Die aktuellen On/Off-Probleme der Ukraine mit der satellitengestützten Raketenabwehr werfen auch ein Schlaglicht auf die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr und der NATO. Präsident Selenskyj beklagt, dass der militärische Ableger von Starlink mit Namen „Starshield“ immer wieder unterbrochen wird, was zu verhängnisvollen Lücken im Abwehrschirm über dem ukrainischen Staatsgebiet führt und dann verheerende Einschläge nach sich zieht – mit Toten auf dem Gefechtsfeld wie bei der Zivilbevölkerung. Für eigene, militärische Operationen sind herkömmliche GPS-Ortungen ungeeignet, da sie ständig durch russische Störsender manipuliert werden.
Unklar ist, worauf die Ausfälle bei der Satellitenaufklärung gründen. Der Verdacht steht im Raum, dass Elon Musk selbst dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump eine Drosselung der Aufklärungskapazitäten vorgeschlagen habe. US-Außenminister Marco Rubio hingegen beteuert, es sei „einfach so passiert“.
Eigene Infrastruktur im Orbit
Die Bundeswehr ist nicht erst jetzt alarmiert – und setzt bei der Weiterentwicklung ihrer Satellitenkommunikations-Fähigkeiten beschleunigt auf nationale und europäische Infrastrukturen. Das System SATCOMB mit den COMSATBw-Satelliten ist das Rückgrat der militärischen Satellitenkommunikation und wird aktuell für 1,4 Milliarden Euro modernisiert. Ein Meilenstein ist nach Informationen des Verteidigungsministeriums der 2023 gestartete Heinrich-Hertz-Satellit, der militärische Nutzlasten trägt und neue Technologien im All erprobt.
Auf europäischer Ebene plant die EU mit IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) eine Abdeckung von am Ende fast 300 Satelliten, die zivile und militärische Kommunikation sicherstellen soll. Sie ist eine europäische Antwort auf kommerzielle Systeme wie Starlink und soll Europas strategische Unabhängigkeit stärken. Zudem arbeitet die Bundeswehr daran, eine eigene Multi-Orbit-SatCom-Konstellation zu nutzen. Das heißt aber auch: Derzeit ist die Bundeswehr noch nicht in der Lage, die geplanten und erforderlichen SatCom-Kapazitäten in vollem Umfang vorzuhalten.
Mix aus eigenen und angemieteten Satelliten
Eine Anfrage der „Tagespost“ bei der Bundeswehr ergab: Satellitenkommunikation ist für die Kommunikation und Führungsfähigkeit der Bundeswehr unverzichtbar. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass derzeit ein Mix aus eigenen Satelliten und angemieteten, kommerziellen Kapazitäten genutzt werde. Zu weiteren Detailinformationen über unkalkulierbare Abhängigkeiten von der amerikanischen Administration und den Starlink-Betreibern, mit denen die „Tagespost“ das Verteidigungsministerium konfrontierte, wollte man sich aus Gründen der militärischen Sicherheit nicht äußern. Dies könne, so der Ministeriumssprecher, Rückschlüsse auf vorhandene und künftige Kapazitäten, Fähigkeiten oder Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ermöglichen.
Insgesamt hatte der Bundestag schon 2024 Mittel für die Satellitenverteidigung in Höhe von 2,2 Milliarden Euro freigegeben. Im nächsten Jahr soll ein Teil der Kapazitäten einsatzbereit sein, erst 2031 steht die volle Kapazität an Fähigkeiten aus dem europäischen und deutschen Engagement bereit. Unklar ist, wie groß damit die derzeitigen Aufklärungs- und Operationsdefizite, tatsächlich und potenziell, wirklich sind.
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