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Bei den Grünen sieht Otto Schily rot

Einst gründete er die Partei mit, jetzt hadert der frühere Bundesinnenminister mit der Energiepolitik der Grünen. Und zwar aus ökologischen Gründen.
Buchpräsentation "Die große Energiekrise"
Foto: Paul Zinken (dpa) | Otto Schily, ehemaliger Bundesminister, spricht im Hotel Albrechtshof bei der Buchpräsentation "Die große Energiekrise: ... und wie wir sie bewältigen können".

Von Altersmilde kann keine Rede sein. Otto Schily, der im letzten Sommer seinen 90. Geburtstag feierte, ist immer noch der scharfe Analytiker und Klartext-Redner als den man ihn seit fünf Jahrzehnten auf der politischen Bühne kennt. Freilich: Solche wie er sind heute rar. Seine Souveränität und Unabhängigkeit haben ihn schon immer zum Gegenteil eines Parteisoldaten gemacht.

Umso gespannter konnte man sein, als der Langen Müller-Verlag ankündigte, dass der ehemalige Bundesinnenminister das neuste Buch des ehemaligen Hamburger Umweltsenators Fritz Vahrenholt vorstellt. Vahrenholt, Sozialdemokrat wie Schily (vor drei Jahrzehnten wechselte dieser von den Grünen zu den Sozis), ist einer der Pioniere der erneuerbaren Energien, ausgewiesener Naturschützer – von 2012 bis 2019 Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung-, aber eben auch einer der profiliertesten Kritiker der Energiepolitik der Ampel-Regierung, vor allem aber der Linie der Grünen.

Schily ist seinen alten Prinzipien treu geblieben

Seine wichtigsten Erkenntnisse hat er nun in seinem neuen Buch „Die große Energiekrise und wie wir sie bewältigen können“ zusammengefasst. Dass nun ausgerechnet Schily, also der Mann, der vor vier Jahrzehnten die Grünen mitgegründet hat und dann über viele Jahre eines der Gesichter der Partei war, heute die Laudatio auf diese Untersuchung gehalten hat, überrascht. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn schaut man genauer hin, zeigt sich: Schily ist seinen alten Prinzipien treu geblieben, nur seine alte Partei orientiert sich nun anders. 

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Da ist zunächst der Naturschutz: Schily untermauert seine Kritik an der Energiepolitik der Grünen gerade mit ökologischen Gründen. In unverantwortlicher Weise werde nur auf Windenergie gesetzt. Es müsse aber letztlich um einen Energiemix gehen. Dass sogar Richtlinien zum Schutz von Tieren oder der Landschaft aufgegeben würden, nur um das Windrad durchsetzen zu können – Schily kann das nicht nachvollziehen. Und hier zeigt sich auch das kritische Bewusstsein, auf das die Generation Schily, aber auch die Grünen sich ja eigentlich viel zu Gute halten. Zumindest der Ex-Minister hat es sich erhalten.

Religiöse Züge der öffentlichen Debatte

Die öffentliche Debatte zeige ja fast schon religiöse Züge, so Schily. Statt sich mit Fakten auseinanderzusetzen, flüchte man sich in Illusionen. Ein solches Faktum etwa sei: die Fortschritte in der Entwicklung der Kernkraftwerke. Längst gäbe es eine neue Generation von Reaktoren. Und auch für das Endlagerproblem zeichneten sich Lösungen ab. In der wissenschaftlichen Diskussion dürfe es eigentlich keinen Papst geben. Hier sei Unfehlbarkeit nicht am Platze. Doch in Deutschland werde eine wirklich offene Debatte blockiert, stattdessen gebe man sich Illusionen hin.  „Das muss uns Sorgen machen.“

Otto Schily könnte sich in sein Landhaus in der Toskana zurückziehen, aber meldet sich zu Wort. Er hadert mit der politischen Kultur in Deutschland. Der Pionier der deutschen Naturschutzbewegung will nicht, dass die freie Debatte unter Artenschutz gestellt wird. 

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Tagespost, wie Fritz Vahrenholt die Energiepolitik der Ampel-Regierung kritisiert und wie seine Gegenvorschläge aussehen.

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Sebastian Sasse Fritz Vahrenholt Otto Schily

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