Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kontroverse um peruanischen Kardinal

Cipriani „überrascht und bestürzt über die Ungerechtigkeit“

In einem neuen Brief reagiert der emeritierte Kardinal Juan Luis Cipriani auf Missbrauchsvorwürfe, denen sich auch sein Nachfolger angeschlossen hatte.
Cipriani weiht Mattasoglio
Foto: Carlos Garcia Granthon via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | 2019: Cipriani weiht seinen Nachfolger Mattasoglio zum Erzbischof von Lima. Mittlerweile hat sich letzterer in die Ankläger seines Vorgängers eingereiht.

Wenige Tage nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen den Peruanischen Opus-Dei-Kardinal Juan Luis Cipriani hat dieser sich erneut gegen die Anschuldigungen zu Wehr gesetzt. In einem zweiten, am Mittwoch veröffentlichten Brief schreibt Cipriani, er sei „überrascht und bestürzt über die Ungerechtigkeit, mit der unbewiesene Behauptungen über mich als wahr akzeptiert werden.“ 

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Zuvor hatte die peruanische Bischofskonferenz eine Erklärung herausgegeben, in der es heißt: „Wir bedauern das Leid, das das Missbrauchsopfer und die kirchliche Gemeinschaft erfahren haben, und bitten das ganze Volk Gottes, den Wunsch des Opfers nach Anonymität zu respektieren.“ Zudem erkennen die Bischöfe „die kluge Entscheidung des Heiligen Vaters an, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu vereinen, indem er akzeptierte, dass er [Kardinal Cipriani] mit Erreichen seines 75. Lebensjahres das Amt des Erzbischofs von Lima niederlegt, und ihm gleichzeitig gewisse Einschränkungen auferlegt.“

Cipriani-Nachfolger bedankt sich bei Journalisten

Cipriani war 2018 als Erzbischof von Lima zurückgetreten – vor einigen Tagen hatte dann die spanische Zeitung „El País“ berichtet, dass der Grund für die Annahme des Rücktritts durch den Papst eine 2018 gegen ihn eingereichte Beschwerde wegen Missbrauchs eines Minderjährigen im Jahr 1983 gewesen sei. Nach dem Rücktritt hatte der Vatikan ihm Disziplinarmaßnahmen auferlegt, die er unterzeichnet und akzeptiert hatte.

 

Auch Ciprianis Nachfolger, Kardinal Carlos Castillo Mattasoglio, äußerte sich zwischenzeitlich in einem „Brief an das Volk Gottes“. Darin sprach der amtierende Erzbischof von Lima von „Opfern jeglicher Art von Missbrauch in unserer Kirche und Gesellschaft“ und kritisierte „Personen und Institutionen, die sich weigern, die Wahrheit der Fakten und die Entscheidungen des Heiligen Stuhls anzuerkennen“. Er bedankte sich zudem „für die positive Arbeit mehrerer Journalisten“, die „zum Schutz der Opfer beigetragen haben“.

Bürgermeister von Lima fordert faires Verfahren für Cipriani

In seinem neuen Schreiben bekräftigt nun wiederum Cipriani, dass er niemals ein Verbrechen begangen oder jemanden sexuell missbraucht habe. „Ich habe unterschrieben und gleichzeitig schriftlich erklärt, dass die Anschuldigung absolut falsch ist. Ich habe diese Maßnahmen aus Liebe zur Kirche und in Gemeinschaft mit dem Papst akzeptiert – und mich daran gehalten. Ich habe vorbeugende Maßnahmen hingenommen, bis die Wahrheit geklärt ist, obwohl sie auf einer falschen Anschuldigung beruht, gegen die ich mich nicht verteidigen konnte.“

Die spanische Plattform „InfoCatólica“ kommentierte den Fall mit den Worten: „Unabhängig davon, ob die Vorwürfe gegen den Kardinal zutreffen oder, wie er behauptet, haltlos sind – wie es bereits bei Kardinal George Pell der Fall war –, ist offensichtlich, dass Cipriani das grundlegende Recht auf Verteidigung verweigert wurde. Auch die Unschuldsvermutung wurde außer Acht gelassen.“

Inzwischen äußerte sich auch Limas Bürgermeister Rafael López Aliaga und zeigte sich betroffen über die vatikanischen Sanktion gegen Cipriani. Er betonte, dass jedem Menschen ein faires Verfahren zustehe – ein fundamentales Prinzip der Gerechtigkeit. (DT/jg)

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