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Lützerath ist ein Symbol

Die energie- und klimapolitische Debatte krankt daran, dass starken Bildern mehr Platz eingeräumt wird als intelligenten Konzepten. Dafür ist Lützerath das beste Beispiel.
Räumung von Lützerath
Foto: IMAGO/Jochen Tack | Worum geht's hier nochmal? Dass das 1,5-Grad-Ziel wegen Lützerath verfehlt wird, darf bezweifelt werden. Im Bild Aktivisten und Polizei in dem Dorf, das derzeit für den Braunkohletagebau geräumt wird.

Wenn es um grüne Herzensanliegen geht, ist der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ) gern enthusiastisch mit dabei. Im April begrüßte der Verband die Abschaffung des Paragraphen 219a des Strafgesetzbuches - Werbeverbot für Abtreibungen – als „überfällig“. Nun hat der umtriebige BDKJ-Vorsitzende Gregor Podschun ein neues Betätigungsfeld gefunden: „Lützerath ist für uns als BDKJ ein Symbol für die momentane Energiepolitik, in dem Fall des Landes Nordrhein-Westfalen, aber natürlich auch bundesweit. Es zeigt deutlich, dass keine Energiewende stattfindet, die aber dringend nötig wäre, um die 1,5-Grad-Grenze einhalten zu können“, sagte Podschun, der sich solidarisch unter die Protestierenden gemischt hatte, dem Portal katholisch.de.

Der BDKJ-Vorsitzende hat recht

Wie auch immer man die Positionen des BDKJ beurteilt, in einem hat Podschun recht: Lützerath ist nur ein moralisch aufgeladenes Symbol. Ob dieses letzte Dorf, das nun für den Braunkohletagebau in Nordrhein-Westfalen verschwinden soll, abgebaggert wird oder nicht, wird am Weltklima herzlich wenig ändern. Dafür sorgt schon der europäische Emissionshandel, der den CO2-Ausstoß - auch durch die Kohleverstromung – durch die Festlegung der Menge der Emissionszertifikate von vornherein bestimmt. Was durch politische Entscheidungen auf regionaler Ebene beeinflussbar ist, sind vor allem die gesamtgesellschaftlichen Kosten der „Energiewende“, die in Deutschland aufgrund der ideologischen Fixierung auf spezifische Technologien unnötig hoch sind. Ein Beispiel: Ohne die (politisch nicht gewollte) Atomenergie aus längst bezahlten Meilern ist die Nachfrage nach den Emissionszertifikaten, und damit perspektivisch der Preis für CO2-intensive Stromerzeugung, höher. Schließlich muss der Strom irgendwo herkommen, momentan kommt er eben in verstärktem Maße aus Kohlekraftwerken.

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Doch diese Hintergründe sind abstrakt. Emissionszertifikate liefern schlechtere Bilder als Windräder, Atomkraftwerke und Braunkohlegruben. Deswegen arbeiten sich Klimaaktivisten, BDKJ-Vorsitzende und dirigistisch veranlagte Grünenpolitiker, die marktwirtschaftlichen Instrumenten wie dem Emissionshandel schon aus Veranlagung skeptisch gegenüberstehen, lieber an den greifbaren Kulminationspunkten der Energiepolitik ab. Die Folge: Während sowohl die Strompreise als auch die CO2-Emissionen im europäischen Vergleich mit an der Spitze liegen, führt Deutschland auch über 20 Jahre nach dem ersten „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ Scheingefechte über Lützerath, statt die Strategie in Klima- und Energiepolitik grundsätzlich zu überdenken.

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Jakob Ranke Bund der Deutschen Katholischen Jugend

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