingetreten wäre. Scott griff Delcy Rodríguez scharf an: „Wir müssen weiterhin verstehen, dass Delcy Rodríguez nicht die Staatschefin ist, sie wurde nie zur Präsidentin gewählt.“ Sie sei „immer noch die Anführerin der Drogenkartelle“ und müsse „zur Rechenschaft gezogen“ werden, verbunden mit der Forderung nach Freilassung aller politischen Gefangenen und einem Ende der Repression.
Machado warnte ihrerseits eindringlich vor Rodríguez und dem Machtapparat. Das Regime habe „in der Vergangenheit sehr effizient“ darin gehandelt, „Zeit zu gewinnen und gutgläubige Bemühungen auszunutzen“. Rodríguez sei „Teil des Regimes“. Solange „86 Prozent der Bevölkerung in Armut“ lebten, es keine unabhängige Justiz gebe und Eigentumsrechte nicht respektiert würden, könne Venezuela „unmöglich echte Investitionen“ anziehen.
Neben politischen Botschaften setzte Machado auch auf Symbolik. Sie überreichte Trump die Original-Goldmedaille des Friedensnobelpreises 2025 sowie eine Plakette mit einer ausdrücklichen Dankesbotschaft, die seinen Einsatz für Freiheit und demokratische Werte würdigen soll. Die Geste deutete sie als bewusste Parallele zu einer historischen Episode: Vor 200 Jahren habe General Lafayette Simón Bolívar eine Medaille mit dem Konterfei von Präsident George Washington überreicht – als Zeichen gemeinsamer Freiheitswerte.
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