Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Die Kulturpessimisten sind nicht die Konservativen

Karoline Leavitt macht es anders als Alexandria Ocasio-Cortez: Konservative Frauen bekommen in den USA mehr Kinder als linksliberale. Haben sie einfach die ansprechendere Zukunftsvision?
Die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez
Foto: IMAGO / Newscom World | Die linke US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez versucht sich in Sachen Familienplanung mehr Zeit zu verschaffen, indem sie ihre Eizellen einfrieren lässt.

Sollte man noch Kinder in diese Welt setzen? Was früher für die meisten selbstverständlich war, wird heute oft hinterfragt, zergrübelt, vertagt – bis es schließlich zu spät ist. Die linke US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez versucht sich mehr Zeit zu verschaffen, indem sie ihre Eizellen einfrieren lässt. So kann sich die 36-Jährige ganz auf ihre politische Karriere konzentrieren. Ganz anders Trumps bisherige Pressesprecherin Karoline Leavitt: Die 28-Jährige entschied sich für Kinder statt Karriere und wird nun, gut drei Monate nach der Geburt ihres zweiten Kindes, von ihrem exponierten Amt zurücktreten, um sich ganz der Familie zu widmen. 

Lesen Sie auch:

Die völlig unterschiedlichen Entscheidungen der zwei so gegensätzlichen politischen Talente Ocasio-Cortez und Leavitt wurden in den öffentlichen Reaktionen oft zum Anlass genommen, um erneut die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu reflektieren. Der Erkenntniswert dürfte gering sein, stehen doch beide Frauen nicht stellvertretend für den Kampf durchschnittlicher amerikanischer Paare mit den schwierigen finanziellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen in Sachen Familiengründung.

Die Demokraten habe lange Ängste geschürt

Viel aufschlussreicher ist dagegen, dass Leavitt, stramme Konservative und praktizierende Katholikin, ihre hochrangige Position innerhalb der Trump-Regierung gar nicht erst davon abgehalten hat, zwei Kinder zu bekommen, im Gegensatz zur äußerst linken Ocasio-Cortez, die fundamental andere Prioritäten setzt. Hier handelt es sich nicht um Einzelfälle: Studien belegen, dass konservative Frauen in den USA mehr Kinder bekommen als linksliberale. Und der Unterschied ist in den vergangenen 15 Jahren sogar noch gewachsen.

Warum ist das so? Vielleicht haben Konservative derzeit einfach die ansprechendere, optimistischere Vision für die Zukunft. Und das, obwohl sie sich stets gegen das Label der Kulturpessimisten wehren müssen. Allerdings haben besonders die US-Demokraten lange zu punkten versucht, indem sie Ängste vor dem politischen Gegner schürten und negative Szenarien für die USA unter Trump heraufbeschworen. Vielleicht dürfen sie sich nicht wundern, dass ihre Wähler in diese düstere Welt, vor der sie warnen, keine Kinder setzen wollen.

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Alexandria Ocasio-Cortez Familiengründung Konservative

Weitere Artikel

Über Emanzipation, Geburtenrückgang und warum ein kulturelles Umdenken für unsere Zukunft notwendig ist.
06.06.2026, 19 Uhr
Michael K. Hageböck Dorothea Hageböck
Papst Leo XIV. wirbt vor Politikern für einen „frischen Frühling für die Familie“, doch der würde eine radikale Umkehr voraussetzen.
26.05.2026, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Grün schlug 1992 vor, einen beschuldigten Priester im Dienst zu lassen. An den Fall erinnerte er sich am Freitag nicht, nach Angaben von Münsterschwarzach jetzt offenbar doch.
09.09.2026, 12 Uhr
Meldung
Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer
Die Bauerstochter diente im Zweiten Weltkrieg als Ordensschwester kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein spektakuläres Heilungswunder ermöglichte die Seligsprechung.
09.09.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Mariä Geburt: Die Kirche feiert den Geburtstag einer Frau, die Weltgeschichte schrieb. Doch warum wird sie als Morgenröte besungen?
08.09.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt