Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Melbourne

Australien: Kolumnist kritisiert Verfahren gegen Kardinal Pell

Nie zuvor sei ein Gerichtsverfahren in Australien derart von der Vorverurteilung der Medien beeinflusst gewesen, wie der Prozess gegen Kardinal Pell, meint der Kolumnist Gerard Henderson.
Kritik am Verfahren gegen George Pell
Foto: David Crosling (AAP) | Das Urteil gegen ehemaligen Papstvertrauten Pell war bereits im vergangenen Dezember gesprochen worden. Eine Nachrichtensperre sollte jedoch verhindern, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangten.

Der australische Kolumnist Gerard Henderson hat den Prozess gegen Kardinal George Pell kritisiert. Nie zuvor in der habe er in Australien ein Gerichtsverfahren erlebt, bei dem die Medien derart voreingenommen gewesen seien wie im Fall des ehemaligen Finanzdirektors des Vatikan.

Medien üben großen Einfluss auf australisches Rechtssystem aus

Henderson wies im australischen Fernsehsender „Sky News“ darauf hin, dass im Bundesstaat Victoria, wo Pell vergangene Woche verurteilt wurde, anders als in anderen Bundesstaaten nie ein Richter allein das Urteil fälle. Stattdessen entscheide eine Jury über Verurteilung oder Freispruch, wodurch die Urteilsfindung häufig durch Voreingenommenheit geprägt sei.

Henderson kritisierte, dass die Medien in der heutigen Zeit somit großen Einfluss auf das australische Rechtssystem ausüben würden. Zwar wisse man nicht, wie der Prozess ausgegangen wäre, wenn ein Richter das Urteil über Kardinal Pell gesprochen hätte. „Man muss jedoch naiv sein, wenn man glaubt, dass keine Jury von den Medien beeinflusst wird“, so Henderson.

Pell soll zwei Chorknaben zum Oralsex gezwungen haben

Der 77-jährige Kardinal Pell soll 1996 zwei Chorknaben in der Kathedrale von Melbourne, wo er Erzbischof war, nach einem Gottesdienst in der Sakristei zum Oralsex gezwungen haben. Das Urteil gegen ehemaligen Papstvertrauten war bereits im vergangenen Dezember gesprochen worden. Eine Nachrichtensperre sollte jedoch verhindern, dass dieses an die Öffentlichkeit gelangte, da noch in einem weiteren Verfahren gegen den Kardinal ermittelt worden war. Inzwischen wurden diese Ermittlungen eingestellt.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz George Pell Kardinäle

Weitere Artikel

Ein amerikanisches Kleinkind war fast eine Stunde lang bewusstlos. Auf die Fürsprache des australischen Kardinals gehe es ihm heute gut.
29.03.2025, 12 Uhr
Meldung
Dem ehemaligen Erzbischof von Lima wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Der emeritierte Kardinal reagierte umgehend – und streitet jeden Vorwurf ab.
27.01.2025, 18 Uhr
Meldung

Kirche

Beim Empfang für die auswärtigen Diplomaten bemängelt der Papst die Meinungsfreiheit im Westen und übt scharfe Kritik an der wachsenden „Kriegslust“.
14.01.2026, 11 Uhr
Giulio Nova
Prominente Redner, beeindruckende Musikacts und inspirierende Zeugnisse: Die MEHR-Konferenz 2026 überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit. Ein Besuch bei den „hippen Missionaren“ in Augsburg.
13.01.2026, 16 Uhr
Marika Bals
Das neue Jahr beginnt mit dem päpstlichen Segen: Ein Blick hinter die Kulissen der Privataudienz der „Tagespost“ und des „Neuen Anfangs“ bei Papst Leo XIV.
13.01.2026, 15 Uhr
Franziska Harter
Abrechnung mit Franziskus: Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen ließ bei dem Kardinalstreffen in Rom offenbar kein gutes Haar am Synodalen Prozess des verstorbenen Papstes.
13.01.2026, 10 Uhr
Meldung
Die Krippendarstellung in einer Stuttgarter Christmette habe „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst“ und werfe Fragen nach liturgischer Verantwortung auf.
13.01.2026, 09 Uhr
Meldung