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Der Streit um die Empathie

Kann es für Christen ein „Zuviel“ an Mitgefühl geben? Um die politische Verwertung des Empathiebegriffs tobt in den USA und zunehmend auch in Deutschland eine Debatte. Ein Blick auf Argumente zu ICE- Abschiebungen, Trans- Gesetzen und Homo-„Ehe“.
Teddy sitzt auf einer Bibel
Foto: KI-generiert | Zu welcher Politik tendieren Christen? Das kommt ganz darauf an, welchen Stellenwert sie der Empathie zuweisen.

Es war ein Statement ohne jede Resonanz. Kein Wunder: Die letzte Vollversammlung des Synodalen Weges Ende Januar 2026 war noch einmal ganz Reformen, Romkritik und synodale Selbstbespiegelung. Da hatten es die auf der Auftaktpressekonferenz neben Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp fast schüchtern vorgetragenen Gedanken des Fuldaer Bischofs Michael Gerber schwer. Dabei boten sie einen lohnenden, weil geradezu olympischen Zugang: Gerber hatte in wenigen Worten präzise die politische und theologische Tiefenströmung zum Thema gemacht, aus der die Synodaler-Weg-Reformen ebenso hervorgequollen sind wie Angela Merkels Flüchtlingspolitik oder die „Ehe für alle“: „Die Bedeutung der Empathie“.

Genauer gesagt, deren sinkende Bedeutung. „Es ist jetzt ein knappes Jahr her, dass Elon Musk die Empathie als ‚fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation‘ bezeichnet hat“, bemerkte Gerber. Vieles, das man zuletzt in der Weltpolitik habe erleben müssen, zeige, „dass sich neue Strategien etablieren, die explizit von Empathielosigkeit geprägt sind“. Mit dieser Einschätzung ist Gerber nicht allein: Fast zeitgleich zu Gerbers kurzen Ausführungen erschien im US-Magazin „The Atlantic“ ein langer Gastbeitrag der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton über „MAGAs Kampf gegen die Empathie“. Clinton argumentiert darin mit Jesus gegen Trump: Im „barbarischen“ Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde „ICE“ zeige sich „ein Feature, kein Fehler“. Dass Mitleid schwach und Grausamkeit stark sei, diese „Ablehnung christlicher Grundwerte“, sei ein Bekenntnisinhalt des MAGA-Glaubens. Besonders unschön: Diese Verherrlichung der Grausamkeit und Ablehnung des Mitleids seien „Schlachtruf“ eines „Kaders rechtsradikaler christlicher Influencer“ geworden, die „einen Krieg gegen die Empathie führen“.

Explizit verdammt Clinton die einflussreiche evangelikale Podcasterin Allie Beth Stuckey. Ihr kurz vor Trumps Wiederwahl im Oktober 2024 erschienenes Bestseller-Buch „Toxische Empathie – Wie Progressive christliches Mitgefühl ausnutzen“ ist tatsächlich ein gutes Stück weit die Antithese zu Clinton, Gerber, zur politischen Linie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der linksliberalen Politik der vergangenen Jahrzehnte im gesamten Westen. Damit wiederum ist das Buch selbst ein Symptom des fast globalen „Rechtsrucks“. Aber ist dieses Werk, das sich nicht weniger auf die Bibel beruft, als Clinton es erstaunlicherweise tut, unchristlich? Wer darf sich auf Jesus berufen? Und mit welcher Begründung? Wagen wir den Blick auf die Thesen eines Schlüsselwerks der Empathiedebatte, die längst auch Deutschland erreicht hat.

In den USA ist die „Ehe für alle“ ungefähr zehn Jahre alt. In der Bundesrepublik 2017 per Bundestagsbeschluss eingeführt, war in den Vereinigten Staaten ein Beschluss des US Supreme Court von 2015 entscheidend. Wie kam es zu dem Meinungsumschwung, der beide Entscheidungen begleitete? Für Stuckey kann Empathie „toxisch“ werden, wenn sie mit Liebe verwechselt wird. Empathie, das Einfühlen in die Gefühlswelt des Gegenübers, sei aber etwas anderes als Liebe, die bewusste Entscheidung für dessen Wohl. Toxisch sei die Empathie als politisch missbrauchtes Gefühl: Wenn Empathie als Liebe fehlgedeutet werde, entstehe daraus der moralische Drang, nicht nur die Gefühle anderer zu teilen, sondern auch deren Entscheidungen als gut und gerechtfertigt ansehen und unterstützen zu müssen. Wer sich also politisch gegen die Homo-„Ehe“ positioniert, ist dann ein schlechter, weil empathie- und damit liebloser Mensch: Wenn sich zwei (gleichgeschlechtliche) Menschen lieben und heiraten wollen, wer würde ihnen dieses Bedürfnis verwehren wollen?

Von sexueller Vielfalt bis zur Migrationsdebatte

Diese empathiegeleitete Sichtweise auf homosexuelle Beziehungen hat ganz ähnliche Konsequenzen im theologischen Raum. So hat sich bekanntlich der Synodale Weg für die Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, ja für eine ganz neue Sexualmoral ausgesprochen. Bischof Gerbers Worte illustrieren das: „Als Bischof habe ich persönlich den Synodalen Weg der vergangenen sechs Jahre als eine Schule der Empathie erlebt.“ Mehr und mehr habe er „die Chance erkannt“, die auch darin stecke, mit queeren Menschen „intensiv im Gespräch zu sein“. Für ihn habe das bedeutet, kritisch eigene Haltungen zu hinterfragen. Und weiter: „Ich glaube an einen Gott, der uns in der Heiligen Schrift und in der Tradition zeigt, der sich da uns zeigt, der mir zugleich aber auch gegenübertritt in der Wahrnehmung meines Gegenübers und insbesondere in der schmerzvollen Geschichte, in den Tränen, im Schrei und im Verstummen derer, die in unserer Kirche großes Leid erfahren haben.“ Hier geht es um sexuellen Missbrauch, aber eben auch, das lässt sich mit Blick auf die Thesen des Synodalen Weges wohl schwer abstreiten, um die Änderung der heteronormativen katholischen Sexualmoral unter Verweis auf die Quasi-Erkenntnisquelle der Empathie. Schrift und Tradition, schön und gut, aber die eigene Haltung wird dann eben dadurch „neu justiert“, dass Empathie mit „queeren Menschen“ als Gotteserfahrung gedeutet wird. Das Problem dabei läge auch für die Nicht-Katholikin Stuckey auf der Hand: Die Wahrheit der göttlichen Offenbarung, die von der Ehe zwischen Mann und Frau und der Sündhaftigkeit praktizierter Homosexualität ausgeht, wird durch Gefühle relativiert.

Aktuelleres Anschauungsmaterial als das beinahe angejahrte Thema des Umgangs mit Homosexualität bietet der Konflikt um Transidentität, in Deutschland verknüpft mit dem „Selbstbestimmungsgesetz“, das unter anderem einmal jährlich den Geschlechtswechsel gestattet. Auch hier ist die Kirche mit von der Partie: So hatte die Schulkommission der DBK im Oktober 2025 ein umstrittenes Papier veröffentlicht, das im Umgang mit der „Vielfalt sexueller Identitäten“ für „Sichtbarkeit und Anerkennung“ wirbt. So weit allein der Titel, der letztlich für sich genommen schon aussagekräftig ist: Der Primat der Empathie bedeutet, so jedenfalls Stuckeys Analyse, dass die jeweilige (emotionale) Innenperspektive eines jeden Gegenübers, und eben auch von Transmenschen, bedingungslos anzuerkennen und zu befürworten ist: Weil die häufig ins Schaufenster gestellten Aussagen von Menschen, die ihr Geschlecht gewechselt haben, „nach Befreiung klingen – wer sind wir, uns in den Weg zu stellen? Warum sollten wir jemals die Reise von irgendjemandem zu Heilung und Authentizität behindern? Ist nicht der liebevolle, empathische Weg derjenige, der andere Menschen zu ihrem Glück ermutigt?“ Klar, ihre Antwort kann gläubige Christen eigentlich nicht überraschen: Empathie-getriebene Bestätigung sei hier nicht nur kurzsichtig, sondern lieblos, denn „Liebe und Wahrheit gehen Hand in Hand“. Und um diese Wahrheit zu umreißen, reichen der Evangelikalen zwei, drei Bibelstellen: Gott, der den Menschen als Mann und Frau erschafft, kennt das Konzept der „Gender-Identität“ als vom biologischen Geschlecht losgelöster Kategorie eben nicht. Das wahre Glück kann dann in operativen Geschlechtsumwandlungen kaum zu finden sein.

Im Detail interessanter als diese nach herkömmlicher katholischer Lehre eher unstrittigen theologisch-ideologischen Schlachtfelder ist die Frage der Migration, die nicht nur in Donald Trumps letztem Wahlkampf eine riesige Rolle spielte, sondern das politische Problemthema ist, auf dem der von den Kirchen mit Sorge begleitete Aufstieg des Rechtspopulismus im Westen wesentlich aufbaut. Warum die Grenzen dichtmachen, warum abschieben? Kann es dafür eine christliche Begründung geben? Stuckey vollzieht auch hier das Empathie-Argument nach: Viele Millionen illegaler Einwanderer seien „hart arbeitende Menschen mit Jobs, Familien und Freunden. Sie gehen zur Kirche, tragen zur Gemeinschaft bei, helfen ihren Nachbarn. Sie kamen eben auf dem einzigen Weg hierher, auf dem sie dachten, es wäre möglich, auf der Suche nach einer Zukunft ohne ständige Gewalt und wirtschaftliche Not.“ Dazu kommt aus christlicher Perspektive: „Vor allem sind sie Menschen, nach Gottes Ebenbild geschaffen. Das allein bedeutet, dass diese Menschen großen Wert haben und mit Würde und Respekt behandelt werden müssen. Außerdem scheint Gott dem Schicksal von Fremden besonders viel Aufmerksamkeit zuzuwenden … Liebevoller scheint es zu sein, sich für ihr Verbleiben einzusetzen. Abschiebungen scheinen grausam. Kein Mensch ist illegal, sagen sie.“

Wie lässt sich dagegen argumentieren? Wohl nicht zufällig zieht Stuckey hier stärker den gesunden Menschenverstand, weniger die Bibel zu Rate: „Migranten können einer Gesellschaft zwar unglaublich nutzen, es ist aber nicht unmoralisch, die Zahl der Immigranten, Flüchtlinge und Asylbewerber zu begrenzen. Eine Regierung hat ein Interesse daran, das Wohl des eigenen Volkes zu priorisieren“. Unnötig zu erwähnen, dass Stuckey es (anders als der ein oder andere deutsche Bischof) für selbstverständlich hält, dass dieses Wohl unter zu viel Migration leiden kann. Die Begrenzung von Zustrom jedenfalls sei „ein zentraler Teil des Schutzes der staatlichen Souveränität, also der Fähigkeit, sein eigenes Territorium zu beherrschen … Wenn ein Land keine Grenzen hat, hat es keine Souveränität. Wenn es keine Souveränität hat, hat es keine Legitimität. Wenn es keine Legitimität hat, hat es keine Autorität, Gesetze zu erlassen. Wenn es keine Gesetze hat, folgt Chaos, Rechte gehen verloren, Staatsbürgerschaft bedeutet nichts mehr.“ Chaos aber sei das Gegenteil dessen, was Gott wolle.

Stuckey liefert – was nicht nur Hillary Clinton befremden dürfte – auch eine Art Verteidigung des (christlichen) Nationalismus: „Manche Menschen nennen Vorstellungen von Souveränität ‚Nationalismus‘, und es gibt viel Angst rund um das Nationalismus-Label wegen des progressiven Versuchs, ihn untrennbar mit weißer Überlegenheit und Faschismus zu verknüpfen.“ Aber Nationalismus meine letztlich, die Interessen des eigenen Landes über die anderer Länder zu stellen – ein Konzept, das die meisten verstünden, gehe es um andere Länder: „Die Leute stimmen zu, dass zum Beispiel Sambia das Recht hat, seine Bürger zu schützen“. Länder seien eben wie Familien – man kümmere sich zuerst um seine eigenen Kinder, was nicht heiße, dass man nicht das Wohl anderer Kinder wolle. Und: Es sei okay, seine eigenen Familientraditionen zu mögen und erhalten zu wollen. In diesem Sinne habe schon C.S. Lewis gesunden Patriotismus als gerechtfertigte und natürliche Liebe für diejenigen, mit denen man vieles gemeinsam habe, bezeichnet, „weil jede natürliche Hilfe für unsere geistliche Pflicht zur Liebe gut“ sei. Stuckey formuliert also eine allgemeinchristliche Version der „rechten“ Seite im katholischen Streit um den „ordo amoris“: Sie hält im Konfliktfall das Wohl des eigenen Landes für ethisch höherrangig als das der Migranten.

Gänzlich falsch kann Empathie also nicht sein

Dagegen stellen migrationsfreundliche Christen von Papst Franziskus bis zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) meist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Beispielhaft sei die Predigt von Bischof Georg Bätzing zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zitiert: „Nicht der barmherzige Samariter bestimmt, wer ihm Nächster und Fernster ist; nein, umgekehrt, die unter die Räuber fallen, entscheiden, wer ihnen der Nächste ist. Was Empathie und Solidarität wirklich wert sind, zeigt sich von den Opfern her, von den Ausgeschlossenen und Ausgegrenzten einer Gesellschaft.“

Und so ganz kommt auch Stuckey nicht umhin, Empathie als christlichen Wert aufrechtzuerhalten, wenn sie dem Leid durch Abschiebung das Leid der Opfer von Gewalt durch kriminelle Migranten gegenüberstellt. Die Frage lautet dann: „Wer bekommt unsere Empathie?“ Das Mitleid mit Gewaltopfern – in Deutschland dreht sich die Debatte häufig um „Messergewalt“ – legt ganz offensichtlich ein anderes politisches Handeln nahe als das Mitleid mit den Abgeschobenen. Noch offensichtlicher greift dieses Argument bei dem ebenfalls von Stuckey bearbeiteten Thema Abtreibung: Klar verdient etwa die Mutter, die mit einem behinderten Kind schwanger ist und eine Abtreibung erwägt, Empathie. Doch was ist mit dem Kind? Sollte man sich nicht auch in den Schmerz des Getöteten hineinversetzen?

Zumindest in den einigermaßen geistesgesunden Debattengefilden, in denen Stuckey operiert, wird Empathie als christliche Motivation also nicht rundheraus verteufelt. Stuckey räumt sogar ein, dass Jesus selbst durch die leidvolle Erfahrung der Menschlichkeit, durch seinen Kreuzestod Empathie verkörpere. Eine weiterführende Frage, die die Podcasterin nicht bearbeitet, ist wohl die, ob denn Empathie eine begrenzte Ressource sei. Begreift man Empathie als Tugend, dann wächst sie wohl mit der Einübung – und muss nicht etwa penibel haushaltend für die eigenen Kinder aufgespart werden. Ob sich dieses Argument auf politisches Handeln ausdehnen lässt, ist wiederum fraglich: Denn die materiellen Ressourcen, die mit der Begründung des Mitgefühls freigesetzt werden, sind sehr wohl begrenzt.

Eine durch und durch (kultur-)christliche Debatte

Stuckeys Punkt ist jedenfalls, dass – auch und gerade politische – Entscheidungen nicht primär durch die „Emotion“ Empathie motiviert sein sollten: „Als Christen sind wir zu Weisheit und Vernunft berufen, wir können es der Empathie einfach nicht erlauben, uns zu verblöden, die Wahrheit zu verdunkeln im Austausch für ein gutes Gefühl.“ Toxische Empathie sei dabei nicht nur ein billiger Ersatz für „echte, biblische Liebe“, sondern dessen Erzfeind, „der Wolf, der als Großmutter verkleidet ist, um Rotkäppchen zu täuschen“.

Ist es so? Gleicht Hillary Clinton einer Wölfin, wenn sie die Washingtoner Bischöfin Mariann Budde zitiert, die in ihrer viral gegangenen Predigt zu dessen Amtseinführung Donald Trump den Kopf gewaschen hatte? Budde hatte nach Clintons Worten angesichts von „jungen LGBTQ-Amerikanern, die um ihre Leben fürchten“, und „Migranten-Kindern, die Angst haben, ihre Eltern würden ihnen weggenommen“ ein Plädoyer gehalten, das durchwirkt war „von der Art von Liebe und Großherzigkeit gegenüber Nachbarn und Fremden, die Jesus lehrte“. Stuckey verortet die Gruppe der durch unterkomplex-emotionale Slogans politisch Überzeugbaren zwar mehrheitlich bei ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen, aber: Ist Bischof Michael Gerber, dem man keine hinterhältige politische Strategie unterstellen will, dann Rotkäppchen?

Steigt man aus den politischen Schützengräben in Richtung eines höheren Aussichtspunkts auf, öffnen sich auch noch andere Perspektiven; etwa die des britischen Historikers Tom Holland. Für ihn wäre die linksliberal-woke Clinton-Perspektive so christlich wie die von Stuckey, und beide zusammen ein Beweis für die unabänderlich christliche Prägung des Westens. So schreibt er in seinem vielbeachteten Buch „Dominion“ (auf Deutsch: „Herrschaft: Die Entstehung des Westens“, erschienen im Original 2018): „Dass die großen Schlachten des amerikanischen Kulturkrieges zwischen Christen und denen, die sich vom Christentum emanzipiert haben, ausgefochten werden, ist eine Täuschung, an der beide Seiten ein Interesse haben. Tatsächlich stammen Evangelikale und Progressive erkennbar aus derselben Wurzel. Sind Abtreibungsgegner die Erben von Makrina (Heilige Makrina die Jüngere, gest. 379, d. Red.), die die Müllhalden Kappadokiens nach ausgesetzten Babys absuchte, die es zu retten galt, so bedienen sich die, die gegen sie argumentieren, ihrerseits einer tief christlichen Annahme: dass jede Frau selbst über ihren Körper verfügen darf, und dies auch von Männern so respektiert werden muss. Unterstützer der Homo-„Ehe“ waren genauso vom Enthusiasmus der Kirche für die Monogamie beeinflusst wie diejenigen, die dagegen waren, von der biblischen Verdammung von Männern, die mit Männern schlafen. Transgender-Toiletten zu installieren mag tatsächlich wie ein Affront gegen Gott wirken, der Männer und Frauen schuf; doch Verfolgten Freundlichkeit zu verwehren, bedeutete, eine der grundlegendsten Lehren Christi zu missachten.“ Sogar die Flüchtlingspolitik Angela Merkels klassifiziert Holland als „nichts, das Gregor von Nyssa sechzehn Jahrhunderte zuvor nicht in ähnlicher Weise getan hätte“. Holland plädiert dabei nicht für eine Partei im Kulturkampf – er weist darauf hin, dass keine der Auseinandersetzungen um die genannten Themen in einer vom Christentum unberührten Welt Sinn ergeben würden. Auf die eine oder andere Weise prägen christliche Ideale beide Seiten.

Was bedeutet das? Vielleicht nicht einmal, dass sich etwas zutiefst Antichristliches nicht aus einem verfälschten Aufguss christlicher Ethik bestehen kann. Aber wohl schon, dass sich Christen hüten sollten, den Kulturkampf so zu betreiben, dass damit jegliche Moral, jeglicher Bezug auf Empathie und Nächstenliebe für falsch erklärt, am Ende die Christianisierung des Westens genau damit rückabgewickelt wird. Hillary Clinton dürfte Unrecht haben, wenn sie schreibt, Empathie berge nicht die Gefahr, das kritische Denken zu überwältigen oder uns „blind gegenüber moralischer Klarheit zu machen“. Aber sie hat wohl recht, wenn sie fortfährt: „Sie öffnet unsere Augen für moralische Komplexität. Das ist kein Zeichen von Schwäche; es ist eine Quelle von Stärke“.

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