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Kein Sinn für die religiösen Gefühle von Katholiken

Das Video der US-Gouverneurin Gretchen Whitmer zeigt: Die Demokraten sind ganz zur Partei der Säkularen geworden.
Gouverneurin Gretchen Whitmer und US-Vizepräsidentin Kamala Harris
Foto: IMAGO/Amy Lemus (www.imago-images.de) | Die Demokraten beweisen immer wieder, dass ihnen Katholiken heute bestenfalls egal sind. Auch Kamala Harris (rechts) lieferte dafür jüngst ein Beispiel.

Ein Video, mit dem die demokratische Gouverneurin des US-Bundesstaats Michigan, Gretchen Whitmer, eigener Aussage zufolge die heimische Halbleiterindustrie stärken wollte, ist gewaltig nach hinten losgegangen. Tage danach debattiert niemand über Computerchips, sondern über den Umgang der Demokraten mit Katholiken. Der in den Sozialen Medien von der Influencerin Liz Plank veröffentlichte Clip wird von vielen Nutzern so interpretiert, als ziehe Whitmer die heilige Kommunion ins Lächerliche. 

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Dass die Kritik an der Demokratin Whitmer ganz überwiegend aus dem konservativ-katholischen Spektrum kommt, macht die empörte Reaktion in ihrer Schärfe zwar erwartbar. Doch kann man die Kritiker verstehen, wenn sie der Gouverneurin vorwerfen, die Eucharistie zu verspotten. Selbst wohlwollende Beobachter müssen zugeben, dass Whitmers Video, in dem sie der scheinbar vor ihr knienden Influencerin einen Chip in den Mund legt, so deutlich an den Empfang der Kommunion erinnert, dass eine zufällige Parallele kaum plausibel erscheint. Da mögen die Verteidiger des Videos noch so häufig auf einen Social-Media-Trend verweisen, bei dem sich zwei Personen gegenseitig mit Essen füttern.

Katholiken sind den Demokraten bestenfalls egal

Nun kann man lange dafür oder dagegen argumentieren, dass die Anspielung auf die Eucharistie in dem Video beabsichtigt war. Sollte dies der Fall sein, hätten die Demokraten auf erschreckende Weise und ganz bewusst in Kauf genommen, Millionen von US-Katholiken vor den Kopf zu stoßen.

Doch selbst wenn die Macher des Videos nicht an die Eucharistie gedacht und von dieser Interpretation der Szene überrascht gewesen sein sollten, macht es die Sache kaum besser. In beiden Fällen würde die Partei der Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris ihre mangelnde Sensibilität für die religiösen Gepflogenheiten und Gefühle von Katholiken unter Beweis stellen – und gleichzeitig zeigen, dass ihnen diese Wählergruppe immer weniger bedeutet und man stattdessen ganz zur Partei der Säkularen geworden ist. 

Denn das misslungene Chip-Video ist kein Einzelfall. Die Demokraten beweisen immer wieder, dass ihnen Katholiken heute bestenfalls egal sind – obwohl ihr Präsident dem katholischen Glauben angehört. Ein jüngstes Beispiel: die Entscheidung von Kamala Harris, die Einladung zum traditionellen „Al-Smith-Dinner“, einem katholischen Wohltätigkeitsevent, auszuschlagen, was kein Präsidentschaftskandidat seit 40 Jahren gewagt hatte.  

Und nicht zuletzt offenbart die Partei auch mit ihrer radikalen Rhetorik in der Abtreibungspolitik, dass man lehramtstreuen Katholiken herzlich wenig zu bieten hat. „Vergleicht mich nicht mit dem Allmächtigen, vergleicht mich mit der Alternative“, pflegte Biden immer wieder zu sagen. Wenn man das im derzeitigen Wahlkampf tut, landet man bei einer so abgedroschenen wie zutreffenden Phrase: Katholiken stehen einmal mehr vor der Entscheidung für das geringere Übel.

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Maximilian Lutz Influencerinnen und Influencer Kamala Harris Katholikinnen und Katholiken

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