Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Istanbul

Christliche Kunst in der Hagia Sophia weiter verhüllt

Seit der Umwandlung der Istanbuler Hagia Sophia zur Moschee sind die christlichen Mosaike und Fresken nicht mehr sichtbar. Die Religionsbehörde Diyanet hält sich offenbar nicht an die Zusage, die Kunstwerke nur während der islamischen Gebetszeiten zu verhüllen.
Islamisches Opferfest "Eid Al-Adha" - Türkei
Foto: Uncredited (Pool Diyanet/AP) | Die einst prächtigste und größte Kirche der Christenheit, die über Jahrhunderte die Basilika der Patriarchen von Konstantinopel war, wird seit der Umwandlung offiziell als „Groß-Moschee Hagia Sophia“ bezeichnet.

Die christlichen Mosaike und Fresken in der Istanbuler Hagia Sophia sind offenbar weiterhin verhängt. Dies berichtet der vatikanische Pressedienst „Asianews“. Entgegen den Versprechen der türkischen Regierung sollen die Kunstwerke aus dem 9. und 10. Jahrhundert seit der Umwandlung desUNESCO-Weltkulturerbes vom Museum zur Moschee für Besucher nicht mehr sichtbar sein. 

Lesen Sie auch:

Dauerhaft mit weißen Leinentüchern verhängt

Die Hagia Sophia war am 24. Juli vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan offiziell zur Moschee erklärt worden. Ankara hatte jedoch versprochen, dass die christlichen Mosaike, Fresken und Ikonen-Darstellungen für Besucher weiter zugänglich blieben und nur während der islamischen Gebetszeiten von aufziehbaren Vorhängen verdeckt sein würden. Stattdessen verhüllen nun dauerhaft weiße Leinentüchter die Kunstwerke aus der byzantinischen Zeit.

Laut „Asianews“ liegt der Grund dafür in der neuen Verwaltung des historischen Bauwerks. War vor der Umwandlung noch das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus zuständig, liegt die Verantwortung nun bei der islamischen Religionsbehörde Diyanet. Diese halte sich nicht an die vorab erteilte Zusage.

Die Angestellten des Kultur- und Tourismusministeriums arbeiten jedoch weiterhin in der Hagia Sophia. „Asianews“ zitiert einen der Mitarbeiter, der gegenüber der türkischen Zeitung „BirGün“ geäußert hatte, dass ursprünglich Vorhänge vor den christlichen Kunstwerken angebracht werden sollten, die sich auf- und zuziehen ließen, „aber wir haben keine Informationen, wann das geschehen wird“.

Heftige internationale Kritik an Erdogan

Mit einem muslimischen Freitagsgebet hatte Präsident Erdogan die Hagia Sophia, die seit 86 Jahren als Museum galt, am 24. Juli zur Moschee umgewandelt. Die einst prächtigste und größte Kirche der Christenheit, die über Jahrhunderte die Basilika der Patriarchen von Konstantinopel und die Krönungskirche der byzantinischen Kaiser war, wird seitdem offiziell als „Groß-Moschee Hagia Sophia“ (Ayasofya-i kebir cami-i serifi) bezeichnet. Sie wurde von der Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmet II. im Jahr 1453 bis 1934 als Reichsmoschee der Osmanen genutzt.

International wurde Erdogan für seinen Schritt heftig kritisiert – die griechisch-orthodoxe Kirche in Griechenland, Zypern und den USA beging den Tag der Umwandlung als Trauertag.  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Redaktion Christen Hagia Sophia Moscheen Recep Tayyip Erdoğan

Weitere Artikel

Sie war eine der bedeutendsten Kirchen der Christenheit: Dass Leo XIV. bei seinem Instanbul-Aufenthalt die Sultan-Ahmet-Moschee statt der Hagia Sophia besucht, hat einen guten Grund.
28.11.2025, 19 Uhr
Stephan Baier
Archäologische Funde am Arabischen Golf zeigen, dass christliche Gemeinden nicht sofort nach der Geburt des Islams verschwanden.
08.03.2026, 16 Uhr
Bodo Bost

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok