Kreuz-Pflicht: Diskussionen gehen weiter

In Bayerns Behörden gilt ab heute, 1. Juni, die Kreuz-Pflicht. Der Kreuz-Erlass, der an diesem Freitag in Kraft tritt, sorgt auch in der bayrischen Politik weiterhin für Diskussionen.
Markus Söder
Foto: dpa | Der Kreuz-Beschluss der bayerischen Staatsregierung hat eine breite Debatte ausgelöst.

Die Opposition fordert das Aus für den Erlass. "Ein souveräner Ministerpräsident würde den Fehler einräumen und den Erlass zurücknehmen", sagte die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag). Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betreibe jedoch lediglich "Schadensbegrenzung". Kohnen warf Söder zudem vor, dass er das Kreuz für ein Wahlkampf-Manöver missbraucht habe.

"Wir gehen davon aus, dass der Kreuz-Erlass verfassungswidrig ist", sagte die grüne Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote der Zeitung. "Der CSU-Regierung ist wohl selbst bewusst, dass die Vorschrift nicht zulässig ist, daher führt sie weder Kontrollen noch Sanktionen durch und flüchtet sich jetzt in Ausnahmen von der Regel."

Nach der von Söder erlassenen Verordnung hat ab Freitag in Behördeneingängen ein Kreuz zu hängen, und zwar "als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns". Theater und Museen sind davon ausgenommen. Der Bund für Geistesfreiheit erklärte am Donnerstag, er erwäge juristische Schritte gegen den Erlass.

Das bayerische Kabinett hatte den Erlass auf Anregung Söders am 24. April beschlossen. Die Entscheidung wird seither auch von Kirchenvertretern kontrovers beurteilt. Im Mai war bekannt geworden, dass Söder mit Kritikern des Erlasses ins Gespräch kommen will. Im Juni soll es dazu einen Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität geben, an dem Vertreter von Religionsgemeinschaften, Wissenschaft, Brauchtum und Kultur beteiligt sein sollen.

KNA / DT (jbj)

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