Berlin

Apostolische Nuntiatur weist Umbenennung der „Pacelliallee“ zurück

Als „schlicht unseriös“ bezeichnet die Apostolische Nuntiatur den Vorstoß, eine nach dem späteren Papst Pius XII., Eugenio Pacelli, benannte Straße in Berlin umzubenennen. Pacelli habe im Zweiten Weltkrieg alles Mögliche getan, um Leid und Not von Menschen zu lindern.
Papst Pius XII.
Foto: Files (ANSA) | Ein "herausragender Diplomat und ein unbedingter Freund Deutschlands und Berlins", sei Eugenio Pacelli gewesen, so die Nuntiatur.

Die Apostolische Nuntiatur in Berlin hat den Vorstoß zweier Historiker, die nach dem päpstlichen Nuntius und späteren Papst Pius XII. benannte „Pacelliallee“ in Berlin umzubenennen, weil dieser sich nicht eindeutig gegen den Holocaust positioniert habe, als „schlicht unseriös“ zurückgewiesen. 

Vorwürfe tragen "Züge einer Kampagne"

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Die Vorwürfe, Pacelli habe als Kardinalstaatssekretär erheblichen Anteil an Hitlers „erstem außenpolitischen Erfolg“ gehabt, indem er das Reichskonkordat von 1933 unterzeichnete, und zudem die Deportation von Juden in Italien unkommentiert geschehen lassen und Fluchtversuche von NS-Kriegsverbrechern unterstützt, seien „hinlänglich bekannt“ und würden schon lange Züge einer Kampagne tragen, teilte die diplomatische Vertretung des Vatikan in Deutschland auf Anfrage dieser Zeitung mit. Daher müsse den Vorwürfen widersprochen werden.

Mit Eugenio Pacelli, der von 1920 bis 1929 Apostolischer Nuntius im Deutschen Reich war und ab 1925 in Berlin die erste Apostolische Nuntiatur bezogen hatte, sei ein „herausragender Diplomat und ein unbedingter Freund Deutschlands und Berlins durch die Namensgebung der ,Pacelliallee' geehrt“ worden, teilte die Nuntiatur weiter mit. „Im Zweiten Weltkrieg hat er alles, was ihm möglich war, getan, um Leid und Not von Menschen zu lindern, ohne Ansehen von Person, Herkunft oder Religion, und um zum Frieden zu bewegen.“ Dies sei zu belegen und gehöre zum Stand der Geschichtsforschung.

"Es ist daher recht und billig, wenn gerade in Berlin
eine Straße den Namen von Eugenio Pacelli trägt"

Nachdem Berlin durch die Angriffe der Alliierten zerstört worden sei, habe Pacelli als Papst Pius XII. beispielsweise seine Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen zum Ausdruck gebracht, als er am 18. Februar 1946 den Bischof von Berlin, Konrad Graf von Preysing, zum Kardinal erhob. Damit habe er dessen Wirken im Widerstand gegen die nationalsozialistische Ideologie geehrt, so die Apostolische Nuntiatur. „Es ist daher recht und billig, wenn gerade in Berlin eine Straße den Namen von Eugenio Pacelli trägt.“ 

Die Nuntiatur wies auch darauf hin, dass der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, von den Äußerungen des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, Kenntnis genommen habe. Klein hatte sich der Initiative der beiden Historiker Julien Reitzenstein und Ralf Balke zur Umbenennung der Pacellialle angeschlossen. „Er schwieg zum Holocaust und zum Mord an den Sinti und Roma, von denen viele dem katholischen Glauben angehörten, oder protestierte zumindest nicht vernehmlich“, argumentierte Klein.

In der Tagespost hatte sich zuvor der Historiker Michael F. Feldkamp kritisch zu einer Umbenennung geäußert. „Vorschläge, die Pacelliallee in Berlin umzubenennen, gab es schon früher. Sie kamen stets aus der sogenannten ,linken Ecke'“, so Feldkamp. Dass aber nun der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung diesen Vorschlag unterbreite, bewertete der Pacelli-Biograph als „bemerkenswert“.  DT/mlu

     

Lesen Sie weitere Hintergründe zur Diskussion um eine mögliche Umbenennung der Pacellialle in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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