Hendrik Wüst war da, Markus Söder ebenso und natürlich der Bundeskanzler: Der Deutschlandtag der Jungen Union war schon immer auch ein Wasserstandsmesser für die Stimmungslage in der Union. Diesmal war das Treffen aber nicht bloß eine Echokammer, sondern die jungen Christdemokraten präsentierten sich als feste Säule in der CDU/CSU-Welt. Und in der aktuellen Krisenlage ist das ziemlich viel, denn genau solche stabilen Träger gibt es in der Union kaum noch.
Auch der Kanzler ist es nicht. Allerdings – auch das unterscheidet die JU von anderen politischen Jugendorganisationen – hier ist man nicht krampfhaft autoritätskritisch. Der Kanzler ist eben noch der Kanzler. Zwar wird deutliche Kritik laut, es kommt aber nicht zum Knall. Wenn es innen- und außenpolitisch so turbulent zugeht wie jetzt, dann beschädigen JUler den Regierungschef nicht mutwillig noch zusätzlich. Diese politische Reife geht Jungen Grünen oder Jusos in der Regel ab, deswegen werden die Jungen Unionisten auch immer gerne zum Ziel des Spotts: Dort trügen doch alle schon den Marschallstab im Schultornister. Aber was ist an Ambition falsch?
Die Junge Union als Gralshüterin des programmatischen Tafelsilbers
Und damit sind wir bei Johannes Winkel, der mit einem Rekordergebnis als JU-Chef wiedergewählt wurde. Große Auftritte hatten auch die beiden potenziellen Ersatzkanzler Hendrik Wüst und Markus Söder. Aber wer etwas über die Zukunft der Union wissen will, muss eine Generation weiter gucken, nämlich auf Winkel. Hier bringt sich der Ersatzkanzler der Zukunft in Stellung. Der 34-Jährige hat in seiner Rede gezeigt, welche Aufgabe der Jungen Union mittlerweile zukommt: Sie ist die Gralshüterin des programmatischen Tafelsilbers. Hier weiß man, wofür CDU und CSU stehen sollen. Außenpolitisch ein klares Bekenntnis zur Unterstützung der Ukraine und – jetzt besonders wichtig – zur Freundschaft mit Israel. Und eine klare Absage an Extremisten von links und rechts.
Was sich aber die Altvorderen, etwa vom Sozialflügel, hinter die Ohren schreiben können: Die jungen Leute sind vor allem deswegen in der Union aktiv, weil sie in ihr die Reformkraft sehen. Wer bei der Rente nun anfängt zu wanken, der riskiert die Zustimmung dieser Generation.
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