Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Katar: Ein Land, das Freund und Feind bezahlt

Egal, ob europäische Parlamentarier, die Hamas oder Vertraute Netanjahus – katarische Riyals fließen in viele Taschen.
Emir Tamim Hamad Al Thani
Foto: Mikhail Tereshchenko (imago sportfotodienst) | Hat tiefe Taschen, und nutzt sie auch gern: der katarische Emir Tamim bin Hamad Al Thani.

Noch immer protestieren die Menschen in Gaza gegen die sie seit 2007 herrschende Terrororganisation Hamas – und auch der erneute israelische militärische Vorstoß im Gaza-Streifen sowie die diesbezügliche uneingeschränkte Rückendeckung von US-Präsident Donald Trump sollte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zuversichtlich stimmen. Doch weit gefehlt.

Ein neues „Katar-Gate“

Denn der Nahe Osten ist immer für eine politische Wende gut. So musste der eh bereits durch Korruptionsvorwürfe und seine Handhabung der Befreiung der restlichen in Gaza festgesetzten israelischen Geiseln in der Kritik stehende israelische Regierungschef nun auch noch der israelischen Polizei Rede und Antwort stehen, die ihn über die mutmaßliche Einflussnahme Katars auf zwei seiner engsten Berater über eine Stunde befragten.

Lesen Sie auch:

Den Beschuldigten, Yonatan Urich und Eli Feldstein, wird vorgeworfen, Bestechungsgelder aus Katar angenommen zu haben. Als Gegenleistung sollte dafür gesorgt werden, das Image des Landes, welches über Jahre hinweg die Hamas finanziell unterstützte und deren Führer im Exil beherbergte, in Israel zu verbessern. Es wäre nicht der erste Versuch Katars, sich über finanziellem Weg die Gunst ausländischer Politiker zu erkaufen: Im Dezember 2022 verhafteten belgische Sicherheitskräfte Abgeordnete des Europäischen Parlaments sowie deren Mitarbeiter und einige Lobbyisten unter dem Verdacht, von Katar bestochen worden zu sein, um in dessen Sinne Politik zu betreiben – beispielsweise in Form von verbesserten Handelsbeziehungen und einer freundlicheren Betrachtung der dortigen Menschenrechtslage. Die strafrechtlichen Verfahren laufen weiter – bislang wurden keine Urteile gesprochen.

Noch ist Netanjahu kein Verdächtigter

Noch ist unklar, wie viel Netanjahu über die angeblichen Verbindungen seiner Mitarbeiter nach Katar gewusst hat. Für den Premierminister, der gegenwärtig die Ermittlungen gegen seine Vertrauten als „Hexenjagd“ abtut, könnte der Fall vor allem dann gefährlich werden, wenn Urich oder Feldstein Aussagen machen, die neue Details zu den Vorgängen im Büro des Regierungschefs zutage fördern.

Dann hätte Netanjahu, der zudem momentan durch die Entlassung des gegen ihn ermittelnden Inlandsgeheimdienstchefs Ronen Bar unter Druck steht, ein großes Problem – zur Freude der Hamas und zur Nichtfreude Katars über ihre misslungene „Vermittlung“ der besonderen Art.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Ahrens Benjamin Netanjahu Donald Trump Hamas

Weitere Artikel

Israel und die USA führen einen Krieg gegen Iran, bei dem es nicht nur um das Atom- und Rüstungsprogramm oder um die arabischen Proxys der iranischen Mullahs geht.
28.02.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Die Weltgemeinschaft ringt um eine Friedenslösung für Nahost, aber die Hamas und die Regierung Netanjahu wollen davon nichts wissen.
19.11.2025, 11 Uhr
Stephan Baier
Premier Netanjahu hat bei Präsident Herzog ein Gnadengesuch eingereicht: für seine Prozesse wegen mutmaßlicher Korruption in drei Fällen. US-Präsident Trump macht Druck auf Herzog.
13.12.2025, 15 Uhr
Richard C. Schneider

Kirche

Die Botschaft des Papstes lautet, dass große Veränderungen nur gemeinsam zu erreichen sind – und Umkehr immer möglich ist.
30.05.2026, 11 Uhr
Henry C. Brinker
„Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl beim Festakt zum 80. Geburtstag der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.
29.05.2026, 14 Uhr
Laetitia Mayr
Was Papst Leo XIV. über die Liturgie sagt, könnte auch von Benedikt XVI. stammen. Und auch eine Botschaft für die deutschen Katholiken lässt sich seiner Katechese entnehmen.
29.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig