Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung ORGANSPENDE

Bundesrat fordert Gesetzesinitiative zur Einführung der Widerspruchslösung

Die geltende „erweiterte Zustimmungslösung“ hat sich nach Ansicht der Länderkammer in der Praxis nicht bewährt.
Ein Organspendeausweis - bald Vergangenheit?
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Ein Organspendeausweis - bald Vergangenheit? Der Bundesrat hat eine Initiative für eine Widerspruchslösung vorgestellt, bei der jede Person als Organspender gilt, es sei denn, sie legt Widerspruch ein.

Angesichts „der niedrigen und rückläufigen Organspendezahlen“ hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen, der eine sogenannte Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz (TPG) einführt. Bei einer Widerspruchslösung gilt grundsätzlich jede Person als Organspenderin beziehungsweise Organspender, es sei denn, diese oder – nach ihrem Tod – eine andere Person, wie etwa die nächsten Angehörigen, widersprechen einer Organentnahme. Der auf Initiative von acht Ländern gefasste Entschließung (Bundesratsdrucksache 582/23) wurde der Bundesregierung zugeleitet. Diese entscheidet, wann sie sich mit der Forderung befasst. Fristen dafür gibt es nicht.

Lesen Sie auch:

Zahl der Organspenden stagniert auf niedrigem Niveau

Mit der Einführung einer Widerspruchslösung würden markante Verbesserungen der Organspendesituation erzielt, argumentiert die Länderkammer in dem Beschluss. Die Organspende wäre der Normalfall, die Situation für Angehörige klarer. Praktisch alle europäischen Länder mit hohem Spendeaufkommen hätten als Grundlage die Widerspruchslösung eingeführt. Auch habe sich die derzeit geltende „erweiterte Zustimmungslösung“ in der Praxis nicht bewährt: Die Zahl der Organspenderinnen und -spender stagniere auf niedrigem Niveau – trotz intensiver und langjähriger Aufklärungs- und Informationskampagnen durch Bund und Länder. Umfragen zufolge hätte lediglich ein Drittel der Bevölkerung bisher eine selbstbestimmte Entscheidung getroffen und im Organspendeausweis festgehalten. Daher müssten oft Angehörige entscheiden, die in der akuten Situation des Todes von nahen Angehörigen mit der Entscheidungslast häufig überfordert seien und eine Spende ablehnten.

Bundesärztekammer unterstützt Forderung der Länder

Unterstützung kam von Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt. „Die Widerspruchslösung kann viele Menschenleben retten. Sie kann helfen, die große Lücke zwischen der hohen grundsätzlichen Spendebereitschaft in der Bevölkerung und den tatsächlichen niedrigen Spendezahlen zu verringern. Gleichzeitig wird mit der Widerspruchslösung die individuelle Entscheidungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger über die Organspende respektiert“, erklärt Reinhardt in einer Pressemitteilung. Reinhardt nannte es „unbedingt erforderlich“, dass Informationen zum Thema Organspende „allgemein verständlich und niedrigschwellig“ zur Verfügung ständen. Aus Sicht der Bundesärztekammer sende die Widerspruchslösung „ein starkes Signal der Solidarität“ und eröffne „die Chance auf eine verstärkte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem sensiblen Thema Organspende“. Auf dieser Grundlage könne jeder Bürger und jede Bürgerin eine gut informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen. DT/reh

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Deutscher Bundesrat Klaus Reinhardt Transplantationsgesetze

Weitere Artikel

In der groß angelegten „Vereinbarten Debatte“ über einen Paradigmenwechsel bei der Organspende hielt Michael Brand eine so bemerkenswerte wie selbstkritische Rede.
26.06.2026, 11 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser