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Éric Zemmour kündigt Präsidentschaftskandidatur an

Mit provokanten Einlassungen zum Islam und zur Immigration sorgt der Essayist und Buchautor seit langem für Aufmerksamkeit. Nun will er Emmanuel Macron herausfordern.
Éric Zemmour kandidiert um Präsidentenamt
Foto: Daniel Cole (AP) | Zemmours scharf provokante Einlassungen zum Islam und zur Immigration brachten ihm in der Vergangenheit nicht nur höchste Einschaltquoten, sondern auch bereits die ein oder andere Klage wegen Rassismus und ...

Mit einer Videobotschaft hat der umstrittene Essayist und Buchautor Eric Zemmour heute seine Kandidatur zur französischen Präsidentschaftswahl bekanntgegeben. Seine ungeheure Bekanntheit verdankt der Herausforderer Emmanuel Macrons seinen regelmäßigen hitzigen Debattenbeiträgen in verschiedenen audio-visuellen und Printmedien. Seine scharf provokanten Einlassungen zum Islam und zur Immigration brachten ihm in der Vergangenheit nicht nur höchste Einschaltquoten, sondern auch bereits die ein oder andere Klage wegen Rassismus und Islamophobie ein. Auch mit der LGBT-Szene und dem Feminismus legt sich Zemmour regelmäßig an.

Er mischt die Konstellationen rechts der Mitte auf

Bereits im September startete sein inoffizieller Wahlkampf mit einer Reihe von Veranstaltungen quer durch Frankreich zur Vorstellung seines neu erschienen Buchs. Die Spannung rund um eine offizielle Kandidatur Zemmours ist in den letzten Wochen unter seinen Fans und Konkurrenten täglich gestiegen. Mit Zemmour mischt ein Seiteneinsteiger die politische Szene und die bisherigen Konstellationen rechts der Mitte auf. 

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„Es ist nicht mehr die Zeit, Frankreich zu reformieren, sondern Frankreich zu retten. Deswegen habe ich mich entschieden, in der Präsidentschaftswahl zu kandidieren.“ Seine heutige Videobotschaft schließt lückenlos an Eric Zemmours Thesen der vergangenen Jahre an. Frankreichs Elite habe das Land seit Jahrzehnten in eine materielle und kulturelle Verarmung getrieben. Schuld daran sei unter anderem die Islamisierung Frankreichs durch eine verfehlte Flüchtlings-, Asyl- und Immigrationspolitik.

Im Hintergrund laufen Videoausschnitte von Drogendealern, Attacken auf offener Straße, Polizisten, die im Dienst angegriffen werden und Muslimen, die zu Duzenden auf offener Straße beten. Ort der Szenen: Paris und Umgebung. Viele Franzosen hätten „den Eindruck, nicht mehr zu Hause zu sein. Ihr habt das Land nicht verlassen, aber es ist, als habe das Land euch verlassen“.

"Lassen uns nicht beherrschen, erobern, kolonisieren"

In einem historischen Rückgriff beschwört Zemmour das Frankreich Jeanne d’Arcs, Ludwigs XIV., Napoleons und De Gaulles, ein Land, das große Schriftsteller, Philosophen, Künstler und Wissenschaftler hervorgebracht habe. In kurzen Sätzen überschlägt der frischgebackene Kandidat sein Wahlprogramm zur Reindustrialisierung Frankreichs, zur Stärkung des Mittelstandes und zur Befreiung des Schulsystems aus den Händen der Gendertheorie und dem „links-islamischen“ Ideologie.

Auch die Bewahrung und Aufwertung des architekturalen, kulturellen und natürlichen Erbes der Nation steht auf dem Programm, ebenso wie eine Wiedererlangung der Souveränität gegenüber der EU. „Wir lassen uns nicht beherrschen, niederwerfen, erobern, kolonisieren“, ruft Zemmour den Zuschauern entgegen, um mit dem obligatorischen „Vive la France“ zu enden.  DT/fha

Was die Kandidatur Eric Zemmours für das politische Gefüge und die Chancen Macrons auf Wiederwahl bedeuten und warum auch ein Teil der französischen Katholiken mit dem streitbaren Journalisten liebäugelt, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe der Tagespost.

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