Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Renovabis-Pfingstaktion 2025

„Jedes Jahr wird der Friedhof doppelt so groß“

Thomas Schwartz ist als Renovabis-Hauptgeschäftsführer häufig in der Ukraine. Es macht ihn sprachlos, wie sich manche Orte im Laufe der Zeit in schrecklicher Weise verändern.
Gefallene Soldaten werden auf dem Friedhof in Lemberg begraben
Foto: IMAGO/Andreas Stroh (www.imago-images.de) | Auf dem Marsfeld-Friedhof im westukrainischen Lemberg werden Soldaten begraben, die im Krieg gegen Russland gefallen sind.

Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich Renovabis um die Menschen in Mittel- und Osteuropa – und besonders auch in der Ukraine. „Unser Netzwerk von Partnern reicht in jeden Winkel der Ukraine hinein, von Großstädten bis in die entlegensten Dörfer auch im vom Krieg gezeichneten Osten des Landes. Selbst in die besetzen Gebiete haben wir Immer noch Kontakte“, sagte Thomas Schwartz, der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, zum Start der diesjährigen Pfingstaktion des Hilfswerks, die unter dem Motto „Voll der Würde – Menschen stärken im Osten Europas“ stand.

Die engen Beziehungen zu kirchlichen Partnern vor Ort helfe, Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen zu gewinnen. Dies betreffe nicht nur die materielle Lage, sondern auch die seelischen Wunden, die der Krieg geschlagen habe. „Es ist ein bedrückendes Thema, aber auch eines, das uns als Christen zutiefst verpflichtet“, erklärte Schwartz. Er selbst fahre jedes Jahr mindestens einmal, oft zweimal in die Ukraine: „Immer bin ich beeindruckt von den Partnern, die ich dort persönlich kennenlernen kann. Oft ist es aber auch so, dass ich sprachlos werde, wenn ich an gewissen Orten vorbeikomme, die sich im Laufe der Zeit in schrecklicher Weise verändern. Ich denke an den Marsfeld-Friedhof in Lwiw. Vor drei Jahren war er ein kleiner Friedhof. Jedes Jahr wird der Friedhof doppelt so groß durch die Gräber von Soldaten, die Opfer einer imperialistischen und aggressiven Gewalt geworden sind.“

Renovabis fördert 1.000 Studenten in Lwiw

Renovabis fördere 1.000 Studentinnen und Studenten in Lwiw. „Das ist eine Generation, die trotz der Zerstörungen und des Schmerzes entschlossen ist, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen.“ Weil Renovabis ihnen helfe, seien sie alle auch ehrenamtlich engagiert. „1.000 junge Leute, die mir sagen: Weil ihr uns die Möglichkeit gebt zu studieren, können wir anderen helfen.  Alten Menschen in den Dörfern, die vereinsamt sind, oder Flüchtlingskindern, denen wir Schulunterricht auch noch nachmittags geben. Oder auch Mentoring in der Universität“, erklärte Schwartz. Dies sei „ein wirklich starkes Zeichen der Hoffnung“ in dunklen Zeiten und ein Beweis dafür, dass „unsere Unterstützung auch wirklich ankommt.“  Es gehe nicht nur um Nothilfe, sondern um Würde; um die Hoffnung auf eine Chance für ein selbstbestimmtes Leben.

Zum Auftakt der Aktion vertiefte das Hilfswerk das Thema im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie Berlin. Renate Krekeler-Koch, die Leiterin des Berliner Büros von Renovabis, die die Diskussion moderierte, erklärte zur Lage in der Ukraine: „Im Vordergrund ist Krieg, im Hintergrund läuft das politische Leben weiter. Die Ukraine bereitet den Beitritt zur EU vor. Es wird weit über die notwendige Instandsetzung von Infrastruktur hinaus in Business- und Investmentplänen gedacht. Wiederaufbaukonferenzen sind im großen Stil im Gange.“ Manchmal käme es ihr vor, sagte Krekeler-Koch, als hätten „manche schon vergessen, dass täglich Menschen von russischen Raketen und Drohnen getötet werden. Sind wir schon müde und abgestumpft vom Leid des Krieges?“

Wie sie die Evakuierung eines Dorfes nahe der Frontlinie erlebte

Kateryna Buchko, Dozentin am Lehrstuhl für Pädagogik und Soziale Arbeit an der Ukrainischen Katholischen Universität, schilderte, wie sie letztes Jahr bei Cherson die Evakuierung eines Dorfes nahe der Frontlinie erlebte. „Es gab einen Bombenangriff und die Menschen mussten mit ihren Kindern 24 Stunden in Kellern verbringen. Alle waren aufgeregt und wussten nicht, wie eine Evakuierung vonstatten gehen sollte. Dann halfen dabei Kinder mit. Kinder, die eigentlich spielen oder zur Schule hätten gehen sollen, wurden zu Überlebensexperten und halfen, Wege aus der Gefahr zu finden.“ 

Oleksandra Bienert, die Vorstandsvorsitzende der Allianz Ukrainischer Organisationen e.V, war gerade aus Kiew zurückgekommen und schilderte das Leben unter den häufigen Flugalarmen. Auch während der Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie zeigte ihre Handy-App immer wieder aktuelle Warnungen vor Raketen- und Drohnenangriffen an. „Wenn nachts um zwei Uhr Flugalarm ist, kann man nicht schlafen. Man überlegt: Gehe ich hinaus in den Schutzbunker? Das erleben die Menschen ständig.“ Seit 2022 seien 160.000 russische Kriegsverbrechen an der ukrainischen Bevölkerung geschehen, darunter Angriffe auf Kinderkrankenhäuser und die Energieversorgung. Trotz dieses großen Leids zeige das ukrainische Volk eine enorme Resilienz. 

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Michael Leh Kriegsverbrechen Renovabis

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