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KI im Krieg

Weil sich damit kritische Zeit zur Entscheidung sparen lässt, hält die KI auf dem Schlachtfeld Einzug. Doch ein solches KI-Wettrüsten ist hochriskant.
KI-Kampfdrohne Helsing CA-1
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Pionier der Kriegs-KI: Nein, nicht Markus Söder, der hier posiert, sondern Helsing, der Hersteller von KI-unterstützten Kampfdrohnen, hier mit einem Prototypen einer größeren jetgetriebenen Drohne.

KI erobert die weltweiten Schlachtfelder und entscheidet auf den Kriegsschauplätzen immer öfter über Sieg oder Niederlage. Soldaten programmieren das Ziel und starten die Drohnen und Raketen; danach übernimmt KI. Mit Bilderkennung ausgestattet, lenkt sie die Flugobjekte ins feindliche Zielgebiet. Im Ukraine-Konflikt nutzen beide Seiten künstliche Intelligenz für die Auswertung von Satellitenbildern und Funksignalen – um Truppenbewegungen schneller zu erkennen und Drohnenangriffe automatisiert zu koordinieren.

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Im Iran-Konflikt optimieren Algorithmen die Raketenabwehr, entschlüsseln Luftlagebilder und ermöglichen gezielte Cyberangriffe auf Infrastruktursysteme. Die Kriegsakteure rüsten Tausende Drohnen und Raketen mit KI auf, um Zielerkennung, Präzision und Schwarmangriffe zu verbessern. Israels Iron Dome nutzt KI zur Verteidigung: In Echtzeit werden Bedrohungen erkannt und Gegenmaßnahmen priorisiert; defensiver Schutz wird digital mit offensivem Targeting verbunden. China und die USA betrachten KI als Schlüsseltechnologie für eine weltweite militärische Vormachtstellung. Die Weltmächte setzen auf KI-Systeme zur digitalen Aufklärung, Entscheidungsunterstützung und Steuerung von militärischen Operationen.

Menschliches Abwägen kommt zu kurz

Grundsätzlich geht es darum, mit KI die erfolgskritische Zeit zu unterbieten, die ein Mensch für Analyse, Entscheidung und Durchführung braucht: Wer Ziele schneller findet, klassifiziert und beschießt, wird den Gegner militärisch überholen und machtpolitisch deklassieren. Ein solches Wettrennen um Sekundenbruchteile ist allerdings hochriskant, da menschliches Abwägen zu kurz kommt, erscheinen doch mentale Sicherheitsbremsen als Zeitverlust. Auf UN-Ebene wird diese tödliche Problematik unter dem sperrigen Kürzel LAWS verhandelt – Lethal Autonomous Weapons Systems. Mehr als 40 Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, streben ein rechtsverbindliches Abkommen an, um tödliche autonome Waffensysteme zu regulieren. China, Israel, Russland und die USA blockieren hingegen.

Sollen hochintelligente Maschinen ohne menschliche Kontrolle darüber entscheiden, ob und welche Menschen sie töten? Anlässlich seiner China-Reise wurden dem Bundeskanzler humanoide Roboter präsentiert, die Kung-Fu-Einlagen vorführten. War sich Friedrich Merz bewusst, dass diese beeindruckenden Maschinen mit wenigen technischen Designveränderungen in tödliche Kampfroboter verwandelt werden können, um sie auf den Schlachtfeldern einzusetzen?

Angesichts der tödlichen Macht von KI bedarf es einer menschlichen Entscheidungshoheit, ob und wen KI töten darf. Kein Mensch darf zum bloßen Datenpunkt eines selbsttätig tötenden Zielalgorithmus werden. Notwendig sind nachvollziehbare Entscheidungswege, klare Verantwortlichkeiten und zuverlässige Systeme, deren Verhalten menschlich kontrolliert und gesteuert werden kann. Darüber hinaus bedarf es einer demokratischen Kontrolle: Die Frage, ob und wie Armeen mit Waffen ausgestattet werden, die selbstständig töten können, gehört ins Parlament.


Der Autor lehrt Philosophie an der Universität Siegen, der WHU Vallendar und der Hochschule für Philosophie München.

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Thomas Rusche Friedrich Merz

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