Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung UKRAINE-KRIEG

„In der Ukraine denkt niemand an Kapitulation“

Der ukrainische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk wirft Russland ein genozidales Vorgehen vor.
Großerzbischof Swjatoslaw Schewtuschuk,
Foto: IMAGO/Eugen Kotenko (www.imago-images.de) | Großerzbischof Swjatoslaw Schewtuschuk bekräftigte im Gespräch mit der Tagespost, dass niemand in der Ukraine an Kapitulation denkt.

Niemand in der Ukraine denke daran, sich den russischen Truppen zu ergeben, sagt das Oberhaupt der mit Rom unierten Katholiken des byzantinischen Ritus in der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtuschuk, im „Tagespost“-Exklusivinterview. Begründung: „Denn eine Kapitulation bedeutet für uns Hinrichtung und Tod.“ Das hätten die russischen Truppen in den besetzten Gebieten längst bewiesen. Hier habe man Folterkammern, Massengräber und Todeslisten vorgefunden. 

Lesen Sie auch:

Großerzbischof Schewtschuk, den „Die Tagespost“ zum Gespräch in München traf, ist davon überzeugt, dass Russland eine genozidale Agenda gegen die Ukrainer verfolgt: „Jeder, der sich für einen Ukrainer hält, soll hingerichtet oder umerzogen werden. Laut der offiziellen russischen Staatspropaganda gibt es keine ukrainische Nation. Wer sich als Ukrainer bekennt, ist damit Anhänger einer Ideologie, und wer diese nicht aufgibt und nicht bereit ist, sich der Umerziehung zu unterziehen, wird hingerichtet.“ Die Ukraine habe darum gar keine Wahl: „Wir müssen uns verteidigen.“

Russland braucht eine Bekehrung

Laut dem griechisch-katholischen Kirchenoberhaupt, zu dessen Kirche rund fünf Millionen Gläubige in der Ukraine zählen, ist die Voraussetzung für einen echten Frieden, dass Russland die nationale Identität der Ukrainer mit eigener Sprache, Kultur und Geschichte sowie dem Recht auf eigene Staatlichkeit anerkennt.

Schewtschuk
Foto: Bereza Zorian | Großerzbischof Schewtschuk im Gespräch mit Tagespost-Korrespondent Stephan Baier.

Die in Russland offiziell propagierte Ideologie der „russischen Welt“ sei „eine offene Kriegserklärung gegen die europäische Zivilisation“.


Schwere Vorwürfe macht Großerzbischof Schewtschuk der russischen Orthodoxie und ihrem Oberhaupt, Patriarch Kyrill: Er habe die Ideologie der „russischen Welt“ erst entwickelt und dem aktuellen politischen Establishment Russlands präsentiert. Russland brauche darum eine „Welle der Bekehrung“. DT/sba

Lesen Sie das vollständige Exklusiv-Interview mit Großerzbischof Schewtschuk am Donnerstag in Ihrer „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Die Tagespost Katholikinnen und Katholiken Russlands Krieg gegen die Ukraine Orthodoxe Kirchen

Weitere Artikel

1588 wurde die spanische Armada von den Engländern im Ärmelkanal besiegt. Hunderte Schiffbrüchige fanden ihre letzte Ruhe im Westen Irlands. Eine Spurensuche auf dem Friedhof.
20.09.2026, 05 Uhr
Andreas Drouve
Er ist ausgetretener Katholik, sympathisiert mit Orthodoxie und „heidnischem Umtrieb“. Ein Besuch bei dem Publizisten, dessen Verlag der Verfassungsschutz für gesichert rechtsextrem hält.
03.09.2026, 15 Uhr
Theo Hoenhorst
Wilhelm II. war stark an religiösen und theologischen Fragen interessiert. Hatte er wirklich ein Faible für den Katholizismus?
17.07.2026, 09 Uhr
Benjamin Hasselhorn

Kirche

Der Gedenktag des Heiligen am 4. November erinnert daran, wie Papst Clemens XI. einem politischen Konflikt ausgewichen ist. Er gründete auch die päpstliche Diplomatenakademie.
03.11.2026, 09 Uhr
Maximilian Böck
Bischof Wilmer will keinen deutschen Sonderweg und betonte die Einheit mit der Weltkirche. Zugleich wirbt er in Salzburg für die Anliegen des Synodalen Wegs.
02.11.2026, 17 Uhr
Meldung
Leo XIV. hat bei den US-Midterms abgestimmt. Seinem Amt wäre es angemessener gewesen, sich Benedikt XVI. zum Vorbild zu nehmen, der auf die Ausübung seines Wahlrechts verzichtet hatte.
02.11.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Der Gang zum Friedhof an Allerseelen kann schmerzlich sein. Doch Christen haben eine Hoffnung. Der Ackermann aus Böhmen zeigt, wie Klage und Glaube zusammenfinden können.
02.11.2026, 06 Uhr
Dorothea Schmidt
Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring