Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Politik

Islam-Debatte: Sich selbst ernst nehmen, um sich dem Anderen öffnen zu können

In der neuerlichen Islam-Debatte nimmt der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, Christen und Muslime in Deutschland in die Pflicht.
Koexistenz von Islam, Judentum und Christentum - nicht überall gibt es sie
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Koexistenz von Islam, Judentum und Christentum - nicht überall gibt es sie. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Alle Akteure sollten "unsere eigenen Kulturen, unsere eigenen Religionen, unsere eigene Geschichte und damit uns selbst ernster nehmen", schreibt Khorchide in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post" (Freitag). Dies sei "der erste Schritt, um mehr Bereitschaft aufzubringen, sich dem Anderen zu öffnen".

Wenn ein Muslim unter Islam nur äußere Elemente wie Moschee, Kopftuch und Speisevorschriften verstehe und ein nichtmuslimischer Deutscher unter der abendländisch-christlichen Kultur nur Weihnachten und andere bestimmte Speisen, "dann haben sich unsere Identitäten längst ausgehöhlt", so der Theologe. An dieser Stelle würden Feindbilder wichtig, "um sich in der Ab- und Ausgrenzung zu einem konstruierten "Feindbild" zu definieren".

Auslöser der Debatte war ein Interview des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU). Er sagte darin: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland."

Dazu schreibt Khorchide, man dürfe nicht vergessen, dass der Islam im Mittelalter eine konstitutive Rolle für Europa gespielt habe. "Gerade zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert fand eine Hellenisierung des Islam statt. Von dieser führt eine direkte Linie zur europäischen Renaissance: Die Muslime retteten das antike griechische Erbe vor dem Vergessen und bereicherten es. Darauf konnte die Renaissance aufbauen."

KNA / jbj

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
CSU Christen Horst Seehofer Islam-Debatten Moscheen Mouhanad Khorchide Muslime

Weitere Artikel

Archäologische Funde am Arabischen Golf zeigen, dass christliche Gemeinden nicht sofort nach der Geburt des Islams verschwanden.
08.03.2026, 16 Uhr
Bodo Bost
In der Heimat seines Ordensvaters Augustinus ermutigte Papst Leo XIV. zur Bekehrung.
16.04.2026, 05 Uhr
Regina Einig

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser