Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Kommentar um "5 vor 12": Menschenwürdiges Sterben auch in Heimen

Alte Menschen in Sterben allein zu lassen ist barbarisch. Wir brauchen Menschlichkeit am Ende des Lebens auch in den Pflegeheimen.
Hospiz- und Palliativverband beklagt Mangel an Fachkräften
Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa-Zentralbild) | Eine Angehörige die Hände ihrer verstorbenen Mutter. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Gesundheit und Freiheit stehen gerade in harter Konkurrenz, wenn nicht sogar im Widerspruch. Noch vor wenigen Wochen hätte man es Barbarei genannt, einen sterbenden Vater oder eine sterbende Mutter im Seniorenheim nicht zu begleiten und nicht am Sterbebett zu verweilen. Heute scheint es geradezu ein Gebot zu sein, die Verwandten in Heimen und Pflegeeinrichtungen allein und verlassen sterben zu lassen.

Fachleute fordern eine Änderung dieser Praxis

Es ist eine unbeschreibliche Grausamkeit, die hier mit der an sich lobenswerten Absicht des Seuchenschutzes gefordert wird. Menschen sterben allein, ohne ihre Angehörigen noch mal zu sehen und ohne Seelsorge. Die Brutalität, mit der die Sterbenden in Heimen sich selber überlässt und Angehörige aussperrt, schreit zum Himmel. Sie zeigt neben dem mangelnden Willen wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen, auch die Herzlosigkeit einer postchristlichen Gesellschaft.

Lesen Sie auch:

Zu Recht erheben sich Stimmen, die eine Änderung dieser Praxis fordern. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung hat vorgelegt. Er mahnt Menschlichkeit an, wenn es am Ende des Lebens darum geht, dass man die Hand seines Vaters in den letzten Minuten seines Lebens halten kann. Die Caritas hat sekundiert und es folgte der Jesuitenpater Klaus Mertes. Mertes hält es zu Recht für ein fundamentales Recht jedes Menschen in der Not Beistand zu bekommen. Es wird höchste Zeit für einen Infektionsschutz mit menschlichem Angesicht, damit die Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Lebensweges ihre Menschenwürde behalten.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Peter Winnemöller Caritas Klaus Mertes Seelsorge

Weitere Artikel

Peter Alexander wurde vor 100 Jahren geboren. Mittlerweile ist der Entertainer längst zur Sehnsuchtsfigur geworden. Dabei ist sein Verständnis von Unterhaltung heute höchst aktuell.
30.06.2026, 16 Uhr
Sebastian Sasse
Steigende Kosten rücken die Eingliederungshilfe in den Fokus von Sparplänen. Doch welche Folgen hätten Kürzungen für Menschen mit Behinderung?
28.05.2026, 21 Uhr
Peer Brocke
Der polnische Franziskaner-Minorit Piotr Maria Januszewsk bereitet sich auf den Einsatz in der Seelsorge vor: Warum sich er sich für ein Leben in Deutschland entschieden hat.
21.09.2026, 13 Uhr
Susanne Hartfiel

Kirche

Populismus schlecht, Migration gut? Auf diese Klischees will Bischof Erik Varden sich nicht einlassen. Ein Segen!
28.09.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die katholischen Bischöfe treffen sich zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
28.09.2026, 08 Uhr
Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig