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In Davos gibt Trump Einblicke in sein Selbst- und Weltbild

Grönland zu besitzen, das scheint Donald Trump „eine kleine Bitte“ angesichts dessen, was die USA für Dänemark, Europa und die NATO alles taten.
US-Präsident Donald Trump
Foto: IMAGO / Xinhua | Undankbarkeit warf Trump nicht nur Dänemark und der NATO, sondern auch Europa und Kanada vor.

In Davos hat Donald Trump neuerlich unter Beweis gestellt, dass er der ungeschlagene Meister des Eigenlobes ist. Mit einem Zahlenfeuerwerk und einigen Seitenhieben auf seinen Amtsvorgänger „Sleepy Joe Biden“ garniert, schilderte er dem internationalen Auditorium des Weltwirtschaftsforums (WEF) am Mittwochnachmittag die „größte ökonomische Kehrtwende“ Amerikas, die er in den zwölf Monaten seiner zweiten Amtszeit zustande gebracht habe. Das amerikanische „Wirtschaftswunder“ sei auch gut für die Welt, so der US-Präsident: „Wenn Amerika boomt, dann boomt die Welt.“ Man müsse eben nur seinem Weg folgen, aber das tue Europa nicht, sondern entwickle sich in die falsche Richtung. Immerhin bezeichnete Trump Europa – neben Japan und Südkorea – als Partner der USA in der Welt.

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Nach einer knappen halben Stunde fragte Trump das Publikum schelmisch schmunzelnd, ob man ihn über Grönland hören wolle – und nahm das Lachen als Zustimmung. Seine These klingt simpler, als sie ist: Grönland sei von strategischer Bedeutung für die nationale (das heißt: US-amerikanische) und internationale Sicherheit, doch nur die USA seien in der Lage, die Insel tatsächlich zu schützen – nicht aber das kleine Dänemark. Deshalb sei es letztlich gut für Dänemark und Europa, wenn die USA „dieses gigantische Land“ übernehmen. Neuerlich schmunzelnd versprach Trump, dass er Gewalt nicht anwenden wolle und werde.

Beschuldigungen statt Argumente

Statt seine These mit den real existierenden russischen Ambitionen in der Arktis oder mit den zukünftigen chinesischen Plänen zu untermauern, setzte Trump in Davos auf beleidigte Anschuldigungen. Zunächst gegen Dänemark: Die USA hätten für dieses Land im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland, Japan und Italien gekämpft, aber nach dem Krieg Grönland an Dänemark zurückgegeben. „So dumm waren wir. Aber wir taten es. Und jetzt, wie undankbar sind sie!“ Dann zog Trump gegen die NATO vom Leder: Die USA stünden hundert Prozent zur NATO, aber nicht umgekehrt. Amerika habe stets alles bezahlt, doch das habe er gestoppt: „Das war immer eine Einbahnstraße!“ Allein die USA hätten Europa verteidigt gegen die Sowjetunion, aber nun wolle man „dieses Stück Land“ – das sei doch „eine kleine Bitte, gemessen daran, was wir getan haben“.

Undankbarkeit warf Trump nicht nur Dänemark und der NATO, sondern auch Europa und Kanada vor. Kein Zweifel, dass Donald Trump sich selbst und seinem Land eine gloriose Rolle in der Welt wie in der Weltgeschichte zuschreibt und dafür weltweite Dankbarkeit einfordert. Das schimmerte zuletzt auch in seinem Brief an den norwegischen Regierungschef durch, in dem sich Trump offen darüber beschwerte, dass man ihm den Friedensnobelpreis verweigerte. Hier wie in Davos insistierte er darauf, acht Kriege beendet zu haben.

Hass zwischen Putin und Selenskyj 

Zum Ukraine-Krieg, der trotz seiner vollmundigen Wahlkampfversprechen andauert, hatte Trump in Davos zwei Thesen: Erstens, dass es dazu nie gekommen wäre, wenn er 2022 im Amt gewesen wäre, und zweitens, dass es zu einem dritten Weltkrieg hätte kommen können, wenn Kamala Harris zur US-Präsidentin gewählt worden wäre. Beides ist natürlich höchst spekulativ und lässt sich nicht mehr verifizieren.

Trumps mehrfaches Bedauern über das grauenvolle Blutvergießen in der Ukraine mag durchaus authentisch sein, aber zu einer klaren Aussage über Aggressor und Opfer wollte sich der US-Präsident auch in Davos nicht durchringen. Trumps Erklärung, dass der Krieg trotz seiner Bemühungen weitergehe, weil es so „unglaublich viel Hass zwischen Putin und Selenskyj“ gebe, ist jedenfalls viel zu schlicht. Wie seine Vorschläge für einen Kompromissfrieden.

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Stephan Baier Donald Trump

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